„Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns…“

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Gedenkveranstaltungen zum 65. Jahrestag der Bombardierung von Bruchsal am 1. März 1945
Freitag, 5. März 2010 - 18:15

 

Kino 01

Bruchsal (pa). Einen überaus starken Andrang erlebten die Aufführungen des neuen Dokumentarfilms „Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns" des Bruchsaler Regisseurs Dirk Weiler. Mehr als 2000 Menschen aller Generationen - Augenzeugen des Luftangriffs ebenso wie Jugendliche - nutzten im Laufe des Tages und Abends die Gelegenheit, im Cineplex den rund einstündigen Streifen zu sehen. Zur Vorführung um 21 Uhr war der Andrang gar so groß, dass kurzfristig ein weiterer Termin eine Stunde später organisiert werden musste, zu dem sich nochmals zwei Kinosäle füllten. Rege waren im Anschluss an den Film die Diskussionen im Kinofoyer, viele Emotionen wurden wach, nicht zuletzt hervorgerufen durch die lange Namensliste der Toten des 1. März 1945, mit der der Film endet.

Kino 02

Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick begrüßte jeweils gemeinsam mit Regisseur Weiler die Besucher, stellte dabei die historischen Ereignisse des 1. März 1945 in ihren historischen Kontext und zog die Verbindungslinie zur Gegenwart. Denn 65 Jahre Kriegszerstörung bedeuten zugleich auch 65 Jahre Frieden in Mitteleuropa. In diesem Sinne, so die Oberbürgermeisterin, sei Weilers Dokumentation auch als ein Antikriegsfilm zu verstehen. Was ganz am Ende des Streifens, nach der Liste der Opfer, deutlich in einem Zitat von Ernst Friedrich von Weizsäcker zum Ausdruck kommt: „Der Friede ist die Aufgabe unserer Zeit".

Groß war der Andrang im Übrigen auch bei den Schülervorführungen, die im Laufe der gesamten vergangenen Woche im Cineplex angeboten worden sind: Teilweise mit kompletten Klassenstufen haben Schulen die entsprechende Einladung der Stadt Bruchsal wahrgenommen.

 

Auszüge aus der Ansprache der Oberbürgermeisterin bei der offiziellen Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Bergfried, 01.03.2010:

Vor 65 Jahren wurde Bruchsal getroffen. Nicht nur ein bisschen, nicht nur am Rande, sondern in seiner Mitte. Im Herzen der Stadt. [...]

Heute, vor genau 65 Jahren nahm ein Geschwader aus 116 Bombern Anflug auf Bruchsal. Um 13.50 Uhr waren die ersten Flugzeuge zu sehen. Die meisten der heute noch lebenden Augenzeugen waren damals Kinder oder Jugendliche. Beim Anblick der entfernten Punkte am Himmel war bei vielen der Spieltrieb geweckt. Man machte sich einen Spaß daraus, die Bomber zu zählen. Dies war nicht ungewöhnlich. In den letzten Kriegsmonaten überflogen viele Bomberformationen Bruchsal - sie hatten alle ein entferntes Ziel und waren keine Bedrohung für die Siemens-Stadt.

Am 1. März 1945 war jedoch alles anders. Augenzeugen berichten von einem Glitzern am Himmel. Das Schauspiel - das anfangs viele Kinder faszinierte - veränderte die Geschichte der Stadt: Ab 13.54 Uhr fielen Bomben auf Bruchsal. In drei Angriffswellen wurden 900 Spreng- und 50.000 Stabbrandbomben ausgeklinkt. Um 14.34 machten sich die Bomber auf den Rückweg zum Heimatflughafen. Zu diesem Zeitpunkt war die Heimat vieler Bruchsaler nicht wieder zu erkennen. Die Bomben haben tiefe Narben gerissen. Zurück blieben Sprengtrichter, Schuttmassen und zahlreiche Einzelfeuer, die sich schnell zu einem Flächenbrand vereinigten. [...]

Kranzniederlegung

Überlebende mussten oft Vater, Mutter, Geschwister, Onkel, Tante und weitere Verwandte betrauern. Augenzeugen wachen noch heute auf mit Brand- und Leichengeruch in der Nase. Wieder andere träumen von den entstellten Gesichtern der zahlreichen Erstickungsopfer. Die wenigen Bruchsaler die Haus und Hof behalten haben, sind traumatisiert durch die Vielzahl der Hilfsanfragen. Die Bitte um Unterkunft musste auch nächsten Bekannten ausgeschlagen werden, weil alle Zimmer im Haus bereits durch ganze Familien belegt waren. [...]

Das Ausmaß des Bombardements war grauenhaft. Manchem Augenzeugen kommen noch heute bei der Erinnerung an den 1. März 1945 die Tränen. Bitte geben Sie hier und heute Ihrer Trauer Raum zur Entfaltung. Wir sind am Bergfried zusammen gekommen um der vielen Opfer zu Gedenken und uns gegenseitig Kraft und Halt zu spenden. [...]

Lassen Sie uns das Bombardement auf Bruchsal als Beispiel für alle schrecklichen und grauenhaften Kriegshandlungen in Erinnerung behalten. Das Gedenken muss dabei in einer Linie mit der Machtergreifung Adolf Hitlers stehen. Nur auf diese Weise ist Gedenken ein aktiver und in die Zukunft gerichteter Prozess, der zum Pfeiler für ein friedliches Zusammenleben werden kann.

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