Auch in Bruchsal wurde ein Stück Automobilgeschichte geschrieben

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Ausstellung „Bewegte Stadt" bis 2. September im Rathaus am Marktplatz | Im Rathaus-Foyer steht ein original „Ihle Roadster" | Eintritt und Gruppenführungen frei
Montag, 30. Mai 2011 - 16:03

Bruchsal (pa) | Was haben Bertha Benz, Heinz Rühmann und Udo Jürgens gemeinsam? Alle drei sind sie europaweit bekannt, etliche Biografien wurden bereits über sie geschrieben - und aktuell finden sie zusammen Erwähnung in der Ausstellung „Bewegte Stadt: Bruchsal und die (Auto-)Mobilität", die noch bis 2. September im Bruchsaler Rathaus am Marktplatz (Kaiserstraße 66) zu sehen ist.

Ausstellungseröffnung

Die Ausstellung Bewegte Stadt, die am vergangenen Freitag, 27. Mai, von Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick gemeinsam mit (v.l.) Hannelore Haas, Annerose Ihle und Thomas Adam im Rathaus eröffnet wurde, kann zu den normalen Öffnungszeiten kostenlos besichtigt werden. (Martin Heintzen)

Ein auf den ersten Blick scheinbar kurios kombiniertes Trio, über dessen Bezug zum Thema Bruchsal und Automobil zumindest gerätselt werden darf. Dass Bertha Benz auf ihrer berühmten ersten Fernfahrt von 1888 zweimal durch Bruchsal kam, ist immerhin weithin bekannt, ihre Erwähnung in der Ausstellung des Städtischen Museums und des Stadtarchivs Bruchsal also noch am wenigsten erstaunlich. Aber was ist mit Rühmann? Der fuhr in jungen Jahren ein in Bruchsal gebautes Auto, einen dreirädrigen Diabolo, den die Vereinigten Eisenbahnbahnsignalwerke um 1925 für einige Zeit produzierten, um in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten keine Mitarbeiter entlassen zu müssen. Und Udo Jürgens schließlich besang 1992 in einem seiner Hits den „Riesenstau" auf der Autobahn bei Bruchsal - was in der Bevölkerung wegen der denn doch etwas einseitigen Sichtweise auf die Stadt am Kraichgaurand einige Turbulenzen auslöste.

Automobilwerkstatt Bruchsal

Automobilwerkstatt in Bruchsal um 1925 – noch alles in Handarbeit. (Stadtarchiv Bruchsal)

2011 - der Zeitpunkt dieser Ausstellung über die vielfältigen Bruchsaler Bezüge zur Automobilgeschichte ist nicht zufällig gewählt. Landesweit wird in Baden-Württemberg mit einer Fülle von Veranstaltungen an eine überaus folgenreiche technologische Innovation erinnert: Vor 125 Jahren, im Januar 1886, meldete der badische Ingenieur Carl Benz seinen benzinbetriebenen, dreirädrigen Motorwagen Nummer 1 offiziell zum Patent an. Gleichzeitig entwickelten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach in einer kleinen württembergischen Werkstatt den ersten vierrädrigen Kraftwagen der Welt. „Wohl kaum eine Erfindung hat seither die Welt in ähnlicher Weise verändert und sprichwörtlich ‚auf Achse' gebracht", so Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick im Rahmen der Ausstellungseröffnung. „Und gerade das Bundesland Baden-Württemberg ist untrennbar mit der Erfolgsgeschichte individueller Mobilität verbunden."

 Der dreirädrige „Diabolo“

Der dreirädrige „Diabolo“ – auch Heinz Rühmanns erstes Auto – wurde um 1925 in Bruchsal produziert. (Stadtarchiv Bruchsal)

Eine Aussage, die ebenso für Bruchsal im Speziellen zutrifft. Auch hier ist ein Stück Verkehrs- und Automobilgeschichte geschrieben worden. Denn dass die berühmte und bis heute charakteristische „Doppelniere" der BMW-Kühlergrills, um 1933 entwickelt, in Person der Gebrüder Rudolf und Fritz Ihle zwei Bruchsalern zugeschrieben wird, das ist schon eine ebenso spannende wie bemerkenswerte Erkenntnis. Und es sind die heutigen Nachfahren der beiden begnadeten Tüftlerbrüder, die der Ausstellung mit einem in Bruchsal produzierten, originalen „Ihle Roadster" aus den 1930er Jahren zu einem besonderen optischen Leckerbissen verholfen haben.

Informationen

Die Ausstellung „Bewegte Stadt: Bruchsal und die (Auto-)Mobilität", ein Gemeinschaftsprojekt von Städtischem Museum und Stadtarchiv Bruchsal in Zusammenarbeit mit den Oldtimerfreunden Bruchsal und dem Ersten Bruchsaler Automobil-Club, ist zu sehen bis einschließlich Freitag, 2. September im Bruchsaler Rathaus am Marktplatz, Kaiserstraße 66, Erdgeschoss und 1. Obergeschoss. Öffnungszeiten: Mo-Mi 8-16 Uhr, Do 8-17 Uhr, Fr 8-12 Uhr. Für Gruppen können Führungen durch die Ausstellung nach Absprache auch außerhalb dieser Öffnungszeiten angeboten werden (Tel. 07251/79-380, E-Mail: thomas [dot] adam [at] bruchsal [dot] de). Eintritt zur Ausstellung und Führungen sind frei.

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