Bruchsaler Steinbrüche Teil II
Ich möchte meine Serie mit dem wahrscheinlich ältesten Steinbruch Bruchsals beginnen, nämlich dem in der Huttenstraße. An der oberen Abbruchkante dieses Steinbruchs verläuft, parallel zu Huttenstraße, die Adolf-Bieringer-Straße. Der Steinbruch liegt also zwischen diesen beiden Staßen und er bildet den "Hinterhof" der Anwesen in der Huttenstraße. Er beginnt hinter den Häusern in der Friedrichstraße, wo er mit dem Anstieg der Adolf-Bieringer-Straße an Höhe gewinnt. Schon hinter der Hof-Apotheke befindet sich das Niveau der Adolf-Bieringer-Straße ca. 5m über der Friedrichstraße und die Hinterhöfe und Gärten der Friedrichstraße reichen bis zum ehemaligen Steinbruch heran.
Natürlich ist alles be- und überbaut, am Steinbruch sind Mauern hochgezogen. Das ändert sich mit zunehmendem Anstieg der Adolf-Bieringer-Straße, man befindet sich weiter oben schon in Augenhöhe mit den Dachgeschossen der Häuser der Friedrichstraße und ab dort, wo die Adolf-Bieringer-Staße rechtwinklig nach links abknickt, also parallel zu Huttenstraße verläuft, kann man den Steinbruch trotz Überbauung deutlich erkennen. Die Mauer, welche rechts der Straße verläuft, ist nämlich genau auf der Abbruchkante des Steinbruchs gebaut.
Hier ist die Mauer von der Straßenseite zu sehen:
Was liegt wohl dahinter? Schauen Sie:
Es sind die Hinterhöfe der Anwesen in der Huttenstraße. Die Mauer hat einige Durchlässe, durch die die Anwohner in ihre Gärten und Höfe kommen können. Gleich hinter den Häusern befinden sich die Höfe, dann geht es meistens Treppen hinauf zur Steinbruchwand, wo sich auf Vorsprüngen kleine Gärtchen, Ruhesitze und sogar Pavillons befinden
.
Auf Höhe des ehemaligen Anwesens Brauerei Denner ist die Steinbruchstruktur am deutlichsten zu erkennen. Hier hat der Steinbruch auch seine größte Höhe erreicht, ich schätze, es sind ca. 20 Meter. Zu meiner Kinderzeit gab es Gerüchte, hinter der Brauerei Denner befänden sich Höhlen und Klüfte, was wir Kinder natürlich genau wissen wollten. Also kletterten wir im Alter von 10,12 Jahren oben an der Andreasstaffel über die Mauer und am Steinbruch innen an der Mauer entlang und dann runter auf den unteren Teil der Andreasstaffel. Auf dem nachfolgenden Photo habe ich die "Route" schwarz gestrichelt. Wenn ich heute da runter schaue, kann ich nur noch den Kopf schütteln.
Hier noch einige Anichten: Man erkennt ganz deutlich, daß es sich um einen ehemaligen Steinbruch handelt.
Und das mit den Höhlen und Spalten, was wir als Kinder mit unserer Kletterei nicht verifizieren konnten, traf tatsächlich zu. Beim Abriß der alten Gebäude der Brauerei Denner traten sie zutage, darüberhinaus noch alte, in den Fels gehauene Keller, von denen man damals auch immer gemunkelt hat
Hier die Kellerzugänge:
Man sagt, die Keller stammen noch vor der Zeit der Brauerei Denner. Vielleicht gibt es unter den Bruchsal.org-Lesern jemand, der sich hier auskennt.
Schauen wir mal in solch einen Keller rein:
(Die Sprayer waren auch schon da)
Hier kann man deutlich sehen, daß der Keller in den Fels gehauen wurde.
Man erkennt die Auflagen für Fässer. Hier soll die Brauerei ihr Bier gelagert haben, bevor es elektrische Kühlung gab. Gekühlt wurde mit Eis, welches in einem anderen Keller gelagert wurde.
Wie hier zu ersehen, gibt es auch weiter oben irgendwelche Eingänge, die zugemauert sind.
Heute ist alles mit Beton überzogen.
An dieser Stelle befindet sich der Neubau des Ev. Altenzentrums.
Links noch einen letzten Blick hinauf...
Rechts einen Blick senkrecht hinunter.
Zum Abschluß möchte ich noch erläutern, weshalb ich diesen Steinbruch für den ältesten in Bruchsal halte:
Letzte Ausgrabungen unter dem SEPA-Gebäude haben gezeigt, daß Bruchsal sehr viel älter sein muß als bisher angenommen, da menschliche Überreste aus der Merowingerzeit gefunden wurden. Die Archäologen datieren diese Funde ins 7. oder 8. Jahrhundert, also noch vor dem Bau des an gleicher Stelle vermuteten Königshofs. Gehen wir aber noch weiter zurück. Zur Zeit, als die Steinzeitmenschen den Auberg besiedelten, schlängelte sich der Saalbach durch seine Auen, um in Bruchsal vom Kraichgau in die Rheinebene auszutreten. Links in Flußrichtung lag und liegt der Hügel, auf dem die Peterskirche steht, am Fuß dieses Hügels führt heute die Württemberger Straße entlang sowie die Durlacher Straße. Rechts in Flußrichtung liegen der Auberg, der Schaffnersberg und die Reserve. Der "Reservehügel" sinkt vom Belvedere langsam ab (siehe Adolf-Bieringer-Straße und Reserveallee) um bei der Zollhallenstraß das Niveau der Rheinebene zu erreichen. An diesen genannten drei Hügeln entlang führen heute die Hutten- und die Bergstraße - Steinbrüche gab es noch nicht.
Als die Franken das Tal besiedelten, bauten sie noch mit Holz, also dürfte es zu deren Zeiten noch keine Steinbrüche gegeben haben. Doch irgendwann müssen die Bruchsaler angefangen haben, ihre Häuser und Straßen aus Stein zu bauen. Die Steine holt man sich nicht mitten aus der Stadt, sondern von außerhalb. Die Steinbrüche an der Huttenstraße müssen damals also außerhalb der beginnenden Bebauung mit Steinhäusern gelegen haben. Wenn man bedenkt, daß der Bergfried nicht einmal hundert Meter Luftlinie vom Steinbruch in der Huttenstraße entfernt steht, so muß die Ansiedlung arg klein gewesen sein, vielleicht begann das Bauen mit Stein tatsächlich erst mit dem Bau des Königshofes, dann war der Steinbruch nicht allzuweit weg.
Wenn dem so war, dann wurde der Steinbruch sicherlich solange genutzt, bis die Stadt an ihn herangewachsen war. Die Hutten- und die Bergstraße waren am Anfang meines Erachtens Transportwege, auf denen das Material abgefahren wurde. Als der Bergfried gebaut wurde, war die Stadt sicherlich schon so groß, daß der Huttenstraßensteinbruch nicht mehr nutzbar war und er entlang des Transportwegs, der heutigen Huttenstraße, bebaut wurde. Vielleicht kamen die Steine für den Bergfried aus der Bergstraße oder dem Rohrbachtal. Ich bin kein Geologe und kein Historiker und kann mit meinen Annahmen natürlich grottenfalsch liegen, aber der Gedankengang scheint mir logisch. Vielleicht gibt es sogar eine Abhandlung über die Bruchsaler Steinbrüche, würde mich freuen, wenn ich davon erfahren würde. So schätze ich das Alter dieser Steinbrüche auf den Beginn des Baus des Königshofes und die Nutzung ca. 200 Jahre.
Im nächsten Teil gehe ich auf die Steinbrüche an der Bergstraße ein, das wird ebenfalls sehr interessant werden. Hier einen Vorgeschmack:
Bis dann.
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Kommentare
Geologisches und zur Nutzung
""...Von B 3 Richtung Eichelberg-Kaserne fahren. Nach ca. 700 m hinter Stützmauer... links oben im Hang ehem. Steinbruch, Grabungsstelle der Landessammlungen auf Ceratiten-Pflater... zwar abgebaut, aber in herumliegenden Blöcken sind noch andere Fossilien zu finden..."
"... zur Württemberger Straße, dort rechts Richtung Heidenheim (richtig: Heidelsheim)... Rest einer Steinbruchlandschaft, deren Wände bis nach Bruchsal hineinziehen... Bruch war fossilreich...Viele alte Gebäude i. d. Stadt wurden mit Blöcken aus diesen Brüchen gebaut und gelegentlich entdekct man noch Ceratiten in alten Stützmauern..."
"... Weiter auf B 3. Etwa 1 km nach dem Zuchthaus asphaltierter Weg nach rechts....Direkt westlich waren Steinbrüche, wo Material zum Bau des Bruchsaler Schlosses herausgeholt wurde; sie sind jedoch alle zugeschüttet..."
Aus "Sammlung geologischer Führer Bd. 78 - Karlsruhe und Umgebung" - von Laszlo Trunkó, Ausgabe 1984, teilweise bezügl. Anfahrtsbeschreibungen überholt und auch einige kleine Fehler enthaltend.
Eine Ceratitenplatte von der Schindgasse dürfte sich in den städt. Sammlungen im Schloss befinden; interessant ist der Hinweis auf die verfüllten Steinbrüche im Norden der Stadt an der heutigen B 3 - gehört der Stbr. im Heubühl auch dazu?
Geologisches...
Von der B 3 kommend rechts die Württemberger Str. Richtung Heidelsheim: Die Reste der Steinbruchlandschaft, die sich bis Bruchsal hineinzieht, sind die Steinbrüche an der Bergstraße, über die ich in der nächsten Folge berichten werde.
Bei den verfüllten Steinbrüchen im Norden der Stadt an der B 3, etwa 1 km nach dem "Zuchthaus", aspaltierter Weg nach rechts: Dabei handelt es sich um den Weg beim Weingut Klump Richtung Oberer Pflüger zum Schleicherhof. Nach ca. 300 m rechts an der Grenze Oberer Pflüger/Heubühl befindet sich ein Wäldchen, darin ein halb zugeschütteter Steinbruch. Könnte einer dieser verfüllten Steinbrüche sein, aus deren Steinen das Schloß gebaut wurde. Über diesen Steinbruch werde ich auch noch berichten.
Den Steinbruch Richtung Eichelbergkaserne habe ich nicht zu den unmittelbaren Bruchsalern Steinbrüchen hinzugerechnet, da er zu weit weg liegt. Werde mich aber einmal um Fossilien kümmern.