Bruchsal hat sich hübsch gemacht...
Die Rathausgalerie wird mit Pauken und Trompeten eröffnet
Freitag, 12. November 2010 - 0:59
Die Schlagzeilen in den Bruchsaler Medien sind unübersehbar: "Eröffung Rathausgalerie Bruchsal", "Bruchsal hat sich hübsch gemacht", "Einkaufen, Begegnen, Verweilen, Parken", "Bruchsal, die Stadt die alles hat", "Die Rathausgalerie wird mit Pauken und Trompeten eröffnet", "Aufbruchstimmung in der Bruchsaler City", um nur einige zu nennen. Nun, heute, am 11.11. (fast hätte ich noch 11 Uhr 11 dazugesetzt), fand das groß angekündigte Ereignis statt. Ab 11 Uhr öffenten die Geschäfte und ein unglaublicher "Run" auf dieselben setzte ein. Das Parkhaus war nicht ganz voll belegt, ein Zeichen, daß Parkplätze genügend vorhanden sind. Ganz billig ist parken dort aber nicht. Ich habe das Parkhaus zweimal aufgesucht und habe einmal für unter 1 Stunde einen Euro bezahlt und einmal für knapp über einer Stunde zwei Euro, zusammen für knappe zwei Stunden also 3 Euro. Dafür hätte ich beim Gerweck im REWE-Laden schon wieder einen Kaffee trinken können. Die Massen stürmten also und wollten endlich sehen, was die Innenstadt denn so aufwerten und "Frequenz" bringen soll, wie von unserem Ex-OB immer propagiert. Wenn der Ansturm auf Dauer so anhalten würde, wäre das tatsächlich ein Knüller. Ich befürchte jedoch, daß heute die Neugierde Triebfeder des Ansturms war und daß sich das alles auf normales Bruchsaler Maß reduziert. Die Geschäfte sind demaßen überdimensioniert, daß sie von den Bruchsalern allein nicht leben können. Offensichtlich zielen sie auf das Umland und möchten den Märkten auf der grünen Wiese Kunden abjagen. Der Drogeriemarkt z.B. ist dermaßen großflächig angelegt, daß man sich fast darin verlaufen kann - und im Umkreis von 100 m gibt es zwei weitere, auch nicht gerade kleine Märkte. Da frage ich mich als Laie schon, wie das funktionieren soll. Auch die Bruchsaler Bekleidungsgeschäfte tun mir angesichts der Größe und des Sortiments von H+M schon jetzt leid - und im Frühjahr kommt noch Jost hinzu! Oberhalb des Drogeriemarkts befindet sich ein riesiges Schreib-, Musikwaren- und Geschenkartikelgeschäft - armer Stempel-Klein! Auch der Lebensmittelmarkt ist derart großflächig, daß er bestimmt nicht auf die Oma aus der Innen- oder Obervorstadt abzielt. Ich habe mich im Video I "mit den Augen eines Bruslers" umgesehen und führe diejenigen, die noch keine Gelegenheit hatten, durch die Geschäfte. Die eigentliche Eröffnung mit den üblichen Sonntagsreden und dem Durchschneiden eines gelben Bandes durch die an Planung und Bau Beteiligten fand dann mit viel Prominenz um 13 Uhr statt. Ich gehe hier nicht weiter auf den Inhalt der Reden ein, wer will, kann diese in einem Mitschnitt auf Video II anschauen, mitsamt Banddurchschnitt durch OB Petzold-Schick, Alt-OB Doll, Frau Mangei, Werbegemeinschaft Bruchsal und Verantwortlichen von SEPA und Real I.S. Aus Platzgründen mußte ich die Redebeiträge schneiden, habe mich jedoch bemüht, die Schnitte und Übergänge als solche deutlich zu machen. Noch eine Bemerkung zu den Reden: Für mich ist Frau Petzold-Schick mit ihrer Rede da angekommen, wo die anderen schon längst waren. Da Sie Vieles in der Zeitung lesen können, habe ich versucht, mich bei meinen Video-Clips auf das "Atmosphärische" zu beschränken und die Stimmung rüberzubringen. Ach ja, noch einige Worte aus einem Interview unseres Alt-OB im Wochenblatt: "Ich empfinde Genugtuung darüber, daß die Entscheidung pro Rathausgalerie getroffen worden ist....." und: "Während es damals im Vorfeld viele kritische Stimmen gab, überzeugt das Projekt nun auch städtebaulich, weil es sich zwischen Rathaus und Stadtkirche hervorragend einfügt....Durch das Tal des Entscheidungsprozesses, der mit vielen öffentlichen Veranstaltungen übrigens sehr transparent war - mußten wir durch." Und im Tonfall eines Staatsmanns: "Ich bin oft recht einsam gewesen in dieser Zeit (in der Zeit des Durchpeitschens, d. Verf.). Aber so, wie es war konnte es nicht bleiben....Die letzte Kriegswunde der Stadt mußte geschlossen werden....Die Rathausgalerie war und ist die richtige Entscheidung und um eine solche muß gerungen werden." Auf die Frage, ob es ihm zu schaffen mache, daß er auch im Ruhestand angefeindet werde, meinte Doll: "Wer nachtritt, bekommt die rote Karte. Man muß doch wissen, welchen ungeheuren Wandel die Stadt durchgemacht hat! Sie müssen sich Bruchsal als kleines Kreisstädtchen 1974 vor Augen rufen: Wir waren strukturell am Boden. Dann kamen die Industrieansiedlungen, die Innenstadt wurde gehörig umstruktuiert - alle Bürger, die mich drei mal gewählt haben, wissen, was sich in dieser Zeit verändert hat, was ich mit dem Gemeinderat angestoßen habe. Darauf bin ich stolz. Da können Bestimmte reden, was sie wollen." Uups! So geht es fort und fort mit einer Laudatio, die der Ex-OB auf sich selbst hält, wenn es schon kein anderer tut. Echt lesenswert! Für Rainer Kaufmann: Auch satiregeeignet! Ich schlage vor, den Alt-OB vom "zweitgrößten Sohn unserer Stadt" zum größten zu befördern und ihm die Ehrenbürgerwürde zu verleihen, auf die er doch so scharf ist. Nur so kann seine übergroße Leistung gewürdigt werden. Nun aber viel Spaß beim Video-Schauen. Wie immer: Auf Full HD oder 1080p schalten:
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Kommentare
Einkaufstempel SEPA muss sich erst noch beweisen
Nun ist SEPA also offen und es wird sich zeigen müssen, ob Bruchsal nicht nur ein klein wenig, sondern in spürbarem Umfang an Attraktivität als Einkaufsstadt gewinnen kann.
Das Ex-OB Doll seine eigene Laudatio für sich hält, wundert nicht wirklich. Und sein Aussage: "Wer nachtritt, bekommt die rote Karte." darf wohl eher als frommer Wunsch Dolls gesehen werden, denn als Tatsache. Denn seit seinem Abgang hat so mancher freudig nachgetreten, ohne das dies für den oder die Nachtreter eine Folge gehabt bzw. " die rote Karte" gegeben hätte.
Bruchsal hat sich hübsch gemacht....
Das Video SEPA-Eröffnung Teil II ist nun endlich von You Tube gerendert worden. Siehe Beitrag oben.
So schwätze ma halt.
Rede der OB
Öhm, sagt sie wirklich: "Der Herr Propalla" oder hab ich mich verhört...? :-) Ansonsten möchte ich mich gerne für die Mühe von Herrn Zimmermann bedanken, gibt wirklich einen ganz guten Überblick. Ich halts auch für überdimensioniert, aber es ist nunmal der "Schlussstein" des Alt-OB und genau so siehts auch aus. Nun stehts halt, muss man das Beste draus machen, zumindest das Angebot scheint ja ganz ordentlich zu sein. Ob die kleinen Geschäfte (gerade die Kleidergeschäfte) mithalten können wird sich zeigen, ich glaubs nicht.
Renaissance der Innenstadt (stimmt auch im Plural)
Bruchsal ist dem Stadtfeeling so weit entwöhnt (Stichwort: Wahllose Ansiedlungen auf der grünen Wiese), dass es sich niemand mehr wirklich vorstellen kann, dass die Stadt wieder-auflebt. Doch genau das wird passieren, wobei hierfürdie neuen Einzelhandels-Flächen erforderlich sind und natürlich auch die richtige Nutzung. Dann kommen auch die Leute aus dem Umland wieder, die gerne in Bruchsal einkaufen (würden). H & M, Oliver & Co tragen dazu bei, auch der Müller mit den Sortimentsteilen, die im alten Schneider waren und nicht mehr existieren. In Teilen wird - Stichwort: Kampf der Drogeriemärkte - der bestehende Markt leider nur umverteilt. Überörtliche Anziehung wird der Joos ab März entfalten und damit auch das Rathaus-Center stabilisieren.
Und vergessen wir nicht die neugeschaffenen Plätze...
Bruchsal braucht ein neues Gemeinschaftsgefühl. Optimismus hierfür schaffen - so ist die Welt eben - steigende Umsätze in der Innenstadt. Mit denen dürfen wir sicher rechnen - tiefer gings ja nicht mehr.
Bruchsal ist in der Tat einer der wenigen - potentiell sehr guten - Standorte, denen ein Aufschwung bevorsteht. Da sieht man, wofür Rückstand gut sein kann.
Rolle rückwärts
Da haben nun einige ihre Rolle rückwärts mit ganzer Drehung vollzogen (ganze Drehung deshalb, um trotz Rolle rückwärts nach vorn zu schauen). Hoffentlich geschieht das nicht auch bei der Stadtbahneinschleifung...
So ein Satz...
gehört in Stein gemeißelt.
Tatsächlich ausgesprochen zu werden taugt er nicht.
Negativ
... der sieht so NEGATIV aus... immer diese SCHWARZ-WEISS-MALEREI...