Das Bruchsaler Freibad lädt zur Feier seines Fünfzigsten ein
Wenn das aus Funk- und Fernsehen bekannte Nordlicht Käpt'n Blaubär im Südwesten sein Seemannsgarn spinnt, lokale Polit-Prominenz sich im SaSch!-Freibad drängt, ein Rednerpult samt Mikrofon vor dem Schwimmmeistergebäude in der Sonne auf Lobesworte wartet, die Bruchsaler Stadtkapelle unter freiem Himmel aufspielt, Kinder sich bei einer „Pool in Action"-Party zu Hunderten quietschvergnügt im Wasser tummeln, kurz: im Bruchsaler Freibad der Ausnahmezustand ausgerufen wird, dann hat das seine Gründe: Das Freibad ist 50 Jahre jung geworden und lässt sich von der Stadtwerke Bruchsal GmbH (SWB) anlässlich dieses runden Geburtstags ausgiebig feiern.
Bunte Plakate kündigen für Sonntag, den 4. Juli, von 9 bis 20 Uhr, das geplante Geburtstagsfest bereits an allen Ecken der Stadt an: „SPASS, NASS UND SPIEL FÜR DIE GANZE FAMILIE" - zur Feier des Tages bei freiem Eintritt, versteht sich! Mit dabei ist auch ein Blaupelz, dem der Butler Johann aus der TV-Serie „Graf Yoster gibt sich die Ehre" (1967-1976), Schauspieler Wolfgang Völz, seine Stimme leiht: Käpt'n Blaubär, Generationen von Kindern (und Eltern!) vertraut aus der sonntäglichen „Sendung mit der Maus" des WDR-Fernsehens in Köln. Ab 9 Uhr öffnet das SaSch!-Freibad an diesem Sonntag seine Pforten für die Geburtstagsgäste. Die dem feierlichen Anlass gemäße Ansprache übernimmt Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. Sie wird von Klängen der Stadtkapelle in der Zeit von 11 bis 13 Uhr musikalisch umrahmt.Von 13 bis 17 Uhr steppt nicht nur der Blaubär, denn in dieser Zeit findet schwerpunktmäßig das animierte Aktionsprogramm im Bad statt. Das bietet u.v.a. eine „Pool in Action"-Party, Informationen, ein Quiz und Aktionen rund um die Gesundheit durch die AOK Bruchsal („Die Gesundheitskasse"). Die Lebensretter der DLRG präsentieren sich und ihre Leistungsfähigkeit mit eigenem Infostand. Die Wasseraufsicht übernimmt das bewährte BadePark-Personal der SWB. Die SWB verteilt auch an die jüngeren und junggebliebenen Badegäste Giveaways in Form von Luftballons und Gummibärchen, so lange der Vorrat reicht. Die Bewirtung für das feuchtfröhliche Ereignis hat der Partyservice Lanz übernommen. Einen Vertrag mit dem Wettergott über 11 Stunden schönstes Badewetter haben die Verantwortlichen bereits abgeschlossen. Der Spaß stellt sich von ganz alleine ein. Alles, was die Geburtstagsgäste mitbringen müssen, sind Badekleidung und Sonnenschutz in Form von entsprechenden Hautcrèmes, Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen. Im Schatten lässt es sich bekanntlich mindestens genau so knackig, aber deutlich gesünder bräunen. Aber für ein relaxtes Entspannen dürfte das SaSch!-Freibad an diesem Sonntag angesichts des Animationsprogramms nicht eben der geeignetste Ort sein.
►Freibad-Historie:
Am Samstag, 14. Mai 1960, wurde unter dem damaligen Bruchsaler Oberbürgermeister, Prof. Franz Bläsi, erstmals am heutigen Standort, Sportzentrum 7, die Freibadesaison eröffnet. „Das Bad war sehr modern gebaut für seine Zeit, ein echtes Vorzeigebad", erinnert sich Fritz Seeburger, einer der wohl dienstältesten ehemaligen Bademeister. „In den Anfangszeiten waren 4.000-5.000 Besucher pro Tag der Normalfall", beschreibt er die Anziehungskraft, die das „neue" Freibad seinerzeit auf die Bruchsaler Bevölkerung ausübte. 1960 war zwar die weitläufige „englische" Parklandschaft bereits angelegt, die Bäume allerdings von der heutigen Pracht noch ein halbes Jahrhundert entfernt, denn sie waren ja gerade erst gesetzt worden. 41 Jahre lang stand das Freibad seinen Badegästen in guten wie in schlechten Sommern zur Verfügung. Während die Bäume immer prächtiger wurden, war das Bad in die Jahre gekommen. Sein altersbedingt schlechter Gesamtzustand bedurfte umfassender Sanierungsmaßnahmen ebenso wie einer gründlichen technischen Überholung. Alle wesentlichen Anlagenteile mussten saniert werden: Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Kleinkinderbecken, der gesamte technische Anlagenteil einschließlich der Wasseraufbereitung, der Sanitär- und Duschbereich, der Umkleidebereich sowie der Eingangs- und Kassenbereich. Im Jahre 1991 war aus Kostengründen lediglich die Erneuerung des Kleinkinderbeckens realisiert worden. Nach der Generalsanierung vom 24. September 2001, als der symbolische erste Spatenstich erfolgt war, bis zur feierlichen Wiedereröffnung am 3. Mai 2003,nahmen die Bruchsaler „ihr" Freibad, das jetzt zeitgemäß unter dem Begriff „SaSch!", einem Kunstwort, das komponiert wurde aus den Begriffen „Saunieren" und „Schwimmen" subsummiert wird, nur zu gern wieder in Besitz. Gleich der erste Sommer entwickelte sich als „Jahrhundertsommer" und bescherte dem nagelneuen SaSch!-Freibad einen Besucherrekord von 190.000 Badegästen. Die Edelstahlauskleidung für Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken sowie die Neugestaltung des Nichtschwimmerbeckens mit „Strandbereich" und verschiedenen Attraktionen, wie Großrutsche, Familienrutsche, Sprudelliegen und Wasserkanonen, verfehlten ihre attraktivierende Wirkung nicht und bescherten dem SaSch!-Freibad seitdem jedes Jahr durchschnittlich rund 125.000 Besucher.
►Freibad in Zahlen:
Bauzeit 1959-1960
Neueröffnung 14. Mai 1960
Saison 15. Mai bis 15.September
Besucherzahl 4.000 bis 5.000 Besucher täglich (in den Anfangsjahren sowie - nach Ausbau der Baggerseen - in guten Sommern!)
Wassertemperaturen 14°-16°C
Übernahme von der Stadt 1982: Die Stadtwerke Bruchsal GmbH übernimmt das Hallen- und Freibad Bruchsal von der Stadt
Sanierung des Kleinkinderbeckens: Das Kleinkinderbecken wird am 19. Juni 1991 wieder eröffnet
Generalsanierung September 2001 bis Mai 2003
Wiedereröffnung 3. Mai 2003
Wassertemperaturen 20°-24°C (beheizt!)
Jahrhundertsommer Die neue Attraktivität und der so genannte Jahrhundertsommer 2003 bescheren dem Freibad SaSch! 190.000 Besucher
Besucherzahl im Durchschnitt rund 125.000 jährlich
►Historischer Kontext:
Begonnen hatte alles in den Sechzigern. Das war die Zeit, als Sabine, Susanne, Petra, Birgit und Gabriele bei den Mädchennamen, Thomas, Michael, Andreas, Peter und Frank bei den Jungennamen am beliebtesten waren, die Zeit von Johann „Hans" Riegel aus Bonn (Haribo) oder Fritz Sattler und seiner Dextrose-Produkte (Sadex), auf dessen Idee, „Kinderzigaretten" aus gepresstem Brausepulver herzustellen, die noch heute beliebten Brausestäbchen zurückgehen. Auch das Frigeo „Ahoi-Brause"-Pulver weckt prickelnde Erinnerungen an jene Zeit. „Mit 17 hat man noch Träume" (Peggy March), „Wenn ich ein Junge wär'" (Rita Pavone), „Liebeskummer lohnt sich nicht" (Siw Malmkvist), „Es geht eine Träne auf Reisen" (Salvatore Adamo), „Beiß' nicht gleich in jeden Apfel" (Wencke Myhre), „Die Liebe ist ein seltsames Spiel" (Connie Francis) oder „Rote Lippen soll man küssen" (Cliff Richard) sind nur einige Schlager, die geeignet sind, das Lebensgefühl der 60er wieder hervorzuholen. Die Beatles traten erstmals in Hamburg auf. Elvis fragte „Muß i denn zum Städtele hinaus?" und verließ Deutschland. Ein für heutige Verhältnisse gesellschaftlich allgemein akzeptierter Bade-Zweiteiler für die Damen, der Bikini, sorgte für einen echten Skandal. Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, sexuelle Revolution, Feinstrumpfhosen - ideal zum Minirock, den Mary Quant erfand, sind weitere Schlagworte, die uns sofort in die Sixties zurückversetzen.
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