125 Jahre Stadtbibliothek Bruchsal. Eine verspätete Hommage.

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Aus den Erinnerungen eines damaligen Users
Donnerstag, 5. November 2009 - 16:56
Bibliothek von außen

Roter Punkt: Bibliothek (1931?)

 

Ein wenig spät bin ich schon dran. Die Feierlichkeiten zu „125 Jahre Stadtbibliothek Bruchsal“ sind mittlerweile durch. Vielleicht wird mein Versäumnis aber dadurch etwas abgemildert, als ich eh nichts zu „125 Jahre Stadtbibliothek Bruchsal“ zu sagen habe. Ich beschränke mich auf ein paar Jahre. Aber in diesen Jahren hat mich die Stadtbibliothek sehr intensiv begleitet.

Die Bruchsaler Stadtbibliothek befand sich, als ich als Kind dort war, um Bücher auszuleihen, am Holzmarkt. Noch gut kann ich mich an das Gebäude erinnern. Jede Woche war ich dort. Es war ein Eckhaus. Ecke Holzmarkt – Seilersbahn.

Bibliothek - Plan

Zunächst ging es in einen schlecht beleuchteten Hauseingang, dann gleich rechts. Jetzt stand ich in den Räumen der damals noch „Volksbücherei“ genannten Einrichtung. Im Winter bollerte dort ein verrußter Kohleofen; die Brennmaterialien, Holz und Kohle, waren neben dem Ofen im Raum gestapelt. Eine ältere Dame (alle Personen, die älter als etwa 40 Jahre waren, erschienen mir damals als Kind alt) schaute mich bei meinen ersten Besuchen prüfend an, begrüsste mich aber nach einiger Zeit sogar mit meinem Vornamen. Ich nahm die eine Woche zuvor ausgeliehenen Bücher aus der abgeschabten Einkaufstasche (damals gab es noch keine Plastiktüten) und legte diese auf den abgewetzten Schreibtisch. Die Bibliothekarin nahm aus ihrem Karteikasten die zum Buch gehörende Karteikarte und trug per Hand oder Datumsstempel ein, dass das Buch jetzt wieder zurück gegeben war.

War ich mal zu spät dran - die Verleihfrist war abgelaufen - schaute mich die Bibliothekarin streng über ihre Brille hinweg an: „Du bist einen Tag zu spät mit dem Abgeben. Doch heute will ich mal nicht so sein. Heute musst du ausnahmsweise nichts zahlen fürs verspätete Abgeben. Aber das nächste Mal kenn’ ich kein Pardon“. Da lief es mir immer wieder siedendheiß über den Rücken. Ufff. Nochmals Glück gehabt. Wenn ich mich recht erinnere, musste ich für jedes ausgeliehene Buch 10 Pfennige bezahlen. Der gleiche Betrag war pro Tag und pro Buch für jeden Tag verspäteter Abgabe fällig.

Schreibtisch 60er 70er Jahre

Schreibtisch 60er Jahre

Jetzt konnte ich zu den von mir so heiß geliebten Büchern in den Hauptraum. Dort roch es immer leicht feucht; das Haus war recht einfach gebaut und die Saalbach war gerade gegenüber.

Der ausgetretene Dielenboden knarzte beim Gehen vom einen zum anderen Regal immer abscheulich. Die Bibliothekarin konnte sicher allein durch die Knarrgeräusche orten, wo sich der Besucher gerade befand. Da es in der Bibliothek immer sehr ruhig war, oftmals war ich der einzige Besucher, versuchte ich das durchdringende Knarzen zu vermeiden – chancenlos.

Erinnern kann ich mich noch an die Babar-Bücher. Ein kleiner Elefant, der ständig ganz spannende Abenteuer überall auf der Welt erlebte.

Nachdem ich meine Bücher rausgesucht hatte, ging ich wieder vor zur Bibliothekarin, legte meine Bücherauswahl auf deren Schreibtisch und das Prozedere war jedesmal das gleiche: Die Bibliothekarin suchte in den Karteikästen die zu den Büchern gehörenden Karteikarten, trug das Ausleihdatum sowie die Mitgliedsnummer ein und stempelte den spätest möglichen Rückgabetag auf die Zettel, die auf der letzten Seite des jeweiligen Buches eingeklebt waren. Nicht ohne die Ermahnung, die Bücher ja pünktlich wieder zurück zu geben, reichte sie mir die Bücher über den Schreibtisch.

Bibliothek

Rein damit in die Einkaufstasche und ab nach Hause. Und dort ins Kinderzimmer und gelesen, gelesen, gelesen …

Es gab übrigens in den 50er/60er Jahren in Bruchsal auch eine private Bücherei. Nach meiner Erinnerung wurde diese von einem Herrn oder Frau Ramsauer in der Anton-Wetterer-Straße betrieben. Heute befindet sich in diesen Räumen eine Schuhmacherwerkstatt.

Bei der Ramsauerschen Bücherei lieh ich mir, als ich über das Bilderbuchlesealter war, nahezu alle Bände der „Ubique terrarum“-Abenteuerserie, geschrieben von Herbert Kranz, aus. Erinnert sich noch jemand an „In den Klauen des Ungenannten“? Fabelhaft. Zumindest damals.

 

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