Jule Malischke & Sönke Meinen – Ein Konzert der Meisterklasse

Jazzclub Bruchsal

“Egal was im Leben passiert, man muss immer versuchen die Krone auf dem Kopf zu behalten, auch wenn es um dich herum wackelt”.  Mit diesem Satz eröffnete die Sängerin und Gitarristin Jule Malischke nicht nur das Konzert am Mittwoch Abend in der Koralle vor ausverkauftem Haus. Sie erzählte ihre persönliche Geschichte und stellte ihr neues Album “Princess” vor.
Gebürtig stammt Jule Malischke aus Heidenheim an der Brenz, sodass zumindest ihr im Gegensatz zu dem ostfriesländer Gitarristen Sönke Meinen der nordbadische Dialekt nicht völlig fremd erschien. Zum Studium an der Gitarre zog es die Ausnahmemusikerin dann aber schließlich an die Hochschule für Musik Dresden, um bei dem dortigen Professor Stefan Bormann unterrichtet zu werden.

Inspiriert von der Studienzeit in Dresden, von Begegnungen mit interessanten Menschen, Freunden, Kommilitonen und anderen Musikern, die nahezu überall in der wunderschönen Stadt einen Ort gefunden haben, um ihre Ideen für neue Kompositionen niederzuschreiben, entstanden die Stücke für das Konzert in Bruchsal. Jule Malischke bescherte dem Publikum einen “schönen Sommertag in Dresden”, in der sie den Klangteppich mit der Gitarre legte und mit ihrer Stimme über die Technik des Vokalisierens den Zuhörern gezielt Bilder in die Gedankenwelt zeichnete. Über Klänge wurden ganze Geschichten erzählt, man war so tief versunken im Sommertag, dass man die eisigen Wintertage in Bruchsal schnell vergessen konnte. Aber wenn sich das Konzert musikalisch auszeichnete, dann war es die Abwechslung! Ihr Kommilitone und guter Freund Sönke Meinen, mit welchem sie Auftrat, betrat nach dem ersten Solo-Part von Jule Malischke die Bühne. Um den Übergang der beiden Musiker geschmeidig zu gestalten, spielten sie ein gemeinsames Duett. Mit einer interessanten fingerstyle Version von Stevie Wonders “Isn’t she lovely” blieben auch bekannte Melodien nicht aus. Es folgte ein Solo-Part von dem ostfriesländer Sönke Meinen, welcher für viele Noten in sehr kurzer Zeit große Bekanntheit erlangt hatte. “Würde Sönke nach der Anzahl der Noten bezahlt werden, die er an einem Abend spielt, so würde die Gage recht üppig ausfallen”, so Jule Malischke. Sönke Meinen stellte sein neues Album “Perpetuum Mobile” vor. Mit beeindruckenden, teils schon akrobatischen Gitarrenlicks in einer Art multitasking Spieltechnik auf seinem Instrument demonstrierte er, dass es durchaus möglich ist, Percussion, Bass, Rythmusgitarre und Solo Gitarre alles zur selben Zeit alleine auf der Gitarre zu spielen.
Er sprach von einem kleinen Raum mit einer hoch errichteten Decke in Dresden, welcher für viele Musiker und Komponisten sehr gerne aufgesucht wird, da sich in genau diesem Raum der Schall wunderbar ausbreiten kann. So entstand das Stück “A Magical Place”. Es folgte eine Geschichte von einer großen Problematik in Amsterdam, mit der Sönke Meinen auf dem Weg zu einem Konzert konfrontiert wurde. “Als Autofahrer hat man es besonders schwer in Amsterdam ans Ziel zu können, da eine bestimmte Spezies den Verkehr erschwert”. Mit der Spezies waren selbstverständlich die Radfahrer gemeint. Ihnen wurde das Stück “On The Run” gewidmet, in der in rythmisch hektischer Taktung und Dissonanzen der Großstadtdschungel mit seiner Entropie charakterisiert wurde. Aber auch typische Geschichten eines Studenten wurden thematisiert, wie es ist, wenn man in einer fremden Stadt studiert und zu Weihnachten in den Zug steigt um nach längerer Zeit nach Hause zur Familie zu fahren, um mit ihr die Weihnachtsfeiertage zu verbringen. So spielte Sönke Meinen das Stück “Homeland”, welches er in genau so einer Situation im Zug auf der Fahrt in die Heimat komponierte. Mit vielen Gesangsstücken, einigen Jazz Standards, schnellen Stücken, aber ebenso auch ruhigen und meditativen Kompositionen, beendeten Jule Malischke und Sönke Meinen den schönen Jazz Abend in der Koralle und hinterließen dem Publikum tolle Gemälde in deren Gedanken.

Felix E. Gärtner

Foto: Lothar Lunemann

Sönke Meinen

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