Aufarbeitung der Geschichte Bruchsals

DruckversionPer e-Mail versenden
Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im 3. Reich
Mittwoch, 3. März 2010 - 9:59

Den nachstehenden Text hatte ich bereits gestern fertig gestellt. Journalist Rainer Kaufmann hat mittlerweile zum gleichen Thema berichtet. Ich möchte jedoch meine Sicht der Dinge dem Leser nicht vorenthalten:

Der Dokumentarfilm „Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns" war wichtig. Zu schnell vergisst der Mensch was war, lebt nur noch im Hier und Heute. Sich erinnern bedeutet jedoch sich zu befähigen Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen - mit dem Wissen um das was war für die eigene Zukunft und die Zukunft seiner Mitmenschen die eigene Verantwortlichkeit zu sehen und zu übernehmen.

Beim Abspann des Filmes „Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns" wurden in quälend langer Zeit all die Menschen genannt, die bei dem unsäglichen Luftangriff auf unsere Stadt ums Leben gekommen sind. Aussichtslos war jedoch das Warten auf bestimmte Namen. Doch diese konnten gar nicht im Filmabspann aufgeführt werden. Vergeblich wartete man auf die Namen Marx, Fuchs, Schrag, Oppenheimer, Bär, Kahn usw.

Vergebens harrte man aus, denn diese Bruchsaler Mitbürger mussten vor Bruchsals Schergen des Nazi-Regimes aus ihrer Heimatstadt fliehen, diese Bruchsaler wurden im Oktober 1940 zusammen getrieben, ins Internierungslager nach Gurs verfrachtet und später in Auschwitz ermordet - im Jahre 1925 gab es in Bruchsal noch fast 700 Mitbürger jüdischen Glaubens.

Doch auch hier gibt es noch einige Zeitzeugen. Wenn auch nicht mehr in Deutschland. Diese Zeitzeugen leben jetzt in New York, London, Vancouver; überall auf der Welt zerstreut.

Die Stadt Bruchsal täte gut daran, auch dieses düstere Kapitel Bruchsals aufzuarbeiten. Die filmische Aufarbeitung dieses so finsteren Zeitabschnittes in der Geschichte von Bruchsal soll gerne auch wieder Dokumentarfilmer Dirk Weiler aus Bruchsal vornehmen, der mit dem Film „Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns" einen wohltuend sachlichen Beitrag zu unserer Vergangenheit geliefert hat.

© Rolf Schmitt

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (3 Bewertungen)

Kommentare

Film zur Judenverfolgung in Bruchsal?

Den gibt es längst. Seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts - liegt im Tresor der Stadtverwaltung.
Und im Original wohl noch nie öffentlich aufgeführt.

Kommentar

Es gibt eine Gedenktafel am Bruchsaler Bahnhof, die an die Deportation der jüdischen Bevölkerung erinnert und auf der auch zwei Bilder aus dem Film von 1940 zu sehen sind. Das ist noch lange nicht genug, denn Dirk Weiler hat sie großzügig übersehen können, ebenso wie die ZeitzeugInnen, die ihm berichtet hätten von denen, die die Hand zum Hitlergruß streckten und Juden verrieten.

Der Film von 1940 wurde auch bei der Einweihung der Tafel 2007 - die öffentlich war - gezeigt.

In dem Film von Dirk Weiler wird wieder einmal deutsche Schuld mit deutschen Opfern relativiert - die Opfer von einst hätten es heute eigentlich besser wissen müssen, aber nur in missbrauchter Form wird Erinnerung erträglich. Wir werden aufpassen müssen, dass Deutschland aus dem 8. Mai keinen Volkstrauertag macht und dass Filme wie dieser nicht zur Basis der neuen deutschen Märchen und Mythen werden, die uns überrumpeln, wenn wir gerade denken, diese seien endlich verstanden und überholt. Aber wir hätten wohl spätestens nach 89 wissen müssen, dass die deutsche Ideologie wachsam ist und stabil.

Ruth Birkle

Es ist der alltägliche

Es ist der alltägliche Friede, den wir hier als selbstverständlich empfinden.

So gesehen steht der Film nur exemplarisch für das Schicksal der Zivilbevölkerung im Krieg.
Ob diese Stadt nun in Deutschland, Korea, Afghanistan oder an anderer Stelle steht ist zweitrangig. Überall trägt die Zivilbevölkerung das Leid des Krieges, egal wo - egal in welchem Jahrhundert.

Eine ´Schuldfrage´ steht hier bei einem sachlichen Dokumentarfilm mit solch einem Thema nicht zur Debatte. Eine reine Racheethik ist keine Lösung oder Rechtfertigung. Niemand hat irgend etwas ´verdient´.

Trotzdem zeigen die für mich schon fast gespenstischen Bilder vom Parteitag in Bruchsal im Film die Urspünge auf - auch ohne Kommentar. So gesehen dürften bestimmte Dinge auch beim einmaligen Ansehen deutlich klar werden.

Wie man den Film somit als Basis eines wie auch immer gesinnten ´neuen deutschen Mythos´ oder gar als ´Märchen´ ansehen kann, ist mir schleierhaft und scheint respektlos gegenüber Menschen, auf deren Leid man aus der Entfernung nicht das Recht hat herab zu sehen.

Das Schicksal der Juden in Bruchsal habe ich zudem auch nicht ´großzügig´ übersehen, wie hier unterstellt wird, sondern bewusst nicht thematisiert.

Bewusst, weil dies ein wichtiges - aber in jedem Fall ein eigenständiges Thema ist - ein Thema, das nicht mit einem anderen Ereignis vermischt und damit verwässert werden darf.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen