Atommüll von heute für 200.000 Jahre Gefahr für die Menschen
Die Frage, ob die Welt ohne Atomstrom wohl sauberer, schöner und gar sicherer wäre, verneint der neue Stuttgarter Ministerpräsident (44) Stefan Mappus. Diese Frage nach „sauberer" oder „sicherer" Welt könnte man beim Thema sicher vergessen. Viel wichtiger ist für mich die Frage der Sicherheit und Verbleib des Atommülls! Diese Frage müsste man ohne Atomstrom wohl eher bejahen, gäbe es keine Kernkraftwerke. Es ist doch wissenschaftlich so viel wie bewiesen, dass die Krebs- und Leukämiehäufigkeit in der näheren Umgebung von AKW fraglos höher ist als in anderen Gebieten. In den Medien ist dieses Thema ja schon öfter eingehend behandelt worden. Man möge sich nur erinnern.
Mappus, der in keiner von radioaktiver Strahlung gefährdeten Gegend wohnt, glaubt mit seiner Aussage, Reaktoren im Land so lange wie „technisch möglich" (für die Betreiber) nutzen zu wollen, punkten zu können. Bei seinem Parteifreund Norbert Röttgen, seines Zeichens Bundesumweltminister in Berlin dürfte das Punkten fraglos geringer ausfallen. Auch sein Koalitionspartner FDP, die Opposition im Land und im Bund, sowie einer Reihe von Umweltschützern und des Verbandes Kommunaler Unternehmen haben sich bereits spontan gegen Mappus' vollmundige Aussagen zugunsten der Kernenergie zu Wort gemeldet. Die Berliner BUND-Landeschefin, Brigitte Dahlbender, bezeichnete das rechtslastige CDU-Schwergewicht aus Pforzheim gleichsam als „Lautsprecher der fossil-atomaren Energiewirtschaft", die mithilfe der Leipziger Strombörse eine Milliarde nach der anderen bei den Verbrauchern abkassiert, ganz so nach dem Branchenmotto: Billig produzieren und teuer verkaufen (eben: Freie Marktwirtschaft, alles klar?!). Logisch, dass der EnBW-Chef, Hans-Peter Villis, die Aussage Mappus lobt. Dass er damit einer täglich stärker zunehmenden Gesundheitsgefährdung das Wort redet, ist Leuten wie Mappus samt Managern der Atomwirtschaft völlig gleichgültig - leider! Viel wichtiger für diese Herrschaften ist ja, dass der Reingewinn für die vier Energiekonzerne (und damit einer relativ kleinen Clique von Menschen in Europa) Vattenfall, EON, RWE und EnBW bei einer um acht Jahre verlängerten Laufzeit der AKW beim aktuellen Strompreis nach Berechnungen von Greenpeace 65 Milliarden Euro beträgt. Andere Schätzungen reichen noch weit höher! Eine längere Laufzeit für jedes der 17 AKW in Deutschland würde für die Energiekonzerne einen täglichen Reingewinn von einer Million Euro bedeuten. Klar, dass man ohne Rücksicht auf gesundheitliche Negativfolgen für die Menschen mit allen Mitteln (Lobby!) darauf drängt. Hauptsache, die Kasse klingelt!
Dabei muss man wissen, dass es ohne die Haftungsübernahme des Staates, also uns Steuerzahler (!) bei einem GAU keine Atommeiler gebaut worden wären! Allein die Forschungssubventionen beziffern sich nach Expertenmeinung auf gut 40 Milliarden. An EURATOM, die europäische Atomgemeinschaft, flossen bisher 1,9 Milliarden Euro hauptsächlich für Kern-Fusionsreaktoren. Die nach dem Koalitionsvertrag zu schließenden vorläufigen „End"lager, Asse und Morsleben haben bereits 3,1 Milliarden Euro verschlungen. Hinzu kommt, dass dem Staat Steuern in Höhe von 8,2 Milliarden durch Rückstellungen der Energiekonzerne vorenthalten werden.
Nach einer Studie von Greenpeace aus dem Jahr 2009 flossen der Atomwirtschaft von 1950 bis 2008 etwa 165 Milliarden Euro an Subventionen zu! Daran ist deutlich erkennbar, dass die Reaktoren deswegen gewinnbringend Strom produzieren können, weil der Staat über Jahrzehnte irrsinnige Milliarden dazu geschossen hat, ohne dass sich dies in Form günstiger Strompreise für die Verbraucher bemerkbar gemacht hat! Dies deshalb, weil der Strompreis nicht von den Konzernen allein, sondern einer kleiner Anzahl von Personen in der für die Stromkonzerne bedeutsame Leipziger Strombörse ausgehandelt wird und er von Jahr zu Jahr für die Verbraucher empfindlich gestiegen ist und weiter steigt, wobei sich der Staat seines Mwst.-Anteils von neunzehn Prozent freut und sich kräftig die Hände reibt!
Nun könnte man sich damit ja noch in letzter Konsequenz arrangieren.
Mappus als früherer Umweltminister müsste eigentlich wissen, Kernkraftwerke erzeugen nicht nur elektrischen Strom, sondern auch große Mengen Atom-Müll - sehr gefährlichen Müll in Form von abgebrannten Brennelementen!!! Durch die nukleare Spaltung wird Wärme erzeugt. Die braucht man für die Turbinen, die ihrerseits Generatoren antreiben. Erst sie produzieren den Strom, der dann an der Steckdose zur Verfügung steht, wenn man ihn braucht, oder zum Antrieb von Maschinen etc. und auch, was gerne vergessen wird, die unzähligen Züge der Bahn antreibt.
Für die verbrauchten Brennelemente braucht man Orte, in denen sie gelagert werden können, bis die Spaltung und damit ihre radioaktive Strahlung aufhört. Und das dauert nach Aussage von Fachleuten, die im Gegensatz von Politikern etwas von der Sache verstehen, rund 200.000 (i. W.: zweihunderttausend) Jahre! Gut 6.000 Generationen werden in dieser Zeit gelebt haben! Bis zum Finden von Orten, in denen die verbrauchten Brennelemente dann wirklich „end"gelagert werden können, muss man sie vorerst „zwischen"lagern. Das geschieht in Deutschland derzeit in Assen, Morsleben und Gorleben. Letzteres ist seit Jahren und jetzt aktuell wieder in aller Munde, weil auch Gorleben offensichtlich als Endlager ausgebaut werden soll. Morsleben und Assen sollen gemäß Koalitionsvertrag dieser schwarz-gelben Bundesregierung geschlossen werden. Die Wiederherstellung der dortigen Salzstöcke kostet (für uns Steuerzahler) viele Milliarden Euro!
Auf die Frage, wo man denn nun den Atommüll wirklich ohne Gefahren für die heute lebenden Menschen und spätere Generationen „end"lagern kann, wird man keine brauchbare Antwort bekommen, weil es zumindest in dem geografisch kleinen Deutschland keinen Endlagerort gibt, woran auch sog. „politische Entscheidungen" einiger Politiker nach dem Muster des mittlerweile verstorbenen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) im Zusammenhang mit Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg nichts ändern werden!
Der Herr Mappus weiß das alles nicht, deshalb muss man das ihm gegenüber immer wieder neu betonen und nachhaltig unterstreichen! Wie nannte ihn die Berliner BUND-Landeschefin? „Sprachrohr für die fossil-atomare Energiewirtschaft", richtig! Es gäbe noch speziellere Bezeichnungen für solche Leute. . .! Aber vielleicht sollte man Mappus und allen Befürwortern der Atomenergie mal einen oder gleich mehrere abgebrannte Brennstäbe unters Bett legen (gleichsam „endlagern"), um sie spüren zu lassen, was sie den Menschen mit ihren inakzeptablen Forderungen nach Laufzeitverlängerungen der Kernkraftwerke in der Tat zumuten!
Es geht also um die tägliche Zunahme der Radioaktivität unserer Luft allein durch die Wiederaufbereitung und damit um die Gesundheit der Menschen schlechthin. Man weiß (offenbar nicht im Stuttgarter Staatsministerium) sehr genau, dass von dem gelagerten Atommüll große Gefahren ausgehen! Mithin bleibt nur eine einzige logische Konsequenz: Sofortiges Abschalten der Kernkraftwerke, was freilich wieder Milliarden kostet, aber wenn dadurch unübersehbare Gefahren für die Gesundheit der Menschen auf dieser kleinen Erde beseitigt werden können, muss dieser Schritt so früh wie möglich getan werden, auch, wenn es diversen Leuten (finanziell) nicht passt!
Eigentlich bemerkenswert: Kernenergie und Umweltzonen - zwei Dinge, die sich antipodisch gegenüberstehen!
Bei der Atomenergie will man die AKW-Laufzeiten nach dem Willen diverser konservativer Politiker um Jahre verlängern, weil sonst (welche Lüge!) die Strompreise weiter steigen. Auf die mit der Kernenergie verbundenen erheblichen Gesundheitsgefahren geht man nicht ein, weil dies monetär nicht opportun ist. Bei den Umweltzonen in den Innenstädten will man nach der Propaganda der Politik die Menschen vor Gesundheitsgefahren durch „Feinstäube" (was ist mit dem Vulkanstaub?) schützen. Die Verlogenheit der Politik liegt darin, dass mit der Atomenergie Milliardenbeträge für Wenige (CDU-Klientel) verdient werden, weshalb man sie erhalten will, während man bei den Umweltzonen die Autofahrer zwingt, ihre Autos zum Gesundheitsschutz der Menschen für viel Geld mit Filtern auszurüsten. Wer das nicht kann, weil es für viele ältere Fahrzeuge keine Filter gibt, darf nicht mehr in die Innenstädte fahren, weil die Menschen gesundheitlich gefährdet sind. Man möchte dem ja ungern widersprechen. Wer aber in den Anhang 3 zu Paragraf 2, Abs. 3 der Plakettenverordnung hinein schaut, muss mit Empörung feststellen, dass der Staat seine eigenen katalogmäßig aufgeführten Dreckschleudern nach wie vor ohne Plaketten weiter fahren lässt. Dem privaten Autofahrer droht die Politik 40 Euro Bußgeld bis hin zum Entzug nicht nur des Führerscheins, sondern darüber hinaus der Fahrerlaubnis an, wenn er weiter in die Umweltzonen ohne Plakette hinein fährt. Welche eine Frechheit gegenüber den Autofahrern!
Es gilt, bei Forderung nach Ende der Kernenergie nicht nachzulassen, sondern, wie jetzt aktuell in Niedersachsen, die Politik mit aller Macht des Volkes daran zu hindern, die Laufzeit der in Deutschland vorhandenen 17 Kernkraftwerke zum Nutzen einer minimalen Minderheit zu verlängern. Es gibt alternative Energien, die auszubauen und zu fördern sich in jeder Hinsicht lohnt, allein wegen Beseitigung der davon ausgehenden Gesundheitsgefahren für die Menschen jetzt und ferner Zukunft.
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Kommentare
Kleine Anmerkung
Zitat: "An EURATOM, die europäische Atomgemeinschaft, flossen bisher 1,9 Milliarden Euro hauptsächlich für Kern-FUSIONS-reaktoren."
Nun, wenn diese Subventionen wirklich für FUSION und nicht KERNSPALTUNG's Reaktoren ausgeben wurden, dann haben sie nichts in
diesem Text zu suchen. Das wäre als würde man der Solarindustrie vorwerfen, das schon Milliardensubventionen in die Kohle investiert wurden.
Fusionskraftwerke sind (nach heutigen Wissenstand und wenn sie denn irgendwann gebaut werden) die Kraftwerke welche die geringste Umweltbelastung (kein Kraftwerk auch "regenerative" sind völlig umweltneutral) pro KW produzieren und einen GAU bekommt man damit auch einfach nicht hin, bzw. ist so hoch wie bei einem Windkraftwerk.
Warum immer wieder Fusion in den gleichen Topf wie Kernspaltung geworfen wird, ist mir schleierhaft. Unsere Sonne ist schliesslich auch ein Fusionsreaktor und KEIN Atomkraftwerk.
Zeichensetzung verfehlt?
Nun schweigt der Sänger.
Falls er gedenkt, zu antworten, möge er bitte weniger Ausrufezeichen verwenden als in seinem Rundschlagkommentar.
Einige davon wären besser Fragezeichen - aber vielleicht hat der Verfasser ja beide Tasten fusioniert anstatt gespalten - oder getrennt.
Ernst Albrecht ist nicht tot
Lieber Herr Hafke,
ihre Behauptung: "... mittlerweile verstorbenen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) ..." ist nicht korrekt. Bisher lebt Herr Albrecht - als Pflegefall - im Kreise seiner Familie.
So richtig und wichtig ich Ihren Beitrag auch empfinde. Durch Ungenauigkeiten, wie diese und Behauptungen, wie "Es ist doch wissenschaftlich so viel wie bewiesen, dass die Krebs- und Leukämiehäufigkeit in der näheren Umgebung von AKW fraglos höher ist als in anderen Gebieten" erweisen Sie der Sache und der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen einen schlechten Dienst.
So werden Sie mit Behauptungen und teils seit Jahrzehnten widerlegten Schauermärchen der frühen Anti-AKW Bewegung ein leichtes Opfer eben jener von Ihnen kritisierten Atom-Lobby.
Eine saubere Recherche würde, bei gleicher Grundaussage, deutlich besser helfen.
Das eine Laufzeitverlängerung unserer Kernkraftwerke nahezu eine Verdoppelung des später einmal sicher aufzubewahrenden atomaren Mülls bedeutet ist keine gute Aussicht. Jetzt haben wir den Müll und müssen uns der Verantwortung stellen, auch wenn das noch einmal Milliarden kostet.
Noch schwerer wiegt für mich die Tatsache, dass wir beabsichtigen eine extrem gefährliche Technik noch viele Jahre weiter zu betreiben - mit Anlagen, die technisch vor 40 Jahren ausgerüstet wurden. Wir schaffen es mit aller moderner Technik nicht ein Bohrloch 1.500 m Tiefe zu schließen - noch Fragen?
Daher gilt auf jeden Fall: Sofort abschalten!
PS: Herr Mappus könnte sich übrigens ruhig einen Brennstab unters Bett legen ohne großen Schaden zu nehmen, solange das Bett hoch genug ist (Sicherheitsabstand) und der Brennstab ein wenig abgedeckt (Glas, Karton, Betonplatte) wird. Das Problem ist, dass er für 200.000 Jahre sicherstellen müsste, dass der Brennstab so dort stabil verbleibt und keine radioaktiven Isotope austreten können, denn wenn diese, z.B. durch Einatmen in den direkten Kontakt mit dem Körper gelangen, dann droht wirklich Gefahr.
Ernst Albrecht tot?
Sehr geehrter "bruhrein,
sorry,
na ja, ich war da offenbar einem Irrtum unterlegen. Meinte irgend wann mal gelesen zu haben, das Albrecht an der Alzheimer-Krankheit verstorben ist. Ich nehme diese Darstellung mit Bedauern zurück. Freilich, das ändert nichts an meiner Kritik an seiner "politischen" Entscheidung, Gorleben entgegen dem Urteil von Fachleuten als Endlager zu deklarieren. Das war verantwortungslos. Politiker wissen vielleicht etwas, aber nicht alles. Die wissen oftmals nicht einmal, was in den Gesetzesvorlagen steht, über die sie dann im Plenum abstimmen!
Im übrigen erfreulich, dass sie meiner Grundthese gegen die Kernkraft zustimmen.
MfG,
Peter Hafke