60 Jahre VW-Bus

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Eine Hommage von Peter Jackson auf BBC News
Sonntag, 6. Juni 2010 - 21:40
60 Jahre VW-Campingbus

Samba-Bus mit geteilter Winschutzscheibe

Der VW-Bus feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag - und für seine Generationen von Fans ist die Liebesgeschichte noch lange nicht vorüber.

Sie triefen von Öl, ziehen beim Bremsen von einer Straßenseite zur anderen und begrüßen Steigungen mit einem nervösen Seufzer, aber wenn man richtig verliebt ist, macht das alles nichts aus.

Die Besitzer alter VW-Busse sind eine eingeschworene Gemeinde, die keinen Aufwand scheut, wenn es um Pflege, Aufmerksamkeit und Geld für ihren fahrbaren Untersatz geht.

Dabei sind sie die Ersten, die zugeben, dass ihre Kombis schlecht bremsen, eine Tonne wiegen, untermotorisiert sind und gerne Probleme mit der Elektrik haben. Trotz dieser Schwächen üben die Fahrzeuge eine magische Anziehungskraft aus.

Samba-Bus

Samba-Bus auf Viadukt

VW-Busse sind seit sechs Jahrzehnten das Fahrzeug der Wahl für Globetrotter, Festivalbesucher, Surfer und Rockstars.

Wo liegt also die Anziehungskraft und woran liegt es, dass der bescheidene Bus - ähnlich wie der Routemaster Bus oder der Mini - derart verehrt wird?

Langzeit-Busbesitzer Adrian Ward, 45, hat über 25 Jahre Erfahrung mit der Restauration der Busse und betreibt in Bournemouth eine Werkstatt speziell für VW-Busse.

„Sie zwingen einen dazu, es langsam anzugehen, langsam zu fahren. Wenn man es eilig hat, kann man es gleich vergessen", erklärt er.

„Es gibt eine Körperhaltung beim Fahren, die man entwickelt - dieser Buckel mit den Ellbogen auf dem Lenkrad und dem Oberkörper darüber gelehnt. Auf einmal kann man die Dinge langsam angehen und zusehen, wie alle an einem vorbeirasen.

Es gibt eine bekannte Redensart, 'der Weg ist das Ziel´ - sehr passend, wenn man im VW-Bus unterwegs ist."

Mobiles Büro

Mr. Ward besitzt eines der seltensten Modelle - einen Samba-Bus mit 23 Fenstern aus dem Jahr 1962, ursprünglich gebaut für Touren in den Alpen und inzwischen 40.000 Euro wert.

VW Bus in der Wüste

Into the wild

Über die Jahre hat er mehr als 40 Kombis gekauft, die, wie er sagt, Spaß machen und dennoch flexibel genug sind „auch fürs Geschäft oder für die Urlaubsfahrt mit der Familie."

Aber es sind nicht nur die Menschen „in der Szene", die dem doppelten Charme von Form und Funktion erlegen sind.

Als das Globe Theatre 2007 zum ersten Mal in 400 Jahren seit seinem Bestehen eine Schauspielergruppe auf Tour schickte, fuhren diese in einem VW-Bus.

Wie die Kutschen der elisabethanischen Zeit, die er ersetzte, wurde der Bus, bepackt mit Kostümen und Requisiten, in die Produktion miteinbezogen - in diesem Fall Romeo und Julia.

Im ländlichen Herefordshire nutzt ein Vikar von fünf Wye-Dore-Pfarreien immer noch seinen VW-Bus Baujahr 1973 um zu seinen Schäfchen zu kommen und seine Botschaft zu verbreiten.

Reverend Simon Lockett, den die Einheimischen auch den „Rolling Rev" nennen, sagt, er verbringt im Sommer eine komplette Woche, in der er in drei Dörfern seiner Pfarrei campt um den Menschen näherzukommen.

VW Bus schwarzweiß

"Splittie"

Der 43-Jährige: „Ich vermute, die Anziehungskraft liegt am Kultstatus. Die jungen Leute lieben das Gefährt, aber es fungiert auch als mobiles Büro und ich kann darin sitzen und den Laptop benutzen."

VW-Busse, insbesondere die selteneren Modelle mit der geteilten Windschutzscheibe, werden immer mehr zu Sammlerobjekten. Gute Exemplare erzielen ca. 16.000 Euro und besonders gut erhaltene über 30.000 Euro.

Der seltenste von allen, ein früher „Scheunentor-Samba", von denen es weltweit gerade mal ein Handvoll gibt, würde mindestens mit 80.000 Euro zu Buche schlagen.

Ein deutscher Hersteller liefert für 150.000 Euro gar ein Modell mit einem Sechszylinder Porsche 911-Triebwerk, aber es gibt eine Warteliste von fünf Jahren.

Der VW-Bus wurde geboren als Lieferwagen, der Armaturenbretter innerhalb des Volkswagenwerks in Wolfsburg transportierte, bis ihn in den späten 40ern der holländische Importeur Ben Pon entdeckte.

Er fertigte Skizzen auf der Grundlage dieses Fahrzeugs an, traf ein Abkommen mit Ingenieuren, diese weiter zu entwickeln und brachte so das erste Modell heraus komplett mit zylindrischen Scheinwerfern, geteilter Frontscheibe und dem berühmten runden Logo.

Als Synonym der Gegenkultur in den 60er Jahren haben die Fahrzeuge nie ihre Beliebtheit verloren.

Promikoch Jamie Oliver reiste für seine „Great Escape"-Fernsehshow in einem VW-Bus quer durch Italien und die Bullis tauchen nach wie vor in zahllosen TV-Spots auf - Dorset-Müsli und The Halifax, um zwei Beispiele aus der letzten Zeit zu nennen.

Der 60.000-Meilen-Treck

Mike Johnson, 36, aus Southampton gibt den Newsletter für den Split Screen Van Club (SSVC) heraus und fährt seinen 1959er Bus seit sechs Jahren.

„Obwohl sie Kultfahrzeuge sind und cool, ist es doch die Funktion, nicht die Form, die sie von anderen Klassikern unterscheidet", sagt er.

„Wir benutzen ihn als Familien-Campingfahrzeug, als Fortbewegungsmittel, als Transporter und für VW-Shows... und ich möchte ihn keine Minute missen."

SSVC-Präsident Neil Smart, 48, sagt, die Medien seien für das Interesse an dem Fahrzeug mit verantwortlich, parallel zu dem wiedererwachten Interesse an Musik und Surfkleidung aus den 60er und 70er Jahren.

Nach eigenen Worten schätzt er am meisten die Freundschaft und Kameradschaft, die er zu anderen Enthusiasten aufgebaut hat.

Bekanntermaßen begrüßen sich VW-Fahrer auf der Straße mit einem speziellen Winkzeichen - eine offene Hand mit den drei Mittelfingern auf die Handfläche gefaltet.

VW Busse: Generationen

Generationen-Konflikt

Es gibt in England jedes Jahr über 65 Volkswagen-Shows und Rallies, plus einige in Wales, Schottland und Irland.

Geschichten von Marathonreisen sind nichts Ungewöhnliches. 2000 gab ein Paar in den USA ihre Jobs in einer Firma auf und spulte in drei Jahren mit ihrem Bus Baujahr 1978 60.000 Meilen ab auf einer Tour durch Mexiko, Mittelamerika und Afrika.

Vor zwei Jahren machte Mr. Smart seine Lieblingsfahrt in Europa zusammen mit fünf weiteren „Split-Screen" Busbesitzern.

„Wir fuhren mit sechs „Splitties" nach Österreich hinunter, fuhren 2.500 Meilen in 13 Tagen und er (sein Bus) hatte nicht eine Panne", sagte er.

„Alle winkten und fotografierten. Wir wurden behandelt wie die Könige, weil wir so einen Aufwand auf uns nahmen, diese Fahrt zu machen."

Artikel bei BBC News

Bilder: © Bruno Wallisch

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Kommentare

VW-Bus

Gibt es auch Bruchsaler, die noch einen alten VW-Bus fahren? Welche Erinnerungen verbinden die Bruchsaler damit?

Mein VW Bus Panorama

Als mir Christian erzählte, dass er gerne obigen Bericht schreiben wollte, ihm aber entsprechende Bilder fehlten, habe ich in meinem großen Fotoarchiv gestöbert, die entsprechenden Bilder gefunden, eingescannt und bruchsal.org zur Verfügung gestellt.
Ausgelöst hat das in mir unheimlich viele schöne Erinnerungen an diesen VW Bus. Die Reisen, die Wartung des Busses usw. und sofort.
Es war z.B. möglich allein einen Motorwechsel zu machen:
Stoßstange abschrauben, Abschlussblech abschrauben, Benzinleitung abklemmen, Kupplungsseil aushängen, die vier Muttern der Bolzen, die den Motor tragen, abschrauben. Dann drei alte Reifen unter den Motor schieben und den Motor am Auspuff packend rausruckeln und auf den Reifenstapel ablassen. VW Bus vorrollen. Alten Motor auf die Seite tun und neuen Motor (meist ein Käfermotor vom Schrottplatz für gerade einmal 50 - 100 DM) auf den Reifenstapel stellen. (Hier musste dann doch noch jemand mit Hand anlegen, denn allein konnte man den Motor dann nun doch nicht ganz stemmen.)
Motor in umgekehrter Reihenfolge wieder einbauen und hoffen, dass der neue gebrauchte Motor noch eine Weile ohne Probleme läuft.
Ganz wichtig war bei diesem VW Bus einen zusätzlichen Ölthermometer einzubauen, um sofort zu wissen, wann der Motor seine Pause brauchte, um ihn nicht zu überhitzen. Ab 110° - max. 120° Öltemperatur war dies dringend ratsam, denn so ein luftgekühltes Aggregat hatte z.B. im heißen Spanien oft zu wenig Kühlung.
Aber kein Problem - wie im Artikel schon erwähnt - musste man sich eben Zeit nehmen und tuckerte mit dem 36 PS - Gefährt meist bei 80 km/h über die Landstraßen. Die Sitzhaltung, wie oben beschrieben, war äußerst bequem und man hatte einen wunderbaren Überblick über das vor dir Geschehende.
Auf der Autobahn traute man sich ab und zu mal einen Brummi zu überholen, was aber nicht immer von Erfolg gekrönt war, denn man kam nur bis auf die Höhe der Führerkabine des Brummi und dann ging nix mehr, wahrscheinlich war dann der Windschatten weg. Also wieder zurückfallen lassen und artig hinten wieder einscheren.
Im Sommer war natürlich das Stoffdach ganz nach hinten geschoben und die Passagiere - unsere Clique hieß "Panik Tours Ltd", weil Fans von Udo Lindenberg - konnten stehend bequem rausschauen und die Welt betrachten. Das war dann oft mit Winken, Jaulen und Grüßen verbunden, denn so ein Bus fiel auf in dieser Welt, zumal - trotz der 6-Volt Batterie - im Cassettenrecorder oder Bordradio gerade ein fetziger Stones- oder Lindenberg-Titel (Andrea Doria!) lief, laut versteht sich:-))

Was aus dem Bus geworden ist? Ich hatte mit der Totalrestaurierung angefangen, die vorderen Kniestücke (Radhäuser) und der ganze Vorderbau waren schon erneuert - Ersatzteile fand man noch nach langem Suchen bei den VW Händlern, aber dann winkte die Schauspielschule und mir ging das Geld aus, zumal die Werkstatt, wo der Bus stand, eine ordentliche tägliche Standgebühr verlangte....
Der VW Bus wurde dann im teilrestaurierten Zustand für 1.000,-- DM ins Saarland verkauft. Vielleicht fährt er ja noch dort irgendwo.
Heutzutage würde man so einen VW - Bus natürlich nicht mehr verkaufen. Übrig beblieben sind viele schöne Erinnerungen, ein Modell VW-Sambabus im Maßstab 1/43 und viele schöne Fotos, sniff.

Hab was vergessen - für Nostalgiker -

Hab was im obigen Kommentar vergessen und Niemandem ist es aufgefallen:-))
Beim Motorwechsel musste natürlich auch der Gaszug ausgehängt werden.
Ja, das war alles noch Mechanik pur... wie bei alten Brezel-Käfern, da gab es auch noch Seilzugbremsen.
Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen - Panne, weil das Kupplungsseil riss oder eben der Gaszug.
Bei einem anderen Fahrzeug, das ich mal besaß, einem Simca 1000 "Rallye 1", riss mir auf der Reise nach La Rochelle (franz. Atlantikküste) der Gaszug. Der Wagen hatte aber auch noch einen Handgaszug (!) auf der Mittelkonsole und so schaffte ich es noch in eine Werkstatt.
Die Werkstatt hatte aber natürlich nicht das entsprechende Ersatzteil auf Lager und nahm den Gaszug eines VW Busses, kürzte ihn auf die richtige Länge und baute ihn ein. Der Simca hatte einen Heckmotor daher war ein langer Gaszug erforderlich. Nach zwei Stunden Zwangsaufenthalt ging die Reise weiter.
Auch dieses Auto wurde trotz Rost an allen Ecken noch an einen Liebhaber verkauft.
Man sieht diese Simcas in der Rallye 2 - Ausführung noch bei Autoslaloms und sie sind oft der Schrecken der NSU TTS - Konkurrenz.

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