Sprachwitz und Spielspaß mit „Die Widerspenstige“

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Datum: 
Freitag, 29. Juni 2012 - 20:30
 Marcus Joos

Die anspruchsvolle Titelrolle verkörpert Christiane Rieger-Klein. Foto: Marcus Joos

In vier Jahrzehnten Koralle-Sommertheater im Bruchsaler Stadtgarten hat sich das Belvedere als recht wandelbare Freilichtkulisse erwiesen. Diesmal liegt die Spielstätte in Campanien - mit Blick über den Golf hinweg nach Neapel.

Die prachtvollen  Sonnen- untergänge über dem durch Chemierückstände knallblau gefärbten Meer sind einzigartig. Ideal zu betrachten von der Terrasse des „Ristorante Baptista“, „der“ touristische Publikumsmagnet. Wenig mehr hat die Kneipe sonst zu bieten. Wein- und Speisekarte kann man vergessen. Nicht aber die begehrenswerte Baptista-Tochter Bianca.

Ein Verehrerquartett aus zwei Kellnern, einem Poeten und einem reichen Fabrikantensohn, stellt der Schönen nach und wirbt mit Feuereifer um ihre Gunst. Entflammt von durchaus ehrenwerten Heiratsabsichten. Natürlich kann nur einer ihre Hand erringen.

Doch das Haupthindernis auf dem Weg ins Glück ist die spröde Katharina, die ältere Schwester. Verehrer sind bei ihr Fehlanzeige! Doch erst „muss“ die Ältere unter die Haube, ehe Bianca „darf“. Eiserner Befehl vom Kneipenwirt und Vater. „Die Widerspenstige“ vergrault alle Kandidaten noch ehe sie solche sind. Bisher jedenfalls mit reichlich Erfolg.

 Marcus Joos

Fragwürdige Kellner und eine tumbe deutsche Touristenfamilie sorgen freiwillig und unfreiwillig für Gags. Foto: Marcus Joos.

Gutes Zureden der Bianca-Fans mit Aussichten auf einen Job als Kellner, eine saftige Aufwandsentschädigung für zu erwartende Ehe-Leiden und handfeste weitere Vorteile lassen den arbeitslosen Petruccio sein Glück bei Katharina versuchen. Der bezahlte Bewerber ist nicht gerade ein Charmeur. Aber was soll’s. Sie ist auch nicht charmant, eher resolut, forsch, ja biestig.

Als wider Erwarten das abgekartete Spiel gut läuft, ja Petruccio offenbar echt Feuer fängt, da taucht seine renitente „Mamma“ auf. Die will den verlorenen Sohn weiter klammern und vor der Ehe retten. Ein wahrer Prellbock und Hemmschwelle in einem. Koffer werden gepackt. Doch wozu?

Es geht frisch und frech durcheinander und zur Sache. Für reichlich Komik und viel Wortwitz sorgen nicht nur die Liebeshungrigen, sondern alle Mitwirkenden einschließlich einem deutschen Touristen-Trio.

Manfred Rieger hat sich der modernen, flotten Komödie von Christoph Eckert - nach der bekannten Shakespeare-Vorlage - angenommen. Er arbeitet mit mehr als einem Dutzend Protagonisten zielstrebig daran, alle Eheglück-Hindernisse zu beseitigen, um die skurrile Geschichte zum unausweichlichen „Happyend“ zu bringen. Etliche neue Gesichter bevölkern die Freilichtbühne neben vielen bereits bewährten Kräften.

Bleibt zu hoffen, dass nicht nur das amüsante Stück und die Scheinwerfer der Technik, sondern vor allem die Sommersonne für lauschige Parknächte und  heitere Zuschauerminen  sorgen.

Dies sollte das Taggestirn nach Kräften besonders an den Spielterminen tun, am 16. (Premiere), 17., 22., 23., 24., 29. und 30. Juni sowie am 1. Juli 2012. Beginn ist immer um 20.30 Uhr. Karten gibt es bei der Buchhandlung Bertelsmann, Kaiserstraße 37 oder über www.diekoralle.de im Internet.

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