Auf der Suche nach Hausmadonnen und Hausheiligen in Bruchsal
Schon im Struwwelpeter wurde in der „Geschichte vom Hans Guck-in-die-Luft" davor gewarnt, unaufmerksam durch die Straßen und Gassen zu gehen, denn ein Elend, das einem widerfahren kann ist, dass man über einen Hund stolpert:
„Kam ein Hund daher gerannt;
Hänslein blickte unverwandt
In die Luft.
Niemand ruft:
"Hans gib acht, der Hund ist nah!"
Was geschah?
Bauz! Perdauz! - da liegen zwei!
Hund und Hänschen nebenbei.
Oder dass man in ein Flüss- oder Bächlein fällt:
Seht ! Nun steht er triefend naß!
Ei ! Das ist ein schlechter Spaß!
Wasser läuft dem armen Wicht
Aus den Haaren ins Gesicht,
Aus den Kleidern, von den Armen;
Und es friert ihn zum Erbarmen.
Ohne die Unart vom Hanns Guck-in-die-Luft zu übernehmen findet man allerdings meist nicht des Anschauens lohnenswerte Objekte:
Heiligendarstellungen und Madonnenfiguren an Hausfassaden.
Solche Figuren in Nischen von Hausfassaden dürften bis vor dem Luftangriff am 1. März 1945 im bäuerlich katholisch geprägten Bruchsal noch oft vorhanden gewesen sein. Diese „Hausmadonnen" sind mittlerweile nur noch selten zu finden und wenn, dann meist in den Straßen Bruchsals, die von der Zerstörung am 1. März 1945 weitgehend verschont blieben., einige Nischen wurden sogar erst nach 1945 eingerichtet und bestückt. Im Stadtgebiet gibt es auch einige Häuser mit verwaisten Nischen. Hier würde sich anbieten, für diese Nischen neue Madonnen in zeitgemäßen Formen in Auftrag zu geben. Aber vielleicht sind die fehlenden Figuren nur in der Wohnung oder auf dem Dachboden deponiert und warten lediglich darauf, wieder aufgestellt zu werden.
Ein kleiner Rundgang zu Bruchsals Hausheiligen
Wir beginnen den Rundgang in der Schönbornstraße. Im linken Eckhaus zur Zickstraße hin, wurde wohl bei der Hausrenovierung vor einigen Jahren eine Nische für eine Heiligenfigur, eine Madonna mit Kind, geschaffen bzw. neu besetzt.
Auf dem Weg zur Huttenstraße kommen wir an der Schloßapotheke vorbei. In einer Nische links im Eingangbereich zur Apotheke ist eine Madonnenfigur, wiederum Mutter mit Kind, aufgestellt. Ebenso wie die Figur in der Schönbornstraße aus Sandstein, ohne Bemalung. Diese Figur befand sich vor 1945, wie wir dem historischen Foto entnehmen können, in einer Nische im Obergeschoss des Hauses.
In der Huttenstraße finden wir mehrere Nischen mit Heiligendarstellungen. Aufgrund der Enge der Straße muss man aber wirklich exzessiv die Unart vom Hanns Guck-in-die-Luft übernehmen.
Gleich am Anfang der Huttenstraße finden wir diese Nischen, sowohl besetzt als auch unbesetzt.
Geht man die Huttenstraße weiter hoch, ist eine Heiligenfigur in einer Nische an einem Hauseck zu finden:
Eine leider leere Nische befindet sich am Eckhaus Huttenstraße - Klostergasse.
Die Nische in einem recht sanierungsbedürftigten, wohl leer stehendem Haus etwa in der Mitte der Klostergasse, ist ebenfalls nicht besetzt.
Nach der Überquerung der Saalbachbrücke gehen wir nach links in die Württemberger Straße, wo wir einige sehr schöne Nischen mit gut unterhaltenen Heiligen und Madonnen finden können.
Ganz weit am Ende der Württemberger Straße, kurz vorm Schlachthof, steht auf der rechten Seite ein wohl in den 60er Jahren erbautes Haus, das ebenfalls eine Nische mit einem Schutzheiligen beherbergt.
Jetzt geht es wieder zurück Richtung Stadtmitte. Wir kommen wieder an den Hausmadonnen und Heiligen im linken Teil der Württemberger Straße vorbei und kommen dann in den der Stadt am nächsten liegenden Teil der Württemberger Straße, zwischen Klostergasse und Großer Brücke. Auch dort sind einige sehr schöne und sehr gepflegte Madonnenstatuen zu finden.
Bei der Großen Brücke angekommen, gehen wir die Friedhofstraße hoch und biegen nach etwa 50 m nach links in die Peter-und-Paul-Straße ein. Kurz vor der Peterskirche befindet sich auf der linken Seite das St. Josefshaus mit einer schönen Statue des St. Josef mit Jesus auf dem Arm.
Wir beenden unseren Stadtrundgang auf dem Rathausplatz vor der Stadtkirche. Am nordöstlichen Chorpfeiler steht dort unter einem zierlichen Baldachin auf gotischer Konsole eine bedeutende Steinhauerarbeit des 15. Jahrhunderts, eine Muttergottes mit dem Jesusknaben vom Typus der sogenannten Schönen Madonnen, die einzige Plastik der Kirche, die den Angriff vom 1. März 1945 überdauert hat. Hier handelt es sich zwar nicht um eine profane Marienabbildung, nichtsdestotrotz aber ein schöner Abschluss des kleinen Stadtrundganges.
Nachtrag
Eine kleine Nische habe ich noch gefunden, diese aber nicht im Stadtrundgang besucht. Zum einen deshalb, weil das dazugehörende Haus sich recht weit entfernt von den übrigen Stationen befindet und zum anderen aus dem Grunde, dass diese Nische nebst darinnen befindlicher Heiligenfigur Gegenstand eines der nächsten Mittwochsrätsel sein wird.
© Bericht und Fotos: Rolf Schmitt
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Kommentare
Zu „Hausmadonnen ..." angemerkt
Zum ersten hat Dr. Ludwig Böer neben vielem anderen auch über die Hausmadonnen in der Kernstadt geforscht und eine Menge Wissenswertes in Fortsetzungen in der von 1962 bis 1985 herausgegebenen Heftreihe „Bruchsal - Zeitschrift für Kultur und Heimatgeschichte" veröffentlicht. (Eine wahre Fundgrube für weitere geschichtliche Themen!)
Als nächstes ist zu melden, dass im Schafgarten Nr. 4 von der Straße aus im Hof eine gemauerte Nische mit alten Barockfiguren (Annaselbdritt) zu sehen ist, die ursprünglich aus der zerstörten Innenstadt bei der Stadtkirche (Nordseite) stammt. Sie hat nach Jahrzehnten bei den Erben hier einen würdigen Platz bekommen.
Und noch eines: Die angestammte Figur der Wandnische vom „Gasthaus zum Grünen Baum" (Elternhaus meines Vaters), Württemberger Str. 15, ist eine hölzerne, barockzeitliche Statue des Heiligen Nepomuk. Das wertvolle Schnitzwerk findet sich heute im städtischen Museum.Der Heilige Nepomuk war seinerzeit „der" Superstar in katholischen Landen. Bekanntlich ist sein Bildnis meist auf Brücken (Beispiel Klostergasse) zu finden. (Er wurde der Legende nach in der Moldau „ertränkt", war aber wohl laut neueren Forschungen schon zuvor ermordet und zum Paket „Wasserleiche" verschnürt worden.)
Sinn machte die Aufstellung in der Hausnische an der vormaligen B 35 und heutigen L 618 aber dennoch, da das Anwesen an den Saalbach grenzt und die Hilfe des Heiligen dringend nötig war, um über die gefährliche Bretterbrücke (ohne Geländer, bei Nässe glitschig) sicher hinüber in den Hausgarten auf der Insel zwischen Annabach und Saalbach zu gelangen.