Adolf Böser
Der Adolf
Der Adolf war das Stadt-Dummerle, und wie durch ein Wunder blieb er in der Adolf Ära verschont.
Man sprach davon, daß der Adolf in jenen Tagen des puren Wahnsinns in irgendeinem Dorf bei gutherzigen Leuten Unterschlupf gefunden hatte, um letztendlich doch noch entdeckt zu werden. Adolf hatte einen winzig kleinen Kopf und sah, der verstorbene Chorleiter der Don Kosaken, Serge Jaroff möge es mir nachsehen, eben diesem sehr ähnlich. Adolf hatte eine dünne Fistelstimme, die er wiederum dem unseligen Namensvetter zu verdanken hatte. Er war lang und furchtbar hager und sprach für sein Leben gern.
Noch heute sehe ich den armen Menschen vor mir: Ein hellgraues dünnes Leinenjäckchen, das schon lange Jahre ausgedient hatte, hing an ihm herunter, wie ein Jutesack, aus dem die letzten Kartoffeln ausgeschüttet wurden. Adolf war meist fröhlich und guter Dinge und wurde nur selten von frechen und aufdringlichen Buben belästigt. Dann konnte der Arme im Geiste schimpfen und die Arme um sich werfen, und sein kleiner roter Kopf wurde noch um eine Tomate roter.
Adolf war ein nützliches Glied der Gesellschaft. Er wohnte im Altersheim der Stadt, machte kleine Besorgungen, goß den Gemüsegarten und kümmerte sich darum, daß die Hundchen ihre Beinchen nicht in den Anlagen hoben.Adolf hatte es immer eilig, nur wenn er einen Menschen mochte, blieb er stehen und vergaß die Zeit. Dann schwatzte er daher mit seiner dünnen Fistelstimme, gestikulierte mit den Händen und deutete oftmals auf sich selbst.
Adolf muß aus gutem Hause gewesen sein, aber dieses gute Haus schämte sich wohl seiner und gab das arme Wesen weit fort. Adolf wurde sehr alt, und immer sah man ihn durch die Stadt huschen und seine kleinen Pflichten erledigen.
Er tat alles sehr genau und gewissenhaft, und diese Eigenschaft der Gewissenhaftigkeit war vielen „Normalen" nicht gegeben.
„Seelig sind die Armen im Geiste!" hatte Jesus dem Volke gepredigt. Und ER fügte hinzu: „Denn ihrer ist das Himmelreich!"
Wie lange Adolf noch lebte weiß ich nicht (bis zum 23. Januar 1996 - Anm. der Redaktion), aber ich weiß, daß einer, der so wie er seine Arbeit tat, gewiß einen schöneren Platz im Himmel hat, als einer der alle Sinne mitbekam, und damit nur Unsinn anrichtete.
Barbara Mitteis ©
Lesen Sie auch Rolf Schmitts Artikel:
http://www.bruchsal.org/story/ein-original-aus-bruchsal-s-ad%C3%B6lfle-oder-de-zeppelin
und die Kommentare zu Christian Kretz' Artikel:
http://www.bruchsal.org/story/platz-vor-sepa-name-gesucht
Nachtrag:
Hier noch ein Photo, welches uns heute (21. 1. 10) übersandt wurde. Es zeigt Adolf Böser im Portrait aufgenommen, anlässlich seines 70. Geburtstages.
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Kommentare
"Er war lang und furchtbar hager..." ???
Dann habe ich einen Anderen gekannt. Der ist mir nämlich so in Erinnerung, dass mir auch als Kind schon auffiel, dass der ja nicht wesentlich größer war als ich. Zum Körperbau kann ich nicht viel sagen, denn der war - insoweit stimmt die Beschreibung wieder - unter dem regelmäßig getragenen unförmigen Jackett nur zu erahnen.
Das liegt vermutlich daran,
dass zwischen Deinen Wahrnehmungen und denen von Frau Mitteis ca. 25 Jahre liegen dürften...
Insofern gehe ich davon aus, dass Du die richtige Person vor Augen hast.
Adolf
Kann schon sein, daß er aus der Perspektive eines kleinen Mädchens lang war, er war es aber nicht, sondern vornüber gebeugt eher klein. Ansonsten stimmt die Beschreibung sehr genau. Bestimmt hat der Adolf einen guten Platz im Himmel.
Adolf Böser
Wo wurde Adolf Böser beerdigt, bzw. wo befindet sich sein Grab?
Hier befindet sich das Grab von Adolf Böser:
Die Grabstätte des Verstorbenen Adolf Böser befindet sich auf dem Friedhof in Bruchsal im Feld 15 alte Bezeichnung; nach der neuen Nummerierung finden Sie es im Feld 17.
An den Ecken der Felder sind im Boden Pflastersteine eingelassen, auf der die neue Feldbezeichnung aufgeführt ist. Auf dem Plan, der beim Eingangsbereich hängt, ist noch die alte Feldbezeichnung aufgeführt.
Danke Herr Sakai (Friedhofsverwaltung Bruchsal) für die Information.