Bruchsal.org und das Verfahren Tauss

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Ein Mitherausgeber meldet sich zu Wort
Dienstag, 25. Mai 2010 - 12:30
Tauss Stellungnahme

© tarudeone / PIXELIO

Ich werde von verschiedenen Seiten immer wieder gefragt, warum www.bruchsal.org sich zum Sprachrohr der „Tauss Aktivisten" macht - oder machen lässt.

Aus diesem Grunde sehe ich mich veranlasst, meine eigene Meinung zu dieser Angelegenheit an dieser Stelle kundzutun.

Bruchsal.org ist eine offene Plattform, auf welcher jeder schreiben kann was er/sie möchte, solange der Autor sich an die von den Herausgebern definierten Nutzerbedingungen hält. Rainer Kaufmann ist ein solcher Autor und er hält sich an unsere Bedingungen. Daher kann er das Thema Tauss hier auf bruchsal.org so intensiv bearbeiten wie er es möchte, ob es mir als einem der Mitherausgeber gefällt oder nicht. Das gerade unterscheidet unser Medium von der herkömmlichen Presse, bei welcher eben immer vorher entschieden wird, was veröffentlicht wird und (wie häufiger zu erleben) was nicht.

Tatsache ist, dass sich viele Menschen für Kaufmanns Prozessberichte interessieren, was sich anhand der Zugriffszahlen ersehen lässt. Da bruchsal.org sich nicht über Werbeklicks und Sponsoren finanziert ist das für die Herausgeber an sich irrelevant. Tatsache ist jedoch, dass unsere Plattformidee greift, d.h. wir tatsächlich eine Alternative zur „alten Presse" darstellen können.

Nun findet man zur Zeit sehr viel „Tauss" bei Bruchsal.org, eine Tatsache die mir persönlich NICHT gefällt, aber ich kann dies akzeptieren. Es scheint eben so zu sein, dass ein „alternativer Informationsbedarf" besteht und wenn die Plattform Bruchsal.org diesen deckt, dann kann das mir (und wohl vielen anderen Lesern auch) zwar missfallen, ist aber deshalb nicht falsch. Das Argument, bruchsal.org mache sich zum Komplizen oder sei „Tausslastig" oder einfach nur einseitig, ist aus meiner Sicht jedoch nicht stichhaltig, denn ein Ausgleich ließe sich ja sehr einfach schaffen, indem man einen Artikel postet, der gegebenenfalls die Angelegenheit nochmals differenziert sieht.

An dieser Stelle möchte ich abschließend auch noch meine eigene Meinung zu all den juristischen Würdigungen äußern, die sich zur Zeit insbesondere im Netz finden lassen. Wenn sich hier (vermeintliche) Experten lang und breit auslassen, so frage ich selbst mich immer, auf welcher Grundlage diese Leute das tun...

Weder hatten sie vollumfängliche Akteneinsicht, noch waren sie bei Beschuldigten- und Zeugenvernehmungen mit dabei und schon deshalb ist meines Erachtens jedweder (meist untaugliche) Versuch einer rechtlichen Gesamtwürdigung zum jetzigen Zeitpunkt überflüssig und reine Effekthascherei.

Mich selbst „beschäftigen" in dieser Angelegenheit eher Dinge wie die Frage, warum Tauss den Namen seines Freundes benutzt hatte, als er sich das Material hatte schicken lassen. Denn egal wie er das erklärt, einem Freund tut man so etwas nicht an. Oder die Frage, warum er nur homoerotisches Material „zur Recherche" nutzte... Oder, oder, oder....

Fazit:

  1. Mir als Mitherausgeber gefällt der ganze „Tauss Wirbel" auf Bruchsal.org nicht, ich nehme ihn aber aus grundsätzlichen Erwägungen heraus hin und finde mich damit ab.
  2. Dies fällt mir auch dadurch etwas leichter, weil ich die Berichterstattung der etablierten Medien sowie das Vorgehen der Ermittlungsbehörden in dieser Sache jedenfalls als äußerst fragwürdig empfinde.
  3. Bruchsal.org ist kein „Tauss-Unterstützer-Organ", sondern eine offene Plattform für Alle, auch Mitmenschen, die Herrn Tauss unterstützen möchten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Kommentare

Traurig... Bruchsal.org zu

Traurig...

Bruchsal.org zu einem „Tauss-Unterstützer-Organ" zu erklären, nur weil es Menschen gibt, die nicht auf ihn einschlagen und sich daran halten: "Im Zweifel für den Angeklagten"...

Seltsam... als hier Jemand seine Ansicht zu "pro Drogenkonsum" veröffentlicht hat, wurden da auch alle zu Drogenkonsumenten abgestempelt?

Offensichtlich ist eine Diskussion von einigen Leuten wohl nicht erwünscht, da sich ihre Meinung nicht mit dem deckt, was einige hier schreiben. Wenn wir alle jetzt auf ihn einschlagen... dürfen wir dann mit denen Billigung weitermachen?

Traurig! Sorry.

Das "homoerotische Material"

Das "homoerotische Material" ist, soweit ich das verstanden habe, einzig und allein Tauss Privatangelegenheit, hätte nicht an die Öffentlichkeit gebracht werden müssen (dürfen?) und wurde nur zufällig im selben Raum der relativ kleinen Wohnung gefunden, die zudem noch untervermietet war. Mit den Worten von bruchsal.org: "das einzige Zimmer, das der Angeklagte in der Wohnung alleine benutzte."

Dass Tauss den Namen seines Freundes benutzt hat finde ich auch mies. Ohne das näher verfolgt zu haben, könnte ein Grund dafür sein, dass am Briefkasten/der Türklingel - ich glaube, dies ebenfalls auf bruchsal.org gelesen zu haben - noch der Name des Vormieters stand. Warum das wieder so war - darüber könnte man ohne nähere Informationen nur spekulieren.

Dieser "alternative Informationsbedarf" ist wichtig...

....deshalb wünsche ich mir und Jörg (Tauss), dass Sie, Dr. Wolf, und bruchsal.org durchhalten.

Ich bin wie Jörg Mitglied der Piratenpartei und sitze jeden Stammtisch bei ihm, höre was er sagt und wie er es sagt. Da ich schon mein Leben lang mit Menschen umgehe, glaube ich, mir eine gewisse Menschenkenntnis angeeignet zu haben. Wenn mich diese nicht im Falle Jörg Tauss verlässt, ist er unschuldig im Sinne der Anklage.

Weder Nachbarn von ihm, ja noch nicht mal ehemalige Parteigenossen aus der SPD, die ihn ja hat fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, glauben an einen pädophilen Jörg Tauss.

Man mag ihm Ungeschicktheiten und Dummheiten vorwerfen, die er selbst auch einräumt, aber strafbar ist Dummheit per se nicht. Noch nicht einmal Sodomie ist strafbar, aber geschickt wird von interessierten Kreisen lanciert, man habe verstaubte Schwulenpornos unter seinem Bett gefunden, so als ob das gegen ihn spräche.

Ich kenne ihn als begeisterten "Computer-Narren" und man kann darauf wetten, dass er, hätte er irgendwelches Video- oder Bildmaterial für "Eigenbedarf" gebraucht, unauffällig beschafft hätte.

Wer ihn jetzt vorverurteilt, macht sich mitschuldig am Rufmord eines unbedachten, aber womöglich unschuldigen Menschen.

Sollte er als schuldig verurteilt werden, ist immer noch genug Zeit, den Dreckkübel über ihm auszuschütten. Dann dürfte er auch die längste Zeit Pirat gewesen sein. Aber bis dahin hat er als unschuldig zu gelten.

 

MUSSTE DAS UNBEDINGT SEIN?

Ich meine die Formulierung mit dem "Dreckskübel"! Empfinde ich ähnlich, als würde einer bereits am Strick baumeln und ich hänge mich aus "solidarischen"
Gründen zugkräftig unten noch mit dran...

Danke für die Berichterstattung

Liebes Bruchsalblog,
Liebe Herausgeber,

ich möchte Euch ganz herzlich für die Berichterstattung und Prozessbeobachtung im Fall Tauss danken.

In den Mainstreammedien habe ich leider keine guten Prozessberichte finden können. Die bei Ihnen veröffentlichten Berichte erscheinen mir durchaus ausgewogen und kritisch distanziert.
Wenn man die Berichte als "pro-Tauss" versteht, dann liegt das möglicherweise daran, dass Ihre Berichterstattung die ganze Rufmordkampagne der Staatsanwaltschaft gegen Tauss entlarvt.

Für mich ist der Prozess gegen Tauss der erste politische Prozess in der Bundesrepublik seit 1945! Da ich den Prozess leider nicht selbst persönlich verfolgen kann, danke ich Ihnen, dass Sie mit Ihrer Prozessberichterstattung eine Öffentlichkeit herstellen.

Am Rande:
-Meines Wissens, aber ich mag da falsch liegen, hat Tauss nur den Nachnahmen, nicht aber den Vornamen seines ehemaligen Mitarbeiters benutzt.
-Gibt es ausser dem Verfahren um Tauss in Bruchsal momentan weitere Ereignisse, die eine ähnlich ausführliche Berichterstattung wie über den Tauss-Prozess rechtfertigen würden? ;-)
-Wie kann man diesen Blog als Belohnung für die -hoffentlich auch weiterhin- ausgewogene Berichterstattung zum Fall Tauss unterstützen. Nehmt Ihr Spenden?

Alternative Berichterstattung ist gefragt

Ich bin weniger an der Person Tauss, als vielmehr am "Fall Tauss" interessiert. Momentan geht es doch weniger darum, ob Tauss die Wahrheit sagt oder ev. lügt (bzw. Sachverhalte für sich hinbiegt).
Viel erschreckender ist meines Erachtens die komplette Vorverurteilung nicht nur von den etablierten Medien, sondern auch durch unser Rechtssystem.

Deshalb beglückwünsche ich Sie zu Ihrem Entschluss, diese alternative Berichterstattung (noch dazu direkt aus dem Gerichtssaal) zuzulassen.

Viel Tauss?

Ich habe mir eben mal die Startseite angesehen, nach so viel Tauss im Moment sieht es mir gar nicht aus. Da der Prozess im Moment abläuft, ist klar, dass jeden Tag ein Artikel rauskommt, aber das geht nur über einen kurzen Zeitraum. Und es findet sich zwischen zwei Tauss-Artikeln ja auch immer ein oder mehrere andere Artikel.

Ich denke also nicht, dass ihr euch deswegen Sorgen machen müsst. War glaube ich der einzige Punkt, den du so als Gegenargument gegen bruchsal genannt hast, aber selbst den finde ich nicht stark genug.

Hut ab!

Sehr geehrter Herr Dr. Wolf!

Erst einmal herzlichen Dank und Anerkennung, dass Sie Ihr Blog als Forum verstehen, das anderen Meinungen Raum lässt. Obwohl selbst CDU-Mitglied (und MdB) gewährte die große Verlegerpersönlichkeit Gerd Bucerius seiner "Zeit" den linksliberalen Freiraum, der sie groß machte.

Die Berichterstattung über Herrn Tauss quillt auch in der sog. Qualitätspresse über vor Häme und Vorverurteilung. Journalisten haben sich aufgrund der öffentlich zugänglichen Informationen zumeist die Ansicht zu eigen gemacht: Herr Tauss ist entweder ein mittelbarer Kinderschänder - oder er ist anmaßend, naiv und dumm. Häufig begegnen mir beide Einschätzungen in einem Artikel...

Wie viel unfassbar dümmer wäre es gewesen, als Medienexperte der SPD-Fraktion, Gegner der Internetsperren und echter Pädophiler 2008/2009 offen über das Diensthandy und evtl. den Dienstcomputer Kinderpornos zu empfangen und zu verschicken? Wie parteiisch wurde der Fall durch die StA Karlsruhe, MdBs im Immunitätsausschuss und die Landesregierung Baden-Württemberg instrumentalisiert? Wie sehr hat die Pressearbeit der Verfolgungsbehörden zum gesellschaftlichen Ableben von MdB Tauss beigetragen? Wäre es zur Öffentlichkeit und zum Prozess gekommen, wenn Herr Tauss ein Befürworter des "Zugangserschwerungsgesetzes" gewesen wäre? All diese Umstände bleiben zumeist von journalistischer Kommentierung verschont. Das sind scheinbar nur irrelevante Ablenkungsmanöver des Anwalts von Herrn Tauss. Stattdessen werden dpa-Bilder ausgewählt, die das verzerrt-grinsende Gesicht von Herrn Tauss zeigen (sollen), den man so nicht auf der Straße erkennen würde (z.B. "Süddeutsche", S. 3 zum Prozessauftakt).

Schließlich bleibt damit auch der politische Kontext der Strafverfolgung außen vor: Der Fall Tauss hat viel dazu beigetragen, dass die SPD-Fraktion dem Internet-Sperren-Gesetz von Frau von der Leyen zugestimmt hat. Dieses Gesetz war eine reine Wahlkampfidee von Frau von der Leyen, ein tumbes populistisches Manöver. Das hat sie mittlerweile selbst zugegeben. Weil das Gesetz verfassungsgemäß gar nicht umzusetzen gewesen wäre, ruht es nun auf Eis. Dieser peinliche Fall von aktionistischer Gesetzgebung wird beim Fall Tauss ebenfalls ausgeblendet. Aber ohne dieses Gesetzesvorhaben wäre es im März 2009 vielleicht gar nicht zu einem Fall Tauss gekommen, hätte die StA gar nicht ermittelt.

All das sind keine Fragen von Schuld oder Unschuld, keine Fragen von Sympathie oder Parteipolitik. Sondern Fragen, die ich in einer kritischen Berichterstattung schmerzlich vermisse. Der Prozess widmet sich nun vielen Fragen und ich hoffe, das Gericht kommt zu einem überzeugenden Urteil mit einer überzeugenden Begründung. Deshalb ist die Berichterstattung über den Prozess so bedeutsam.

Die Offenheit von bruchsal.org ist Demokratie pur

Und die Offenheit der Kommentar-Funtkion ist ebenfals Demokratie pur.
Und noch schöner ist es, dass sich der HErausgeber auch noch meldet.

Ich habe durch bruchsal.org wieder Zuversicht bekommen, dass es Menschen in Deutschland gibt, die uneingeschränkt die Wahrheit unterstützen.

Ih wünschte, die Plattform würde alleine wegen der Tauss-Berichterstattung (so niemals auf den großen Plattformen zu lesen) einen bedeutenden Preis oder Auszeichnung erhalten.

Großartig!

Herr Kaufmann hat eine

Herr Kaufmann hat eine hervorragende Reportage verfasst: Sachlich und wertneutral. Er hat genau abgewogen wo die Fakten liegen und Argument gegen Argument beider Seiten aufgewogen. Was er nicht gemacht hat war eine fertige Meinung auf der Regenbogenpresse aufzutauen. Es bleibt dem Leser überlassen was er wie bewertet.

Letzteres vermisse ich immer mehr. Daher habe ich auch kein Abo auf die einschlägige, regionale Tageszeitung.

Schuld und Unschuld stellen Gerichte fest, nicht die Tageszeitung. Jeder Mensch hat ein unveräußerliches Recht auf ein faires Verfahren laut der Europäischen Menschenrechtskonvention. Und das ist gut so.

http://de.wikipedia.org/wiki/Faires_Verfahren

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