Armee ohne Koppel. Bericht aus dem Wehrmachtsgefängnis Bruchsal
Über das Innenleben des Wehrmachtsgefängnisses in der Huttenstraße gibt es tatsächlich wenig Berichte. Jetzt ist mir ein Buch aus dem Jahr 2002 in die Hände gekommen, in dem ein ehemaliger Insasse des Wehrmachtsgefängnisses einige Monate beschreibt, die er dort verbringen musste. Er war vom November 1944 bis zum 10. März 1945 in der Bruchsaler Huttenstraße inhaftiert und hatte damit auch den verheerenden Bombenangriff am 1. März und die Tage danach in Bruchsal erlebt.
Eine durchaus spannende Schilderung des Alltags im Wehrmachtsgefängnis und vor allem der Tage nach dem 1. März. Die Geschichte soll hier nicht erzählt werden, das Buch liest sich teilweise wie ein Krimi. Nur soviel zur Information (Texte der Buchklappe): „1944/45. Eine Liebe in Straßburg. Verfolgung und Flucht. Sieben Wochen allein in den Vogesen. Verhaftung. Wehrmachtshaftanstalt Straßburg, Wehrmachtsgefängnis Bruchsal. Hilfe von der Liebe aus Straßburg. Bomben auf Bruchsal. Festung Ingolstadt. KZ Dachau. Im Bewährungsregiment Bender. Der Gefangennahme durch die Amis entgangen. Abenteuerliche Rückkehr. Wiedersehen mit der Liebe aus Straßburg.“
Eine Schilderung, wie es sicher einige gibt aus der Zeit. Für uns wertvoll aber, weil es kaum Zeugnisse über das Wehrmachtsgefängnis in der Huttenstraße gibt. Bisher kannte ich nur Hinweise eines früheren Unteroffiziers aus dem Bewachungspersonal, der erklärte, es sei dort militärisch korrekt zugegangen, während Bruchsaler Beobachter (Nachbar Eduard Holoch und Bestattungsordner Sebastian Grundel) erklärten, die Häftlinge seien übel geschunden worden. Die Schilderungen in diesem Buch unterstützen die Version von Holoch und Grundel. Die Zustände im Wehrmachtgefängnis waren mehr als nur grausam.
Das Titelbild des Buches zeigt das Wehrmachtgefängnis, das in etwa da stand, wo heute Bürgerpark und Bürgerzentrum sind. Den Eingang zum Wehrmachtsgefängnis bildeten die beiden barocken Wohnhäuser in der Huttenstraße, die Teil einer früheren Kaserne waren, geplant von keinem Geringeren als Balthasar Neumann.
Heinrich Karl Maria Meybrink
Armee ohne Koppel
Erzählung nach den Aufzeichnungen eines Wehrkraftzersetzers und Deserteurs
AT Edition, Münster
ISBN 3-89781-001-8
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Kommentare
Armee ohne Koppel
Hochinteressant, habe mir das Buch gerade bestellt - antiquarisch bei einem großen Online-Buchhändler. Es scheint mir vergriffen zu sein, da keine Neuexemplare angeboten wurden.
C. Kretz
Es handelt sich wohl um einen
Es handelt sich wohl um einen Verlag, der Kleinstauflagen gegen Bezahlung durch den Autoren druckt.
Der Autor, so scheint es, muss ein Verwandter des tatsächlichen Erzählers sein.
Verlagsadresse: AT Edition, Grevener Straße 179, 48159 Münster
Telefon: 0251/235091
Bergfried und Psycha
Hier ein Bild vom Bergfried und der Psycha, wie es wahrscheinlich noch viele in Erinnerung haben:
Internet-Antiquariate
Ich habe heute noch zwei Exemplare gefunden und eines davon bestellt - nur fleißig gegoogelt, Leute!
Googeln
Beim Googeln die falsche Schreibweise Maybrink (statt Meybrink) auch berücksichtigen!
Gute Lektüre
Armee ohne Koppel ist eines jener Bücher, die man erst wieder aus der Hand legt, wenn man sie fertig gelesen hat. Das Buch lässt den Leser die Facetten des Terrors während der Naziherrschaft unmittelbar spüren und macht gleichzeitig schon deshalb betroffen, da es zu einem gut Teil direkt in Bruchsal spielt. Beeindruckend auch das Miterleben des 1. März 1945 in Bruchsal aus völlig neuer Perspektive. In einer Atmosphäre geprägt durch das weitgehende Fehlen von Humanität und Verstand bleibt die Erzählung hoffnungsvoll und durchdrungen vom Licht des bereits absehbaren Kriegsendes.
Armee ohne Koppel
Da bleibt einem nur noch übrig, den Verursacher all diesen Übels der Lächerlichkeit anheim zu geben.