"Aufwärtsspirale" in Gang?

DruckversionPer e-Mail versenden
Nur Positives von der Rathausgalerie?
Mittwoch, 17. November 2010 - 18:27

Nachkriegsplanung

Nachkriegsplanung

Inspiriert von der gegenwärtigen Ausstellung in der Sparkasse über die "Notgrabung" auf dem jetzigen SEPA-Gelände und einem Interview im neuen Wochenblatt mit Frau Mangei von der Werbegemeinschaft habe ich mir nochmals Gedanken über die angebliche "Aufwärtsspirale" in Bruchsal gemacht.

Was Sie oben sehen, ist eine städteplanerische Entwurfsskizze zum Wiederaufbau Bruchsals. Diese Skizze zeigt ein neues Rathaus mit einer auf den Platz südlich der Kirche weisenden repräsentativen Fassade. In der Konzeption des Wiederaufbaus war der Platz vor der Kirche durchaus gewollt. Meines Erachtens wollten die Stadtplaner die Chancen einer Neugestaltung der zerstörten Stadt nutzen und ein einheitliches, harmonisches Ganzes schaffen.  Betrachtet man den Entwurf, so muß man ihn als gelungen bezeichnen. Die Kirche steht inmitten eines goßzügigen Platzes, und hätte man die Bebauung so ausgeführt, wie skizziert und den Platz zudem noch gestaltet, so hätte Bruchsal wieder eine Mitte zum Wohlfühlen gehabt und keiner wäre heute auf die Idee gekommen, diesen Platz vor der Kirche zu bebauen. So ist von diesem Konzept vorerst nur eine Freifläche geblieben, die zunächst als Markt-, später als Parkplatz genutzt wurde. Im nachfolgenden Bild möchte ich die Bebauung vor der Zerstörung aufzeigen und dann ein Photo, das zeigt, daß die Bomben der 8. US-Luftflotte ganze Arbeit geleistet haben und auf diesem Areal kein Stein mehr auf dem anderen blieb.

 

Bebauung südlich der Stadtkirche

Bebauung südlich der Stadtkirche

Am oberen Bildrand sind die Fenster der Stadtkirche zu sehen. Man kann erkennen, wie dicht die Bebauung war, jedoch passt diese zur Kirche. Im Mittelalter waren die Häuser immer dicht um eine Kirche gruppiert. Die Ausgrabungen haben nun ergeben, daß dies bestimmt der älteste bekannte Siedlungskern Bruchsals ist, fand man doch ein Skelett aus der Merowinger Zeit (Franken, 7./8. Jahrhundert) sowie einen Keller, der durchaus zum gesuchten Königshof gehören könnte. Auch viele Bauspuren aus mittelalterlicher Zeit fanden sich auf diesem geschichtsträchtigen Areal.Das nachfolgende Bild zeigt dann die Zerstörung des 1. März 1945.

 

Zerstörung

Zerstörungen südlich der Stadtkirche

Man kann es kaum glauben. Nun steht dort der SEPA-Komplex, was man auch kaum glauben kann. Zugegeben, befindet man sich im Innern der Konsumtempel, so ist alles recht eindrucksvoll und schafft die Illusion, man befände sich in einer Großstadt. Von außen gesehen wirkt aber nichts mehr großzügig, sondern auf engem Raum zusammengedrängt - vielleicht eine Reminiszenz an die frühere Bebauung? Nun scheint in Bruchsal eine gewisse Euphorie ausgebrochen zu sein, man sieht eine "Aufwärtspirale in Gang" und Frau Mangei hat über die Rathausgalerie bislang nur "Positives" zu berichten. Nun, was man am Eröffungswochenende gesehen hat, war tatsächlich recht eindrucksvoll, die Massen strömten. Aber es war Wochenmarkt und jeder war neugierig. Der Zeitpunkt der Eröffnung war strategisch gut gewählt, denn jetzt beginnt das Weihnachtsgeschäft, welches auch dazu dienen soll, den Kunden an das neue Zentrum zu gewöhnen. Ich habe jedoch schon an anderer Stelle gesagt, daß hier, zumindest was die Drogeriemärkte betrifft, ein Umverteilungskampf stattfinden wird, was man schon, eine Woche nach Eröffnung, feststellen kann. Ich war einigemale zu verschiedenen Zeiten nachmittags und abends dort und kann sagen, daß es traurig aussieht, wenn sich in den großen Läden wie Müller und REWE nur "ein paar Hansel" aufhalten. Ich prophezeie schon jetzt, daß sich Samstagnachmittag und in den Abendstunden das Publikum verlaufen wird, wenn das Weihnachtsgeschäft vorbei ist und die Bruchsaler sich an den Komplex gewöhnt haben. Da mich die Entwicklung interessiert, werde ich die nächsten Wochen den Publikumsverkehr beobachten und notieren, um so eine Tendenz feststellen zu können. Frau Mangei meint, daß die Besucherfrequenz bereits gestiegen sei, was ja durchaus sein mag (s. oben "Neugiereffekt" und Weihnachtsgeschäft), und dass sich dies verstärken wird, "so daß wieder mehr Besucher = mehr Kaufkraft nach Bruchsal kommt". Es sei eine Milchmädchenrechnung: "Mehr Konkurrenz gleich Läden gehen kaputt, die deshalb nicht aufgehen wird".  Auch unsere OB ist laut Wochenblatt der Meinung: "Je mehr Menschen den Weg in die Innenstadt finden, desto größer wird auch der Kuchen, der unter den Geschäften verteilt wird". Also ich bin der Meinung, wenn jemand gezielt nach Bruchsal kommt, um in den neuen Geschäften einzukaufen, bummelt er nicht noch in den alten Geschäften rum, um dort auch noch Geld zu lassen, Beispiel Parfümerie Stephan und Stempel Klein. Die Artikel, welche beide genannten Geschäfte führen, gibt es zuhauf nun zentral im SEPA-Komplex, warum sollte man sich noch die Mühe machen, 100 oder 200 m weiter zu laufen? Und das Lebensmittelgeschäft ist von den Bruchsalern allein nicht ausgelastet, da verhältnismäßig teuer, Aldi, Lidl und ähnliche werden deswegen keine Kunden verlieren und diejenigen, die außerhalb Bruchsals wohnen in der Nähe von Märkten wie Real oder Globus werden auch nicht nach Bruchsal kommen. Ich kann mich mit meiner Einschätzung auch irren und möchte nicht unbedingt als Schwarzseher gelten, ich kenne jedoch die Bruchsaler und wenn es aus dem Umland nicht täglich strömt, wird aus dem Konzept nichts. Nun ist mir auch klar, weshalb eine Stadtbahn durch Bruchsal muß: Der Kunde muß zu den Geschäften gebracht werden, so lautet das Credo. Vielleicht besteht sogar ein Zusammenhang zwischen den Planungen, denn eine Stadtbahneinschleifung ohne Geschäftszentrum wäre kaum zu befürworten, und nun kann man umgekehrt argumentieren, das SEPA-Zentrum brauche unbedingt ein Innenstadtbahn, soll es wie geplant funktionieren - wir wissen ja nicht, auf welchem Hintergrundwissen die Planungen beruhen. Die OB möchte mit den neuen Geschäften und den städtischen Maßnahmen zur "Aufwertung des Straßenraums" in eine "Aufwärtsspirale für die Innenstadt" kommen. Die Stadt müsse "Stellen vorweisen, an denen sich die Menschen begegnen können" und "man solle sich wohlfühlen im Wohnzimmer Innenstadt". Also - ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn durch mein Wohnzimmer eine Stadtbahn rattern würde.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.8 (12 Bewertungen)

Kommentare

Aus meiner Sicht sind ihre

Aus meiner Sicht sind ihre Bedenken richtig und ich bin gespannt auf weitere "Beobachtungen". Daß Frau Mangei das jetzt erstmal alles positiv sieht ist ja nicht überraschend( zumal ihrem Geschäft keine direkte Konkurrenz droht). Mit anderen kleinen Geschäften (Kleider, Lebensmittel usw) sieht das schon ganz anders aus. Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein, ich befürchte allerdings, daß Bruchsals Kleinstadtcharakter leiden wird und sich auf Dauer nur wenige kleine Geschäfte halten können, weil sich mit dem SEPA-Klotz das Flair eher negativ verändert hat.Warum denn noch durch die Innenstadt bummeln, wenn ich dort alles billiger bekomme? So muß man doch die kleinen Geschäfte grade nichtmehr aufsuchen, man parkt dort direkt , kauft alles nötige und fährt wieder, zumindest werden es viele so handhaben, die sind dann aber kein Gewinn für die gesamte Innenstadt. Die jungen Leute sind natürlich scharf auf H&M (und Mac D. ;-) ), aber was hält sie in der Fußgängerzone? Die ist doch reizlos wie eh und je, es müsste meines Erachtens vielmehr getan werden (auch mit mehr Grün, reizvollen Straßencafes usw), damit sich die Leute auch wohlfühlen. Wenn das nicht erfolgt geht der SEPA-Schuss eher nach hinten los, ist zumindest meine Meinung... Diese riesigen Geschäfte brauchen ja in der Tat auch eine große Frequenz, ob die sich dauerhaft einstellt? Ich bin gespannt... Märkte wie Globus und Real haben nicht nur ein ähnlich großes Angebot, sondern auch den Vorteil, daß man nach einem Großeinkauf (zu denen ich zB solche Märkte aufsuche) nichts schleppen muß, sondern alles bis zum Auto fährt, das geht in der Innenstadt so nicht, insofern sehe ich keine allzugroße Konkurrenz.

Alles ist schlecht in Bruchsal...

...Rathaus zu gelb, Lampen zu altmodisch, Rewe und Müller zu groß, kleine Geschäfte werden verdrängt und zu allem Übel gibt es jetzt auch noch zwei Weihnachtsmärkte.
Wirklich alles so schlimm? Jeder, der hier immer so negativ über Bruchsal schreibt, betreibt negatives Stadtmarketing und erweist der Stadt und sich selbst (sofern er/sie BruchalerIn ist) einen Bärendienst.
Warum kann man sich nicht freuen, dass es nun einen großen Rewe in der Innenstadt gibt oder dass man mal wieder Spielwaren kaufen kann? Warum wird immer vom "Sepa-Klotz" geredet und nicht von der "Rathaus-Galerie"? Und warum macht man sich Sorgen über die kleinen Geschäfte? Die Werbegemeinschaft, und hier sind viele kleine Geschäfte vertreten, wollte die Rathaus-Galerie. Die werden schon ihre Gründe für das Dafürsein gehabt haben.
Mein Tipp an die Bruchsaler: Einfach etwas freundlicher über die Stadt schreiben, dann klappt's auch mit der Stadtentwicklung und dem Zuspruch aus dem Umland.

Frage nach "Aufwärtsspirale" durch SEPA ist zu verfrüht

Tja, schön zu sehen, daß es eine Nachkriegsplanung gab. Man kann darüber streiten, ob der Entwurf wirklich gelungen ist oder nicht. Ich halte ihn für wenig überzeugend.
Letztlich spielt das aber auch keine Rolle. Das SEPA-Zentrum steht unübersehbar, ob man das nun kaum glauben will oder nicht.

Nach gerader Mal einer Woche zu orakeln, welche Folgen der Bau restriktive die Eröffnung des Einkaufszentrum haben wird, halte ich für deutlich verfrüht. Und zwar von denen, die vom neuen Konsumtempel begeistert sind, ebenso wie von jenen, die durch SEPA bereits das Ende der kleineren Geschäfte kommen sehen.

Ich verstehe auch nicht, was schlußendlich die Kernaussage dieses Artikels sein soll. Einerseits heisst es, das die erwähnte kleineren Geschäfte kaputtgehen könnten, andererseits sei es ein trauriger Anblick, wenn sich nur ein "paar Hansel" im Müller-Markt oder Rewe tummeln. Desweiteren mutmaßt der Autor, daß dieses Konzept ohnehin nicht aufgehen würde, was als Konsequenz hätte, daß Müller & Co. schließen müssten und somit logischerweise wieder bessere Chancen für die alten Geschäfte bestünde.

Nur die Zeit wird es zeigen, ob sich dieses Konzept trägt oder nicht.

Alles ist gut in Bruchsal...

...Rathaus schön gelb, Lampen aufregend modern, Rewe und Müller nicht zu klein, kleine Geschäfte werden aufgewertet und ... wozu brauchen wir denn einen zweiten Weihnachtsmarkt? Einfach alles DOLL! Jeder, der immer so positiv über Bruchsal schreibt, betreibt positives Stadtmarketing und erweist der Stadt und sich selbst (sofern er/sie BruchalerIn ist) einen großen Dienst. Wir freuen uns alle, dass es nun einen "Sepa-Klotz" gibt und nennen ihn stolz "Rathaus-Galerie". Dort kaufen wir freudig Spielwaren. Und um die kleinen Geschäfte machen wir uns überhaupt keine Sorgen, denn die Werbegemeinschaft, und hier sind viele kleine Geschäfte vertreten, wollte die Rathaus-Galerie. Die wissen schließlich, was sie tun. Mein Tipp an die Bruchsaler: Einfach wie die BNN etwas freundlicher über die Stadt schreiben, dann klappt's auch - wie in den letzten 25 Jahren - mit der Stadtentwicklung und dem Zuspruch aus dem Umland.

Orakel

Der Kernaussagen sind zwei: 1. Daß es in Bruchsal einmal eine vernünftige Stadtplanung mit vernünftigen Stadtplanern gab, daß jedoch beim Wiederaufbau keine städteplanerischen Vorgaben erfüllt wurden oder erfüllt werden mußten (s. auch Beiträge von Walter A. Stadtmüller in diesem Forum) und Bruchsal baulich verschandelt wurde, siehe Fußgängerzone und nun SEPA und zukünftig vielleicht Stadtbahn. 2. Daß das SEPA- Projekt schlicht und einfach eine Nummer zu groß für Bruchsal ist und daß sich dieses jetzt schon ankündigt. Mehr nicht. Daraus ergibt sich auch ein Rückschluß auf die Art und Weise, wie dieses Projekt durchgezogen wurde: In barockfürstlicher Manier. Es darf einfach nicht sein, daß in Bruchsal auf verhältnismäßig undemokratische Weise am Bürger vorbei oder gar gegen die Interessen des Bürgers entschieden wird um dann hinterher zu sagen, jetzt haben wir das nun mal und wir müssen das Beste draus machen - so geht's nicht. Ich erinnere nur an die Stadtbahn, wo im Ansatz schon wieder derart vorgegangen werden soll.

Ganz allgemein zu diesem Thema

Es gibt wohl nicht wenige, die inständig hoffen, dass die neuen Geschäfte in der Rathaus-Galerie bald wieder schliessen (müssen). Nur um dann sagen zu können: "ICH habe es ja schon immer gewusst, aber keiner wollte auf mich hören."

Verschwörungstheoretiker am Werk

Du lieber Himmel! Was sind denn das für Verschwörungstheorien? "Nicht wenige, die inständig hoffen...". Wer in aller Welt soll denn das sein. Da frage ich mich aber doch, wer denn hier der Miesmacher ist!!

Bruchsal-Freund

Man kann bestimmt nicht behaupten, daß alle Kritiker auch Bruchsal-Feinde sind. Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall:  Diese Leute mögen Bruchsal sicherlich genau so wie andere, machen sich aber ernsthafte Sorgen um diese Stadt und artikulieren dies auch.

Nein

Natürlich keine Bruchsalfeinde. Wer hat denn so etwas behauptet? Aber nicht nur hier sondern auch draußen auf der Straße wird immer nur geredet, wie schlecht (angeblich) alles in Bruchsal ist, egaL ob Parkplätze, Geschäfte, Weihnachtsmarkt etc. Ist Ihnen das nicht auch schon aufgefallen? Warum nicht auch mal die schönen Seiten Bruchsals nach außen transportieren? Und es ist ja gut, wenn sich möglichst viele Gedanken über die Stadt an sich machen, aber ich war heute auch in Bruchsal und habe in der Rathaus-Galerie eingekauft ohne mir zu überlegen ob das alles zu groß ist oder nicht. Das nächste halbe Jahr wird diese Frage von alleine beantworten. (Aber wahrscheinlich hätte ich dort gar nicht einkaufen dürfen, weil das ja alles unter ominösen Umständen gebaut wurde.)

@Bruchsal-Freund

Sorry, aber ich fühle mich nicht für ein positives Stadtmarketing zuständig... Ich befinde mich hier auf einer alternativen Plattform, wenn man die üblichen Lobhudeleien und den Einheitsbrei lesen möchte, dann gibts dafür ganz sicher genügend Möglichkeiten. Für mich persönlich bleibt das eben der SEPA-Klotz, weil es das in meinen Augen am besten trifft, wenn andere es Rathausgalerie oder sonstwie nennen können sie das gerne tun... Wenn ich nichtmehr hinterfrage und nur noch nach dem Motto: "Die werden schon ihre Gründe gehabt haben, daß..." alles abnicke und gutheiße, dann muss ich mich als Bürger ja garnichtmehr zu Wort melden, dann ist mit der Wahlentscheidung alles geritzt, fertig. Das verstehe ich persönlich nicht unter Demokratie. Es gibt bestimmt genug Bruchsaler, die das alles so toll finden, wie es läuft oder lief und das ist auch zu akzeptieren. Genau so ernst sind aber auch kritische Stimmen zu nehmen, denen es eben auch um ihre Stadt geht. Ich konnte früher in Bruchsal übrigens auch Spielwaren kaufen, zB im Döring, was ist verwerflich daran, das schöner zu finden, als in diesem seelenlosen und völlig überdimensionierten "Klotz" (das böse Wort wieder ;-) ) einzukaufen? Ich finde es auch überhaupt nicht verwerflich, zu bedauern, daß viele kleine Geschäfte nach und nach aus Bruchsal verschwunden sind und zu befürchten, daß sich dieser Trend in Zukunft fortsetzt, weil sie preislich einfach nicht konkurrieren können. Wenns anders kommt ist das umso besser... Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, daß es den Kritikern (nach meiner Erfahrung sehr viele ältere Menschen, Urbrusler, denen diese Stadt am Herzen liegt) darum geht, Bruchsal schlechtzumachen? Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln...:-(

@Morticia

Wer ist denn für "positives Stadtmarketing" zuständig? Ich denke doch in allererster Linie die Bürgerinnen und Bürger einer Stadt selbst, egal ob in Bruchsal oder sonstwo. Warum sollten Menschen von außerhalb nach Bruchsal kommen, wenn die Brusler selbst nicht müde werden, ständig zu betonen, wie nicht-lebenswert ihre Stadt ist.
Sicherlich kann man über die Architektur streiten. Ich persönlich finde, dass sich der Neubau gut in das Stadtbild einfügt und sogar gut zum Schuh-Berg passt, obwohl doch sicherlich an die zwanzig Jahre zwischen den beiden Gebäuden liegen. Und da es in der Kernstadt seit Jahren keinen Döring und keinen CD-Laden mehr gibt, kann man doch froh sein, dass der Müller das jetzt wieder anbietet. Also zumindest in diesem Bereich wird kein kleines Geschäft verdrängt. Und ich würde Ihre Argumentation verstehen, wenn die Werbegemeinschaft (= kleine Brusler Geschäfte) das Ganze abgelehnt hätte, aber die waren ja Befürworter der neuen Rathaus-Galerie.

Schön reden...

Alles schön zu reden, hilft nicht weiter. Es müssen die kritischen Punkte angesprochen werden, um zukünftige Fehlentwicklungen zu verhindern. Kein Mensch übrigens bestreitet, daß Bruchsal auch lebens- und liebenswerte Seiten hat, nur, die gilt es zu bewahren, und da ist der Bürger mit Anregungen und auch Kritik, da, wo es nötig ist, gefordert. Bruchsal wäre noch liebenswerter im Sinne von Bruchsal-Freund, hätte man in der Vergangenheit viele "Bruchsal-Freunde" mit ihren Anregungen und Vorschlägen gehört und berücksichtigt. Das scheint sich ja mit der "neuen Transparenz" im Rathaus gerade zu wandeln.

"Neue Transparenz" im Rathaus?

Es ist richtig, daß kritische Punkte angesprochen werden müssen. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung, die sich in punkto Stadtbahn anzubahnen scheint, halte ich es für enorm wichtig, den Entscheidungsträgern auf die Finger zu sehen und im Notfall auch auf selbige zu klopfen.

Beim "SEPA-Klotz" (guter Name, ist so schön einprägsam) ist der Zug diesbezüglich aber leider abgefahren.

Und inwiefern die Aktionen und Entscheidungen im Rathaus tatsächlich und nicht nur gefühlt transparenter werden, wird sich erst noch zeigen müssen. Das im Moment manches transparenter erscheint, liegt vielleicht auch daran, daß während der Doll-Administration Transparenz wohl eher ein Fremdwort war.

Überall fehlt das Geld

Es wurde hier schon richtigerweise gesagt, dass alles in Bruchsal etwas "oversized" ist. Die Fußgängerzone, die Busse, die neuen Läden..

Es wurde auch schon richtig gesagt, dass man konstruktive Kritik üben darf, soll und muss.

Aber über all dem steht die Machbarkeit. Es ist ja nicht eine Frage der Demokratie, ob wir nun eine Stadtbahn so oder so herum durch die Stadt fahren lassen sollten und ob überhaupt, sondern es stellt sich die Frage, was man sich finanziell erlauben kann.

Der Berater, den man seinerzeit zu Dolls Zeiten aus Bayern kommen ließ, um Empfehlungen zur städtebaulichen Entwicklung zu geben, hat m.E. damals viel Richtiges gesagt. Aber was ist daraus geworden? Nichts! Überall fehlt es am Geld.

Seit Jahren bejammert man die miese Frequenz auf der Kaiserstraße zwischen Markt-Cafe und Kübel-/Holzmarkt. Da gab es z.B die Empfehlung, die Kaiserstraße nicht wie eine Sackgasse am Saalbach enden zu lassen, sondern eine (auch optische) Verbindung zur Württemberger Straße herzustellen. "Drüben", ab dem "Engel" stadtauswärts, könnte man Alt-Bruchsals Kneipenszene ansiedeln.

Bruchsals Einkaufsmeile ist bisher weder von der Ausgestaltung noch vom Warenangebot interessant gewesen. Statt in fragwürdige Bahntrassen würde ich derzeit jeden verfügbaren Cent in die städtebauliche Attraktivität stecken.

Denn jetzt tut sich eine einmalige Chance auf, Kundschaft aus den Umlandgemeinden zu gewinnen!!

Karlsruhe vergrault sich lt. meiner Tochter (17) anscheinend mit seinen derzeitigen Baustellen selbst belastbare jugendliche Kundschaft. Wenn wir es schaffen, solide Angebote zu platzieren, angefangen vom zentrumsnahen Parkplatz bis zur Preisgestaltung und Auswahl bei Waren, dann könnten auch einen Rewe und Müller auslasten.

Übrigens Rewe: Es war ein riesen Aufstand, als verlautete, dass der Penny bei der MuKS schließen wollte, weil die Innenstadt keinen preiswerten Lebensmitteldiscounter hätte.

Nun ist ein großer Markt da, der zumindest nicht teurer ist als der Marktkauf. Damit können und sollten wir angesichts der Mieten, die verlangt werden, zufrieden sein können.

Transparenz oder eher unsichtbar?

Transparenz wünschen kann man. Ankündigen in Wahlkampfveranstaltungen auch. Tun wäre aber etwas anderes!

Ein paar Beispiele:

  • die Protokolle der Gemeinderatssitzungen werden auch in Zukunft nicht veröffentlicht
  • die Gutachten und Studien zur Stadtbahneinschleifung werden ebenso nicht veröffentlicht

Reicht das als Gegenbeweis zur gefühlten Transparenz?

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen