Bruchsal total kontaminiert?
Jetzt ist langsam aber Schluss mit lustig. Was würde man im Geschäftsleben von der Seriosität eines Geschäftspartners halten, der
- erst einmal 800.000 € für eine Leistung fordert, die im Kleingedruckten eines Vertrages versteckt wurde;
- für diese Summe keine Belege vorlegt;
- dann 300.000 € als Vergleich anbietet und
- schließlich noch einen Abschlag für eine von ihm nicht erbrachte, ganz andere Leistung zu akzeptieren scheint?
Ein ungeheurer Vorgang, den als dreistes Bubenstück zu bezeichnen nichts anderes ist als Euphemismus.
Aus der ursprünglichen Forderung von 800.000 € bleiben am Ende 250.000 € übrig, ein Verhandlungsergebnis, das der Gemeinderat seiner Oberbürgermeisterin mit deutlichem Zähneknirschen abnahm, nur um ein Prozessrisiko zu umgehen, obwohl eigene Gutachten von einer Summe von 40.000 € (stadteigene Kostenschätzung) und 140.000 € (neutrales Gutachten) ausgingen. Schon alleine diese Differenz bedürfte eigentlich einer Erklärung.
Ein orientalischer Teppich-Basar ist dagegen eine vergleichsweise hanseatisch seriöse Veranstaltung.
Es bleiben Fragen über Fragen:
Gibt es eigentlich einen Nachweis, der die ordentliche Entsorgung des kontaminierten Erdreichs und die entsorgte Menge belegt?
Was soll man von einer Verwaltung halten, die - wie jetzt hinter den Kulissen eingestanden wurde - bei Vorlage des umfangreichen Vertragswerkes im Gemeinderat "versehentlich" vergessen hat, auf das 800.000-€-Kontaminations-Risiko hinzuweisen? Versehentlich?
Was soll man von einem Gemeinderat halten, dem bei mehrtägiger Akteineinsicht in das Vertragswerk dieses Risiko nicht aufgefallen ist?
Und was soll man schließlich davon halten, dass auf dem Marktplatz monatelang nach mittelalterlichen Fundamenten gegraben wurde, ohne dass man den Grabungsaushub hinreichend auf Kontamination und Entsorgungsrisiken untersucht hat?
Wundert sich eigentlich noch jemand darüber, dass sich der sprachlos staunende Zuschauer und Steuerzahler spätestens jetzt weitere, entscheidende Fragen stellen muss?
Wurden dem Gemeinderat in der Entscheidungsvorlage zum SEPA-Projekt im letzten Jahr bewusst Nebenabreden vorenthalten, um über einen geschönten Verkaufspreis das umstrittene Projekt mehrheitsfähig zu machen?
Warum lässt man sich heute auf diesen windigen Vergleich ein, statt den Rechnungssteller zu zwingen, vor einer dafür zuständigen Instanz, einem ordentlichen Gericht nämlich, den Sachverhalt vollständig aufklären zu lassen? Wer alles muss eine solche Aufklärung fürchten?
In Bruchsal ist anscheinend viel mehr kontaminiert als nur einige Tonnen Bauaushub.
Übrigens: Danke, Herr Streib, für die alles entscheidende Frage: „Was wurde hier wirklich entsorgt?" Haben Sie auch eine Antwort?
Und: Danke, Herr Holoch, dass Sie den Mut haben, der Öffentlichkeit zu erklären, dass Sie anscheinend weiter führende Informationen zu diesem Themenkomplex haben, die Sie der Öffentlichkeit allerdings vorenthalten.
Nein: Die Öffentlichkeit hat das Recht darauf, die ganze Wahrheit zu diesem mehr als fragwürdigen Vorgang zu erfahren. Ansonsten muss mit den bösartigsten Gerüchten aller Art gerechnet werden.
Günstig Tanken
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Kommentare
Stadtverwaltungs-Mitarbeiter kontaminiert?
Eines der Hauptprobleme besteht darin, dass leitende Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bruchsal, die seinerzeit unter dem Oberbürgermeister Bernd Doll an diesen Verträgen mitgewirkt haben, heute noch in der gleichen Funktion und Position tätig sind und nun der neuen Oberbürgermeisterin dabei behilflich sein sollen, diesen Misthaufen zu entsorgen.
Wie es um die Interessenlage dieser Herren bestellt ist, kann wohl leicht nachvollzogen werden - eine gewisse Kontamination darf unterstellt werden.
Hier sollte der Gemeinderat einmal tätig werden - und zwar so, dass es die leidende Bürgerschaft mitbekommt!
Damit würde er auch die MitarbeiterInnen unterstützen, die sich gegen diese Art von Loyalität gewehrt haben und immer wieder im Stich gelassen wurden.