„Uns fragt keiner"
Bruchsal (pa). Seit über zehn Jahren gibt es ihn: Den Jugendgemeinderat Bruchsal. Hauptaufgabe der 20 Mitglieder ist es, die Interessen der Jugendlichen gegenüber den Erwachsenen zu vertreten und als Sprachrohr für deren Wünsche und Probleme zu fungieren.
Wie wichtig diese „Scharnierfunktion" ist, wurde bei der Präsentation des Filmes „Uns fragt keiner" deutlich, einem Film über das Leben im Gebiet der „Sozialen Stadt" - geplant und produziert von Jugendlichen aus Bruchsal. Nicht nur dort fühlen sich Jugendliche oft alleine gelassen und wissen nicht, an wen sie sich wenden können.
Das Problem ist den Mitgliedern des Jugendgemeinderates bekannt, die bei der Filmvorführung mit dabei waren und bei der anschließenden Diskussion den Jugendlichen Rede und Antwort standen. „Wir brauchen die Resonanz von Jugendlichen - sie müssen auf die Stadt und auf die Jugendgemeinderäte zugehen und sagen, was sie wollen." so die Aufforderung von Jonas Ganter, einem der Sprecher des Jugendgemeinderates. Die ersten Wünsche und Ideen nimmt er bereits mit, denn im Film und unter den Anwesenden wurde der Ruf nach einem Jugendzentrum laut, in dem Jüngere ein attraktives Freizeitangebot finden. „Das HdB ist für Kleinere", so die Aussage eines Jugendlichen im Film. Gewünscht wird auch ein Schwarzes Brett, auf dem alle Veranstaltungen für Jugendliche aufgeführt sind. Am liebsten mit dem Vermerk „kostenlos", denn viele Angebote sind nach Meinung von Jugendgemeinderat Jonas Ganter für Jugendliche schlicht zu teuer.
Beide Ideen sollen nun im größeren Kreis mit Vertretern verschiedener Jugendeinrichtungen diskutiert werden, damit es zu einem guten Ergebnis kommt und hinterher niemand sagen kann „Uns fragt ja keiner".
Die Unterstützung von Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick ist ihnen in diesen Punkten gewiss. „Ich will schon etwas „Gscheites" anbieten, solange ich weiß, dass die Jugendlichen dann auch dort hingehen" - so die eindeutige Zusage des Stadtoberhauptes. (A.G.)
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Kommentare
Kreis-Beratung
In einem "größeren Kreis" soll also nun weiter beraten werden. Damit was "Gscheites (Zitat)" dabei herauskommt.
Aha.
Wenn ich die Berichte über die finanzielle Situation dieser unserer lieben Stadt recht in Erinnerung und nicht nur geträumt habe, diese durch die Lupe der Wirklichkeit betrachte und mit den finanziellen Konsequenzen der sehr nachvollziehbaren Forderung der Jugendlichen vergleiche, frage ich mich, worüber die Frau Oberbürgermeisterin da beraten lassen will - viel mehr als das Schwarze Brett mit Extraspalte "Kostenlos" kann es doch wohl nicht sein.
Und wenn es denn so ist, wäre es ein schöner Anfang gewesen, den Jugendlichen die grausame Wahrheit zu sagen, anstatt sie politprofimäßig in ein paar Meter akustischen Schaum laufen zu lassen - oder?
Jugendzentrum? Was hat sich getan in 30 Jahren?
Bei Gesprächen mit Mitgliedern des Jugendgemeinderates meine ich festgestellt zu haben, dass diese gar nicht so zufrieden mit ihrer Situation sind. Vor über 10 Jahren wurde der Jugendgemeinderat gegründet, so richtig "angekommen" ist dieser jedoch bis heute nirgends. Mehr als eine Feigenblattfunktion hat der Jugendgemeinderat bisher nicht ausgeübt, denn welche Kompetenzen werden ihm zugebilligt und welche eigene Entscheidungsmöglichkeiten (die gehören meiner Meinung auch dazu) haben die Jugendgemeinderäte?
Und vielleicht noch eine kleine Anmerkung zum Thema Jugendzentrum. Bereits vor über 30 Jahren wurde in Bruchsal das Thema Jugendzentrum heiß diskutiert. Die Jugendlichen ans HdB verwiesen, das aber bis heute nicht seiner Rolle als offener Jugendtreff gerecht werden konnte.
Die Diskussion um eine Jugendbegegnungsstätte wurde damals dadurch von der Stadtverwaltung versucht abzuwürgen, in dem die Jugendlichen, die heute teilweise die Mütter und Väter derer sind, die jetzt ein Jugendzentrum fordern, in die linksradikale Ecke zu stellen versuchte und sie als Sympathisanten der Baader-Meinhof-Gruppe diffamierte.
Ein Teil der Bruchsaler Stadtgeschichte, der auch noch nicht aufgearbeitet wurde.