Gretchen 89 ff. - Theatersatire v. Lutz Hübner - Exil Theater

DruckversionPer e-Mail versenden
Datum: 
Donnerstag, 29. Dezember 2011 - 20:00 - 22:00
Den „Faust“ brauchen Sie hier weder zu kennen, noch zu mögen, denn nicht Goethe steht im Mittelpunkt, sondern andere Theatergötter: die natürlichen Angstgegner Regie und Schauspiel. Gretchen 89 ff ist eine Liebeserklärung an das Theater, ein urkomischer Spaß für alle und ein tiefer Blick hinter die Theaterkulissen: Im rasanten Wechsel proben die unterschiedlichsten Regisseure und Schauspielerinnen die „Kästchenszene“ aus Goethes Faust I, Reclamheft, Seite 89 fortfolgende…
Gretchen 89 ff.

 

„Wie kommt das schöne Kästchen hier herein? Ich schloss doch ganz gewiss den Schrein. Es ist doch wunderbar! Was mag wohl drinne sein?“
 
Wer das wissen möchte? Natürlich Gretchen, die bekannteste Jungfrau des deutschsprachigen Theaters. Für das Publikum aber ist eine andere Frage von größerem Interesse: Wie wird uns dieses Gretchen wohl präsentiert? Traditionell, also im klassischen Outfit mit Zöpfen und Nachthemd? Oder als neugierige Lolita im Bikinihöschen und mit gepiercten Brustwarzen? Ist sie naiv oder abgebrüht, intelligent oder debil, hübsch oder hässlich? Fragen über Fragen, auf die einer im Theater  glücklicherweise immer eine Antwort weiß: der Regisseur. Er entscheidet auch, ob das ominöse Kästchen eine Goldschatulle ist, ein Pizzakarton oder ein blauer  Müllsack, und keine Schauspielerin darf sich sicher sein, ob sie wirklich Schmuck darin findet...
 
Ob der Regisseur sich durchsetzt, liegt allerdings wesentlich auch an der kriminellen Energie seines Ensembles, seiner Fähigkeit Fallen zu stellen und – soweit es Gretchen angeht – an der mehr oder weniger ausgeprägten Widerständigkeit der Darstellerin. Denn uns, die wir gerne ins Theater gehen, ist doch längst klar: Regisseure haben allesamt eine Macke und Schauspieler ein Problem mit der Selbstdarstellung. Oder umgekehrt. Gemeinsam leiden beide an der Welt da draußen, und sie ziehen sich am liebsten in ihren Schutzraum, das Theater, zurück, um zu proben, wie der Ernst des Lebens durch die Kunst erträglich gemacht werden kann.
 
Gretchen 89 ff beschäftigt sich genau damit; es lässt dem Stoßseufzer einer älteren Zuschauerin, „Hoffentlich spielen sie das Stück heute so, wie es ist!“ einen kabarettistischen Szenenreigen folgen, der groteske Figuren aus den Abgründen hinter den geschlossenen Türen der Proberäume ans Licht befördert: Die Diva, die überambitionierte Dramaturgin und die überforderte Anfängerin.
 
Faust aufs Zwerchfell!

Ort: Exil Theater · Güterbahnhof 5 · Bruchsal
Karten: 9,- € Vorverkauf / 9,- € Abendkasse / 6,- € ermäßigt
Vorverkauf: Hirsch-Apotheke, Bahnhofstr. 8, 76646 Bruchsal, Tel. 07251-2656 oder online unter www.exiltheater.de

Es spielen: Wera Schnürer und Marco Feßler
 
Regie: Bernhard Wendel


Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen