Ab kommendem Jahr weiches Wasser für Bruchsal, Unter- und Obergrombach

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Planungsarbeiten für zentrale Enthärtungsarbeiten haben begonnen
Freitag, 23. März 2012 - 15:16

Wasserwerk

Haupteingang Wasserwerk Bruchsal

Hartes Wasser gehört in Bruchsal und den Ortsteilen Unter- und Obergrombach ab Mitte 2013 der Vergan-genheit an. Die Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH (ewb) versorgt derzeit rund 40.000 Einwohner/ innen mit Trinkwasser. Oberstes Gebot der Wassergewinnung ist es, den Kunden Trinkwasser in bestmöglicher Qualität bereitzustellen und ein hohes Maß an Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Um diesen hohen Ansprüchen auch künftig zu genügen, wird die ewb Investitionen von rund 2 Millionen Euro in die Modernisierung der Wasseraufbereitung durch das Wasserwerk Bruchsal tätigen. Dort ist entsprechend ein Anbau geplant, der eine Teilentsalzungsanlage zur Verringerung der Gesamthärte des Bruchsaler Trink- wassers beherbergen wird. Baubeginn ist voraussichtlich Mitte August 2012. Zur Anwendung soll das Membranverfahren kommen (Nanofiltration), in dem das Wasser durch eine besonders feinporige Membrane gepresst wird. Dies ist ein Teilentsalzungsverfahren, bei dem nicht nur die Gesamthärte von 23 Grad deutscher Härte (°dH) auf 10°dH herabgesetzt, sondern auch Nitrat, Chlorid und Sulfat reduziert werden. Dadurch wird der Korrosionsindex verbessert, welcher Rohrleitungen, Armaturen und Apparate wie Waschmaschinen oder Trinkwasser- erwärmer schützt sowie der Rostwasserbildung entgegenwirkt.

Pumpenhalle

Pumpenhalle im Wasserwerk

Nach den durchweg positiven Erfahrungen mit der Trinkwasserenthärtung im Wasserwerk Heidelsheim, von dem aus die Stadtteile Heidelsheim und Helmsheim versorgt werden, ließ die Verantwortlichen der ewb- Wassergewinnung die Mög- lichkeit einer Teilentsalzung des Trinkwassers im Hinblick auf Bruchsal sowie die Stadtteile Ober- und Untergrombach nicht mehr los. In Heidelsheim und Helmsheim wird das Trinkwasser durch das Carix-Verfahren von 28°dH auf 11°dH reduziert. Erfahrungen der bereits vorhandenen Teilentsalzungsanlage zeigten, dass die Spülintervalle im Versorgungsnetz nur noch sporadisch zum Ausspülen von Stagnationswasser an den Endsträngen erfolgen (kein Rostwasser). Einbauten (Schieber und Hydranten) sowie Förderpumpen und Rohrleitungen werden durch die verringerte Korrosionsrate geschont. Seit Inbetriebnahme der Anlage (12.12.2005), kam es kundenseitig zu keiner Rostwassermeldung mehr. Erfahrungen aus der bestehenden Anlage sind bei der Wahl des Aufberei-tungsverfahrens in Bruchsal mit eingeflossen.

Auch gab es schon mehrmals Anfragen seitens der Ortschaftsräte von Ober- und Untergrombach, ob und wie die Härte und der Nitratgehalt des dortigen Trink- wassers verringert werden könnten: Ober- und Untergrombach erhalten bisher ihr Trinkwasser aus der Unteren-Weg-Quelle. Die Härte beträgt 24°dH und der Nitratwert liegt bei 40 mg/l (Grenzwert ist 50 mg/l). Durch den hohen Anteil an Hydrogencarbonat, welches beim Erwärmen als Kesselstein ausfällt, muss der Kunde bislang erhebliche Nachteile in Kauf nehmen.  

Mittlerweile hat die Umsetzung einer zentralen Trinkwasserenthärtung konkrete Formen angenommen: Zunächst hatte die ewb Vorstudien in Auftrag gegeben. Diese sollten zeigen, welches der verschiedenen Entsalzungsverfahren, die derzeit auf dem Markt sind, das für Bruchsal am besten geeignete ist. Unter gesundheit- lichen Aspekten gibt es keine optimale Trinkwasserhärte. Der überwiegende Teil des Trinkwassers (ca. 96 %) wird nicht als Lebensmittel, sondern als Brauchwasser verwendet. Erhöhte Gehalte an Härtebildnern verursachen eine Reihe von Problemen und Nachteilen. Es treten Ausfällungen von Calciumcarbonat im Warmwasserspeicher auf, der zu einem erhöhten Energieverbrauch führt. Eine hohe Wasserhärte bedingt einen erhöhten Verbrauch an Wasch- und Reinigungs- mitteln sowie von Regeneriersalzen für den Betreib von Ionenaustauschern – beispielsweise in Spülmaschinen oder dezentralen Enthärtungsanlagen. Dies führt mit steigender Wasserhärte einerseits zu erhöhten Kosten für den Verbraucher, andererseits resultiert daraus eine zunehmende Belastung des Abwassers mit den genannten Verbrauchsstoffen. Einrichtungen zur zentralen Enthärtung erfordern einen gewissen technischen Aufwand. Hier war vor allem der Aspekt der korrosionstechnischen Eigenschaften ausschlaggebend. Nach einer „Machbarkeits- studie zur zentralen Enthärtung des Trinkwassers der Stadt Bruchsal“ durch das Karlsruher Technologiezentrum Wasser (TZW), einer Einrichtung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW), welche die ewb am 22. Februar 2010 in Auftrag gegeben hatte, erwies sich das Verfahren nach dem Prinzip der Nanofiltration als die derzeit beste Variante zur Trinkwasserenthärtung.  

Entgasungsbecken

Entgasungsbecken

Die Inbetriebnahme der Trinkwasserenthärtung im Bruchsaler Wasserwerk, das die Kernstadt mit Trink-wasser versorgt, ist für 2013 geplant. Schrittweise, mit wenigen Wochen Differenz, wird die ewb danach auch die Stadtteile Untergrom- bach und Obergrombach in die Trinkwasserversorgung integrieren und mit weichem Wasser versorgen. Durch die Inbetriebnahme der zentralen Enthärtungsanlage im Wasserwerk Bruchsal erübrigt sich in der Regel der Einsatz dezentraler Enthär- tungsanlagen in privaten Haushalten. Die ewb legt in diesem Zusammenhang die Außerbetriebnahme privater chemischer Teilentsalzungsanlagen nahe, da diese das bereits weiche Wasser qualitativ nicht mehr verbessern.

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Kommentare

Verstehe ich es richtig,

dass in Heidelsheim und Helmsheim nach dem Carix-Verfahren (Austauscherharz-Regeneration mittel Kohlensäure) gearbeitet wird und aufgrund der dortigen Erfahrungen in Bruchsal die Nanofiltration eingesetzt werden soll?

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