Atommüll für Alle – nach dem Motto: lokal verdienen, global verschmutzen

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Oder: Atommüllbeseitigung mit der Schreibmaschine.
Mittwoch, 14. Oktober 2009 - 12:24

Frankreich deckt etwa 80 % seines Energiebedarfes aus der Kernenergie und hat mehr als eine Million (!) Kubikmeter radioaktiven Abfall angehäuft. Davon allerdings befindet sich ein gefährlicher Teil in der sibirischen Stadt Swersk. Dieser Atommüll wird in Swersk praktischerweise auf einem Parkplatz aufbewahrt. Praktisch insofern, als es noch keine Lösung der sogenannten „Endlagerungsfrage“ gibt und insoweit ein Parkplatz als logische Zwischenlösung erscheint. Da weiß wenigstens jeder, dass das Zeug wieder wegmuss. Doch wohin? Das kümmert die EDF (Energieversorgung France) wenig, denn dieser Müll gehöre jetzt dem russischen Wiederaufbereitungsunternehmen „Tenex“, so ein Sprecher des Unternehmens.

Atomkraftwerk

Recht so, verkauft ist verkauft. Dazu bedarf es, siehe Überschrift, nur einer Schreibmaschine (pardon: heutzutage: Computer mit Schreibprogramm) auf der ein entsprechender Vertrag zu fertigen ist. Ergebnis: Müll weg, Verantwortung weg. Der Atommüll-Manager Bernard Bigot, der bis vor kurzem das französische Kommissariat für Atomenergie leitete und jetzt im Aufsichtsrat des Atomkonzerns „Areva“ (=Tochtergesellschaft der EDF) sitzt, spricht vom „Vertrauen in die Zukunft“, was die Massen angehäuften französischen Atommülls angeht. Fragt sich nur, in wen wir Vertrauen setzen sollen. Wenn Bigot keinen Gefallen mehr an seinem Job hat, wird er ihn einfach kündigen. Ärgert den Mann also nicht weiter, sonst sagt er einfach gar nichts mehr, weil es ihn nichts mehr angeht. Na ja.. vielleicht gibt es ja noch einen Abschiedsbonus für den Mann, wenn wir ihn alle zu sehr mit Fragen nerven und er nicht mehr arbeiten will - analog zu den bekannten Banker-Boni. Vertrag ist Vertrag.

Die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke werden ja jetzt verlängert. Immerhin bringt ein Tag (!) Betriebszeit bei abgeschriebenen Meilern zwischen einer und zwei Millionen Euro. Das beflügelt natürlich die politische Durchsetzungskraft der beteiligten Manager; nicht auszuschließen, dass auch da fette Boni winken. Und wenn’s den Männern nicht mehr gefällt, wird gekündigt. Es gibt ja noch andere Jobs.

Vertrag ist Vertrag.

(J.S.)

Quelle: FAZ vom 13. Oktober 2009.

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Kommentare

Radioaktive Geothermie?

Klar, wir sollen alle global denken. Aber nach meiner Meinung schadet es der Rubrik Bruchsal, wenn die eigentlichen Bruchsaler Themen unter der Teilhabe am Weltgeschehen untergehen. Oder gibt es neue Enthüllungen zur Bruchsaler Geothermie, die in diesem Beitrag angedeutet werden sollten und dann der Eile zum Opfer fielen?

Gruß - Hartmut

Hallo Hartmut..

Sicher gäbe es zur Bruchsaler Geothermie noch einiges (interessantes) zu sagen –
Aber Atom-Müll ist nichts, was uns nichts anginge. Wenn es – beispielsweise – um die Laufzeitverlängerung von Atommeilern geht, ist Philippsburg wirtschaftlich einer der bedeutendsten. Und der Philippsburger Atommüll ist leider nicht in Russland, sondern befindet sich in sog. Abklingbecken, die laufend (Strom!) gekühlt werden müssen. Unterbleibt dies nur 4 Wochen, gibt es die berühmt-berüchtigte Kernschmelze – vor den Toren von Bruchsal.org.

Jürgen Schmitt

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