Brandschutz forever?
Im Haushalt und der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt Bruchsal sind Millionen für den Schutz unserer Mitbürger eingeplant. Schutz für den Brandfall. Schon im laufenden Haushaltsjahr gab es überhaupt keine neuen investiven Haushaltspositionen, mit einer Ausnahme: Brandschutz.
Was jahrzehntelang risikolos schien, ist jetzt ein drängendes Problem. Im Gedächtnis dürfte den Mitbürgerinnen und Mitbürger das Justus-Knecht-Gymnasium sein. Dort werden – unter anderem – neue, zusätzliche Treppenhäuser gebaut. Stichwort: Zweiter Rettungsweg.
Zwar steht das JKG schon Jahrzehnte und noch nie hat ein Brand ein Kind bedroht. Geschenkt. Neue Erkenntnisse fördern neue Risiken zu Tage.
Der (gerne auch Plural: die) Brandschutzbeauftragte(n) kennen ihre Verantwortung. Auf gar keinen Fall ist die theoretische Möglichkeit eines Menschen gefährdenden Brandes zulassen. Widrigenfalls klingelt der Staatsanwalt.
In der Kalenderwoche 43 (zwischen dem 24. und 28. Oktober – genaueres weiß der Autor nicht) fand in der – einzigen – Bruchsaler Sporthalle eine Brandschau statt. Ergebnis: Brandgefahr! Zwar verfügt die Halle seit ihrem Bau vor vielleicht 40 Jahren über eine Zuschauertribüne, die gerne genutzt wird. Zwar fanden in der Halle viele Veranstaltungen statt, Maskenbälle und anderes lustiges und fröhliches Treiben. Die Sporthalle war, vor dem Bau des Bürgerzentrums, auch das gesellschaftliche Zentrum der Stadt.
Jetzt handelt es sich – qua neuer Definition – um eine brandgefährliche Angelegenheit.
Um den Leser nicht auf die Folter zu spannen, die logische Folge dieser Erkenntnis: keine Sportveranstaltungen mehr, keine Feiern mehr – lediglich das schlichte Sporttraining scheint nicht brandgefährlich zu sein (für Verletzungsgefahren ist der Brandschutz nicht zuständig).
Bei der letzten, samstäglichen Veranstaltung gelang es nicht mehr, die bereits eingeladenen Zuschauer (Eltern, die ihren Kindern bei den Landesbesten-wettkämpfen der Gymnastik zusehen wollten) auszuladen. Ausweg: Drei Feuerwehrleute standen Schmiere, für den Brandfall. Nicht ganz klar ist, ob diese die Zuschauer im Brandfalle herausgetragen hätten oder ob man den Zuschauern bloß nicht zutraute einen Brand zu bemerken und selbstständig das nicht nur brandgefährliche sondern auch brennende Hallenanwesen zu verlassen.
Lösung: keine absehbar. Denn (neue) Vorschrift ist neue Vorschrift. Jetzt wird derweil die brave Brusler Feuerwehr bis auf weiteres Freiwillige abstellen, damit nicht der komplette Vereinssport in Bruchsal zusammenbricht, denn leider hat der Vor-OB trotz jahrzehntelangen Drängens keine zweite Sporthalle bauen lassen, sondern sich lieber mit „IU“ und „Geothermie“ befasst. Auch das gehört zum Thema.
Allerdings ist zu fürchten, dass das Personaltableau der Feuerwehr eine Dauer-Bereitstellung einer Vereins-Wachmannschaft nicht zulässt – von den Kosten ganz einmal abgesehen.
Der Gemeinderat wird dann die Freude haben, sich mit einer teuren baulichen Lösung zu befassen, die natürlich zu Lasten anderer Aufgaben geht.
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Kommentare
Versäumnisse-Abhilfe
Bei aller Liebe Jürgen Schmitts für die frühere Verwaltung, fragt man sich allerdings, weshalb die Nachbargemeinden nicht am Brandschutz (und anderen Aufwendungen) für die Schulen anteilig beteiligt werden.
Ja, ich weiß, eine rechtliche Grundlage gibt es nicht...
Hat man aber mal endlich den Nettoanteil der auswärtigen Schüler und die damit verbundenen Kosten überschlägig errechnet?
Man hat es bis heute nicht getan!
Obgleich das Thema in der HH-strukturkommission generell angerissen wurde und auch beim Zukunftsforum ein Thema war (nicht für die Moderatoren...).
Bis jetzt ist nichts passiert wurde mir vorgestern von der Verwaltung mitgeteilt! Im Gemeinderat ist es auch eingeschlafen...
Hingucker
Wenn Herr Schmitt mal kurz über seine neben Haushaltsangelegenheiten drängenden Pflichten als Gemeinderat nachdenken würde käme er sicherlich ganz schnell auf die Idee, mal der lieben Verwaltung (und dort wem wohl?) die Frage zustellen, WANN denn die letzten Brandschauen im JKG und der Sporthalle waren - und wer sie durchgeführt hat. Und mit welchem Ergebnis! Und: Bei allem Respekt vor huhis Beiträgen - aber muss man die deshalb - wie hier gleich drei Mal abdrucken??
Schmitt schweigt
Nun, lassen wir ihm noch etwas Zeit, vielleicht will er ja morgen einige Telefonate führen. Mit der Oberbürgermeisterin, dem Leiter des Stadtbauamtes - oder dem Stadtbrandmeister, dem Hauptamtlichen. Der hat ja nun Zeit, Feuerschauen durchzuführen - und das kommt dabei 'raus. Manche Personalentscheidung will halt doch gut überlegt sein, liebe Gemeinderäte...
Falsch.
Schmitt schweigt nicht, er arbeitet. (eine im übrigen empfehlenswerte Beschäftigung)
Ich korrigiere: um diese Uhrzeit entsteht nur noch ein minimaler Bruchsal-org-Text - sozusagen die Antwort auf die Frage: Was tust Du danach?
Wadlbeißer..
.. wird - so seine Twitter-Nachricht - in der Bruchsaler Rundschau am kommenden Freitag, für die ich hiermit werbe, Aufklärung geben.
Bin mal gespannt, wer nun welchen Fehler gemacht hat.
Ablenker?
Zur Sache, Herr Schmitt - wie lautet die Antwort auf meine Frage nach den tatsächlichen Ersparnissen?
Ersparnisse
Ich verweise auf
a) den kommentierten Bericht, d.h. meinen Ursprungstext
b) meine Haushaltsrede 2011
c) (!) auf die Tabelle in der Bruchsaler Rundschau
d) für ergänzende Fragen bin ich telefonisch erreichbar
Brandschutz never?
"Sporthalle bei Brandverhütungsschau durchgefallen" - so lautet der Titel des heutigen Leitartikels in der Bruchsaler Rundschau. Und jedes Wort, das Redakteur und Feuerwehrspezialist Peter Huber hier formuliert hat, sitzt und lässt - gewollt oder ungewollt - Rückschlüsse zu und wirft Fragen auf.
Fragen, die unser Gemeinderat in öffentlicher Sitzung stellen sollte, aber wahrscheinlich nie stellen wird - aus Rücksichtnahme, wegen des politischen Klimas und - vielleicht auch, zumindest teilweise - wegen schlechten Gewissens.
Aber lassen wir uns mal überraschen.
Ich hoffe jedenfalls, dass in der im Artikel erwähnten Verwaltungsbesprechung einige Amtsleiter den Mut haben, dem einen Amtsleiter die richtigen Fragen zu stellen.
Dass die Frau Oberbürgermeisterin 6 Wochen nach der Brandschau nicht in der Lage war, den BNN gegenüber eine Stellungnahme zum Thema abzugeben, spricht übrigens wieder Bände. Aber es gab in dieser Zeit ja so viele wichtige (Foto-)Termine...
Na ja, der hauptamtliche
Na ja, der hauptamtliche Stadtbrandmeister wird sich ja wohl kaum seine eigenen Vorschriften basteln sondern wohl eher die Verantwortung dafür haben dass die bestehenden umgesetzt werden. Andernfalls würde er sich ja wohl strafbar machen. Und überhaupt : was sind denn das für Argumente : es hat im JKG und in der Sporthalle noch nie gebrannt! Soll das jetzt die Garantie dafür sein daß es deshalb dort auch in Zukunft nicht brennt? Dann können wir ja bei diesen und allen anderen öffentlichen Gebäuden in denen es auch nicht gebrannt hat die Feuerversicherung sofort kündigen. Und bei allen Autos ohne Unfall die Kfz-Versicherung und Angestellte der Stadt die die letzten fünf Jahre nicht krank waren brauchen dann ja wohl auch keine Krankenversicherung.
Ich will nicht erleben wie man Eltern erklären muss das ihren Kindern beim Schulbesuch etwas zugestoßen ist weil bauliche Vorschriften (zweiter Rettungsweg) nicht umgesetzt wurden. Erzählen Sie doch denen, dass es dort die letzten 40 Jahre nicht gebrannt hat.
Wenn ich mir den Artikel
Wenn ich mir den Artikel selbst bzw. manche der dazugehörigen Kommentare durchlese, dann könnte man ja den Eindruck bekommen als sei es die Schuld der Feuerwehr bzw. des Stadtbrandmeisters daß die Stadt offenbar nicht in der Lage ist gesetzliche Vorlagen umzusetzen. Das geht unter die Gürtellinie und ich frage mich, warum man auf denen rum hacken muss die ihre Freizeit für das Gemeinwohl opfern. In den BNN steht doch ständig daß die Feuerwehr gerade wegen den momentanen Brandstiftungen sehr belastet ist. Muß es - gherade unter diesen Vorzeichen - dann auch noch sein, daß man unsere Feuerwehr so hinstellt als wenn sie daran Schuld wäre daß irgendwelche Vorschriften nicht umgesetzt werden.
Der hauptamtliche Stadtbrandmeister Bernd Molitor
der nun die Suppe auslöffeln muss, die ihm andere Hauptamtliche eingebrockt haben, ist "nur" als Sachverständiger tätig - ob seine "Anregungen" umgesetzt werden, obliegt einer ganz anderen Stelle - nämlich zunächst dem Bau- und Vermessungsamt unter Amtsleiter Willi Guth in seiner Eigenschaft als Leiter der dort angesiedelten Baurechtsbehörde.
Ironischer Weise dem Fachamt bzw. -Leiter, das/der in den vergangenen Jahren wohl auch für die bauliche Unterhaltung dieser Sporthalle zuständig war und ist - oder?
Brandschau: Wink des Schicksals
Die politisch und verwaltungsmäßig Verantwortlichen der Stadt Bruchsal, voran die Oberbürgermeisterin, sollten die Feststellungen der letzten Brandschauen im JKG und insbesondere der Sporthalle als Fingerzeig Gottes dankbar annehmen - gerade zum jetzigen Zeitpunkt, bei Beginn der Beratungen des Haushaltes 2012 wird an wenigen Beispielen exemplarisch aufgezeigt, wie es um unser Inventar bestellt ist.
Es gibt viele Sporthallen - auch im übertragenen Sinne.
"Bruchsal, erwache!"