Der „Name“ von Lebensmitteln

DruckversionPer e-Mail versenden
Bei Verkehrsbezeichnungen muss nachgebessert werden
Dienstag, 8. Mai 2012 - 12:09

Stuttgart, 08.05.2012 – Die mit viel Phantasie von Herstellern gewählten Produkt- namen sind häufig keine geeignete Einkaufshilfe. Verpackte Lebensmittel müssen deshalb eine sogenannte Verkehrsbezeichnung tragen. Diese Bezeichnung soll Verbrauchern ermöglichen, die Art eines Lebensmittels zu erkennen und es von anderen zu unterscheiden. Doch auch die Verkehrsbezeichnung erfüllt diese Anforderungen häufig nicht, wie eine aktuelle Untersuchung der Verbraucher- zentralen zeigt.

Die Verkehrsbezeichnung ist der „offizielle“ Name eines verpackten Lebensmittels und ein wichtiges Kennzeichnungselement. Doch häufig führt sie eher ein Schatten- dasein. Bei einer bundesweiten Marktuntersuchung der Verbraucherzentralen wurden 119 Produkte gezielt ausgesucht, deren Verkehrsbezeichnung nicht eindeutig, beschönigend oder schwer zu finden war. Bei rund zwei Dritteln davon war die Verkehrsbezeichnung nicht auf der Schauseite angebracht und erst nach intensiver Suche auffindbar, z.B. in einem Falz auf der Rückseite der Verpackung. Bei 14 Prozent der Produkte wurden Verstöße gegen rechtliche Vorgaben zur Verkehrsbezeichnung festgestellt. Einige Produkte trugen gar keine Verkehrs- bezeichnung bzw. keine in deutscher Sprache. Um die Suche zu vereinfachen, schreibt das Lebensmittelrecht derzeit zwar vor, die Verkehrsbezeichnung mit Mindesthaltbarkeitsdatum und Füllmengenangabe im selben Sichtfeld anzubringen. Doch bei neun Prozent der betrachteten Lebensmittel wurde auch diese gesetzliche Vorgabe nicht erfüllt.

Hat man die Verkehrsbezeichnung endlich gefunden, steht man vor der nächsten Hürde: Zu kleine Schrift (27 Prozent), fehlende optische Hervorhebung (27 Prozent) und schlechter Kontrast (8 Prozent) erschweren die Lesbarkeit.

Doch selbst das Finden und Entziffern der Verkehrsbezeichnung ist noch keine Garantie für angemessene Information. Denn was soll man sich unter „Flüssiger Süßware“ vorstellen, was verbirgt sich hinter „Westernhacklets“? Der Knackpunkt: Nur für wenige Lebensmittel gibt es gesetzlich vorgeschriebene Verkehrs- bezeichnungen wie etwa „Fruchtsaft“ oder „Milchschokolade“. Andernfalls sind allein die Hersteller für die Formulierung einer Verkehrsbezeichnung verantwortlich.

Der gesetzlich definierte Zweck der Verkehrsbezeichnung als verlässliche Produktinformation steht für viele Hersteller aber ganz offensichtlich nicht im Vordergrund: Insgesamt 29 Prozent der untersuchten Produkte trugen Verkehrs- bezeichnungen, die nicht aussagekräftig oder eindeutig waren. Bei 44 Prozent versprach die Verkehrsbezeichnung sogar mehr, als das Lebensmittel tatsächlich halten konnte. So verriet erst die Zutatenliste von „Nudeln mit Blattspinat“, dass letztendlich mehr Salz, Zucker und Zwiebeln enthalten waren als der angepriesene Spinat, der gerade einmal ein Prozent der Zutaten ausmachte.

Damit die Verkehrsbezeichnung für Verbraucher tatsächlich eine Einkaufshilfe sein kann, müssen Gesetzgeber und Hersteller dringend nachbessern:

    •  Die Verkehrsbezeichnung gehört auf die Schauseite der Verpackung und noch einmal vor die Zutatenliste
    •  Für eine gute Lesbarkeit muss die Schrift ausreichend groß sein, in der Regel mindestens 3 mm, und es muss der Kontrast stimmen
    • Die Verkehrsbezeichnung muss der tatsächlichen Produkt-zusammensetzung entsprechen
    • Bei Nennung wertgebender Zutaten ist der zugehörige Gewichtsanteil deutlich in der Verkehrsbezeichnung anzugeben
    • Der Einsatz von Aroma muss bereits in der Verkehrsbezeichnung eindeutig erkennbar sein, beispielsweise durch Zusätze wie „aromatisiert“ oder „mit Aroma“.


Untersuchungsbericht "Langfassung": http://www.vz-bawue.de/mediabig/209961A.pdf

Untersuchungsbericht "Kurzfassung": http://www.vz-bawue.de/mediabig/209971A.pdf

Beispiele unzureichender Verkehrsbezeichungen: http://www.vz-bawue.de/mediabig/209991A.pdf

Noch keine Bewertungen vorhanden
Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen