1 Jahr BRUCHSAL.ORG

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Der Anfang ist gemacht
Samstag, 25. September 2010 - 13:01

Irritiert blinzeln die Parteien in die digitalen Gewitter, selbst noch kaum im Internetzeitalter angekommen und gelähmt vom Anblick einer ungewohnt wachen Öffentlichkeit, die ihre Rolle als Souverän wörtlich nimmt und von ihren gewählten Vertretern das fordert, was deren Aufgabe ist. Diese Bewegung entzieht sich erstmals auch allen Einflüssen durch die sogenannten etablierten Medien, die zur selben Zeit um eine Neudefinition ihrer Aufgaben ringen, um die gegenwärtigen medialen Umwälzungen auch wirtschaftlich zu überleben. Das Ende des Abendlandes ausgelöst durch die Blogosphäre wird gar von manchem analogen Dinosaurier heraufbeschworen.

Das schiere Gegenteil ist jedoch der Fall und wer Visionen hat, der spürt die Aufbruchstimmung: Das Internet bietet mit seinem Rückkanal den Bürgern ein Sprachrohr und der Politik das Feedback, das ihr seit langem fehlte. Das junge Medium kann damit eine Chance für die Demokratie sein, wenn auch wohl profunde Veränderungen in der politischen Landschaft bevorstehen.

Politikverdrossenheit, das war gestern. Das Internet ist voll von den häufig vereinfachend unter dem Sammelbegriff weblogs zusammengefassten Publikationen, in denen der gemeine Mensch von der Straße im besten Wortsinn mündig wird und zum ersten Mal direkt teilnimmt an demokratischen Prozessen jenseits von Wahlen. Vorbei die Zeiten, in denen Politiker sich über die Politikmüdigkeit in der Bevölkerung mokierten, vorbei aber auch die Tage, in denen der Bürger nach durchlebter Wahlkampf-Gehirnwäsche brav eingenordet zur Wahlurne marschierte und mehr oder weniger vertrauensvoll sein Kreuz auf den Wahlzettel malte.

Von manchem offenbar unbemerkt hat sich die mediale Realität gewandelt: Buzzwords wie Wikipedia, Open Streetmap, Open Source sind die Zauberworte der Zeit geworden, das Glaubensbekenntnis der Digital Natives, einer Generation, die ein Leben ohne Computer nicht kennt. Hier ist Geben so selig wie Nehmen und der Link ist die Währung dieses neuen Zeitalters. Das Internet ist die Autobahn, PCs und Smartphones sind die Familienkutschen und die Sportwagen. Freie Fahrt für freie Bürger! Jenseits aller digitalen Romantik sind solche Entwicklungen nicht zuletzt Grund für die fundamentalen Umwälzungen in den Urheber- und Nutzungsrechten, wie wir sie gegenwärtig erleben. Auch BRUCHSAL.ORG hat seinen Ursprung in diesem Lebensgefühl, wie es erst durch das Internet überhaupt möglich geworden ist.

BRUCHSAL.ORG leistet seinen Beitrag zur neuen medialen Wirklichkeit in unserem direkten Umfeld, in Bruchsal und der näheren Umgebung. Dass die Zeit hierfür reif ist und die Menschen sich angesprochen fühlen, zeigen nicht nur die Zugriffszahlen seit dem ersten Tag der Netzzeitung, sondern auch die wachsende Zahl von Menschen, die bei BRUCHSAL.ORG mitschreiben und mitkommentieren. Daran konnte und kann auch der direkte Boykott durch sämtliche Bruchsaler Medien, angefangen bei der Bruchsaler Rundschau über die diversen Wochenblätter bis hin zu Willi, nichts ändern. Mittlerweile wird jedoch augenzwinkernd kolportiert, dass Herr Daniel Streib von der Bruchsaler Rundschau sich www.bruchsal.org als Startseite in seinem Browser eingerichtet habe. Vielmehr zeigt dieser Boykott nur einmal mehr, worum es in diesen und vielen anderen Publikationen eigentlich geht: Es geht um schiere Auflage bzw. Zugriffe als Verkaufsargument für Werbung. Ein legitimes Interesse zunächst, denn Mitarbeiter wollen bezahlt und Geld muss verdient werden. In diesem Umfeld verkommt jedoch allzu leicht die Nachricht zur verderblichen Ware, ist kein Platz für fremde Meinungen und wird jede Alternative automatisch zur Konkurrenz, die es zu bekämpfen gilt.

Unser Dank als Betreiber der Plattform BRUCHSAL.ORG gilt zunächst all den engagierten Bruchsalern, die durch die kritische Reflexion lokaler Geschehnisse und durch Berichte über unsere Stadt die Mitbürger an Bruchsals Geschichte, Kultur, Vereinsleben und Wirtschaft teilhaben lassen und so einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft leisten.

Der Dank gilt aber auch all denen, die sich noch nicht haben aufraffen können, selbst Beiträge bereit zu stellen, sich aber rege an den Diskussionen beteiligen.

Last but not least ein Dankeschön den Lesern von BRUCHSAL.ORG, die durch ihr Interesse die Existenz dieser Plattform überhaupt erst rechtfertigen.

Die Herausgeber

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Kommentare

Herzlichen Glückwunsch

BRUCHSAL.ORG verfolgt ein richtiges und gutes Konzept.
Ein Vergleich mit den Printmedien BNN, die primär Parteipolitik verkaufen, und den Anzeigenblättchen WOCHENBLATT und WILLI, welche kommerzorientiert und nicht inhaltsorientiert arbeiten, verbietet sich.
BRUCHSAL.ORG spielt aktuell in einer anderen Liga.
Das ist auch gut so, insbesondere für die politische Kultur in Bruchsal.

Glückwunsch!

auch aus Bretten herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Wir können als Blogbetreiber nachvollziehen, wieviel Energie, Zeit und Herzblut in euren Seiten steckt. Dass sie gut gelungen sind, zeigt die Akzeptanz seitens eurer Leser und ganz besonders, die krampfhaft versuchte Ignoranz der ehemals lokalen journalistischen Monopolversorger. Dass die Lokalpolitik stellenweise allergisch auf unabhängige Berichterstattung reagiert, zeichnet Blogs wie bruchsal.org doch eher aus und das ist doch auch das, was immer mehr BürgerInnen lesen möchten: kurz, aber gut recherchiert und frei von Anbiederungen gegenüber den Lokalmatadoren.
Ihr habt zudem noch großes Glück mit den zahlreichen freiwilligen Autoren und Kommentatoren, da unterscheidet sich Bruchsal doch deutlich von Bretten! (konnte ich mir jetzt nicht verkneifen :-) )
Also nochmals: Hut ab, Glückwunsch und weiterhin viel Spaß und Erfolg für Euch!

Mein Glückwunsch!

Man möchte Victor Hugo zitieren, der meinte:

"Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Aber das scheint mir doch etwas abgegriffen, weshalb ich mit Luis Buñuel anfügen möchte:

"Mancher lehnt eine gute Idee bloß deshalb ab, weil sie nicht von ihm ist."

Mein Glückwunsch und Dank an die Initiatoren von bruchsal.org, aber auch an alle Mitgestalter und Leser, ohne deren Engagement und Interesse diese wichtige Plattform nicht existieren könnte.

Glückwünsche aus den USA

Heute erhielt ich von einem meiner Nachbarn die folgende E-Mail direkt aus den Vereinigten Staaten:

Lieber Rolf,

Gruß aus dem USA.  Heute las ich über den ein Jahr Jubiläum von Bruchsal.org.  Deiner Mannschaft schaffte viel in dieser kürze Zeit.  Ich finde es wunderbar, dass als wir in Leipzig oder den USA sind, können wir alle die Nachricht über Bruchsal und Umgebung lesen.  Macht weiter und alles bestens.

Dein Nachbar

So eine Rückmeldung freut ungemein. Da spürt man, dass das, was man tut, nicht vergeblich ist sondern ganz, ganz viel Sinn macht.

Bei aller angesichts des

Bei aller angesichts des Erfolgs von bruchsal.org verständlichen Internet-Lyrik, die mit den Herausgeber-Autoren durchgegangen zu sein scheint, gilt es, ganz nüchtern ein paar Dinge festzuhalten:

1. Das Internet bietet erstmals eine Diskussionsplattform, in der sich jeder jederzeit relativ leicht einbringen kann, auch derjenige, dem keine Organisation eine gewisse Wichtigkeit und damit einhergehende öffentliche Aufmerksamkeit verleiht. Auch in Bruchsal. Das wird Politik und Gesellschaft nachhaltig verändern, sofern dies nicht bereits geschehen ist. In Bruchsal jedenfalls sind Veränderungen in der politischen Diskussion bereits deutlich spürbar. Und das ist gut so.

2. Vor allem im kommunalpolitischen Bereich verlieren Parteien, Kommunikations-Profis und andere Funktions-Strukturen dadurch das Monopol der Deutungshoheit politischer Vorgänge und politischer Entscheidungen. Und das ist auch gut so, soll aber keinesfalls die bisherige Organisation politischer Entscheidungsprozesse in Frage stellen. Mehr Transpararenz, mehr Meinungsvielfalt kann vor und nach politischen Entscheidungen nur hilfreich sein.

3. Die meisten Parteien haben - wohl aus Angst vor dem Verlust ihres gemeinsamen Deutungsmonopols - diese Entwicklung bisher noch nicht erkannt und halten sich dem neuen Medium fern. Partei-eigene Webseiten, lieblos gestaltet, selten aktuell gepflegt und kaum besucht, erfüllen nur eine Alibi-Funktion. Bestes Beispiel: die Webseiten der Bruchsaler Parteien. Die Parteien berauben sich so ihrer Chancen, im virtuellen Stammtisch Internet (konkret: Bruchsal.org) mit ihrer Meinung vertreten zu sein. Und das ist nicht gut so, schon gar nicht im richtig verstandenen Eigeninteresse von Parteien und Organisationen. Für sie wird eines Tages der Spruch Gorbatschows gelten: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Liebe Parteien in Bruchsal: Macht doch einfach mit, bevor es vielleicht zu spät ist.

4. Die Konkurrenz zu hergekommenen Medien im Printbereich allerdings muss nicht unbedingt immer wieder ritualisiert werden. Wem nützt das? Tageszeitungen haben andere Strukturen und bei weitem nicht die Möglichkeiten, Diskussionen in der Breite abzubilden, wie es eine Internet-Plattform kann. Periodika auch nicht. Außerdem stehen diese Medien unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen, die nicht außer Kraft zu setzen sind. Die Internet-Plattform kennt solche Zwänge nicht und ist deshalb eine ideale Ergänzung und ein notwendiges Korrektiv, wenn sie über die Strecke einiger Jahre durchhält. Warum das also nicht mit einer gewissen Sportlichkeit etwas lässiger nehmen? Von beiden Seiten, übrigens. Wettbewerb ist doch eine der Triebfedern unseres Systems.

In diesem Sinne den Herausgebern von bruchsal.org herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen. Und in diesem Sinne mische ich mich gerne hin und wieder über bruchsal.org ein.

Herzlichen Glückwunsch!

Und viel Erfolg in den kommenden Jahren! Medien wie Bruchsal.org braucht es gerade, um die Bürger auch mehr über lokale Ereignisse zu informieren und die Politik transparenter zu gestalten. Weiter so! Sven Krohlas,

Happy 1 auf die nächsten 99

Tolle Plattform hier!! kompliment!!

Auf die nächsten 99 Jahre. Weiter so!!!

Gruß Michael (Bayaman)

 

 

 

Bruchsaler Rundschau - der Ball rollt.....

Darauf habe ich lange gewartet. Sehr lange. Sehr, sehr lange:
In der heutigen Ausgabe der Bruchsaler Rundschau (29. Sept. 2010, Ausgabe Nr.225) stellt BR-Redakteur Daniel Streib auf Seite 13 die Frage:"Was wurde hier wirklich entsorgt?". Es handelt sich um den 225000 €-Vergleich der Stadt Bruchsal mit Sepa wegen der Entsorgung von "belastetem Boden", der für die Öffentlichkeit sehr überraschend im Baugrund des sich in der Realisation befindenden Bauprojekts auftauchte.
In bislang von mir nicht wahrgenommener Art und Weise wird in dem Artikel der Bruchsaler Rundschau der ominöse Sachverhalt geschildert. (Beim Lesen musste man sich wahrhaft die Nase zuhalten, das "G'schmäckle" ist nur für hartgesottene zu ertragen). Es ist das erste Mal, dass ich in der Bruchsaler Rundschau eine Abkehr von der jahrzehntelangen Hofberichterstattung erkenne.
Sollte dies die "Bruchsaler Org.el" mit ihrem verhaltenen, weltweiten Getöse mit bewirkt haben, dann darf man sie besonders zum ersten Geburtstag beglückwünschen!

Kontra OB Petzold Schick?

Ach, ich weiß nicht - ist das nicht im Grunde ein Schuss gegen die neue Oberbürgermeisterin? Ob er das unter Ex-OB Bernd Doll auch so geschrieben hätte - dem eigentlichen Verursacher?

Wie in Kalabrien?

Die ganze Schweinerei kann man gewiss nicht der neuen Oberbürgermeisterin zurechnen. Die Wurzeln des Übels liegen in der Ära Doll. Beim nochmaligen Lesen des Streib-Artikels habe ich das Gefühl, dass Bruchsal unterhalb des 40. Breitengrades liegt.

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