abgeordnetenwatch.de im Oberstufen-Schulbuch:
geschrieben am 03.08.2012 um 16:59 von Martin Reyher
Wer Kristina Schröder auf abgeordnetenwatch.de eine Frage stellt, bekommt darauf den immer gleichen Antworttext: “Ich werde Ihnen nicht über abgeordnetenwatch.de antworten” – denn:
abgeordnetenwatch.de liegt die (unausgesprochene) These zu Grunde, dass Bundestagsabgeordnete sonst nicht ansprechbar oder gar abgehoben und für Anliegen der Bürger nur unter öffentlichem Druck zugänglich seien. (…)
Zu meiner Vorstellung von demokratischer Öffentlichkeit gehört es deshalb, dass ich Bürgeranfragen auf direktem Weg beantworte: in meiner Bürgersprechstunde, in meinem monatlichen Politikbrief, auf meiner eigenen Homepage und in meinen Antworten auf schriftliche Bürgeranfragen.
Mit diesem standardisierten Schreiben hat es die Bundesfamilienministerin jetzt in ein Schulbuch geschafft. “Internet und Politik” heißt das kürzlich erschienene Lehrwerk des Wochenschau Verlags für die Sekundarstufe II, das sich im Kapitel “Watchdogs im Netz” ausführlich mit abgeordnetenwatch.de befasst. “Transparenz-Helden oder Netz-Aktionismus ohne Legitimation?” lautet die Ausgangsfragestellung der Einheit.
Darin werden drei Texte – ohne Kommentierung durch die Schulbuchmacher – nebeneinander gestellt:
- ein Auszug aus unserem Jahresbericht, in dem wir das Anliegen und die Wirkungsweise von abgeordnetenwatch.de beschreiben (S. 8 und 9),
- besagte Standardantwort von Kristina Schröder,
- dieser Artikel aus dem Tagesspiegel mit dem Titel “CDU-Wiesbaden droht abgeordnetenwatch.de mit Klage” (wahrscheinlich ist es purer Zufall, dass die Schulbuchmacher ausgerechnet diesen Text ausgewählt haben, aber er passt inhaltlich bestens zu Kristina Schröder: Die Wiesbadener CDU ist Schröders politische Heimat. – Lesen Sie auch unseren Blogartikel “CDU Wiesbaden droht abgeordnetenwatch.de mit Klage”)
Diese Textquellen dienen als Grundlage für eine Unterrichtsdiskussion. Die Schülerinnen und Schüler sollen u.a. erörtern, ob die Argumente der “abgeordnetenwatch.de-Gegner” überzeugend sind.
Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser?
Hier weitere Beispiele:
Anfragen, Kritik und Anregungen nehme ich sehr ernst. Ich bitte jedoch, die Frage direkt an mich zu senden, da in diesem Forum mitunter sehr pauschale Fragen gestellt werden. (Philipp Mißfelder, CDU)
Herr Gienger möchte mit den Bürgerinnen und Bürgern seines Wahlkreises direkt, transparent und ohne Umwege über Internetseitenbetreiber kommunizieren. In den vergangenen Jahren hat Herr Gienger, wie viele seiner Kollegen auch, die Erfahrung gemacht, dass die anonyme Form der Kommunikation über eine Internetplattform weder die Bürger noch ihn als Abgeordneten zufriedenstellt. (Eberhard Gienger, CDU)
Ich ziehe es grundsätzlich vor, persönlich zu antworten, weil viele Probleme im direkten Kontakt deutlich besser geklärt werden können — nicht jede Frage eignet sich für eine öffentliche Diskussion. (Iris Gleicke, SPD)
Ich möchte auch Ihnen gegenüber betonen, dass der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern aus meinem Wahlkreis mir sehr wichtig ist und ich auch nicht einem kritischen Dialog aus dem Weg gehen möchte. Zum direkten Kontakt gehört für mich aber auch, dass mir die wesentlichen Daten – also zumindest Name, Anschrift und E-Mail-Adresse – meines jeweiligen Gegenübers bekannt sind. (Johannes Röring, CDU)
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Lesen Sie auch:
- Warum Familienministerin Schröder abgeordnetenwatch.de nicht den Deutschen Engagementpreis überreichte (6.12.2011)
- Zumutung und Rechtsbruch: CDU Wiesbaden droht abgeordnetenwatch.de mit Klage (30.11.2011)
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Informationen zum Buch:
Titel: Internet und Politik
Reihe: Wochenschau, Sek. II
Autoren/Hrsg.: Henrik Flor
ISBN: 978-3-89974794-2
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 48
Ausstattung: geheftet
Bestellnummer: 2412
Preis: 16,80 EUR (Schülerhefte im Klassensatz ab 10 Expl.: € 9,60 / Bestellungen hierfür direkt an den Verlag)
Zu bestellen über die Homepage des Wochenschau Verlags.
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Kommentare
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Die Frage stellt sich nach dem letzen Satz des Artikels. Die Adresse hätte schließlich jeder Interessierte selbst herausfinden können.
Die Frage, ob ein Politiker auf Abgeordneten-watch antwortet, hängt von seiner Ehrlichkeit ab. Denn öffentlich geantwortet macht seinen Standpunkt vielen bekannt, persönlich geantwortet läßt jede Möglichkeit offen.