Für zehn Tage auf Studienreise in Israel und im Westjordanland

Kamele warten auf Käufer. Foto: privat

Besuch in der Partnerregion des Landkreises in Sha’arHanegev
Der Deutsch-Israelische Freundeskreis bot an Pfingsten Mitgliedern und Interessierten eine 10-tägige Studienreise, um Israel aus eigener Anschauung besser kennenzulernen. 32 Reisende besuchten u.a. die Partnerregion des Landkreises Sha’arHanegev und wurden dort vom stellvertretenden Landrat Odet Plut und seinen Mitarbeiterinnen Tami Halevi und Yael Raz Lachyani im Verwaltungssitz Sederot herzlich empfangen. Die Partnerschaft besteht seit nunmehr fast 25 Jahren. Tami und Yael –in Israel spricht man sich mit dem Vornamen an- begleiteten die Reisegruppe in das Kibbuz Nahal Oz, das mit seinen 400 Einwohnern ca. 800 Meter von der Grenze zum Gaza-Streifen entfernt liegt. „Dort wohnen Menschen wie wir, die Angst um ihre Kinder haben“, sagt Tami. „Die Bewohner werden missbraucht. Oft nutzt die Terrororganisation Hamas ihre Privathäuser als Abschussrampen für Raketen und zieht sich dann in sichere Bunker zurück.“ Bis in die 80er Jahre kamen die Menschen täglich aus dem Gazastreifen zum Arbeiten in das Kibbuz und man kannte sich. Seit der 1. Intifada 1987, dem Aufstand der Palästinenser, ist das anders und während des Gaza-Krieges „Protective Edge“ 2014 kam es zu traumatischen Situationen im Kibbuz. Überall sind Schutzräume und Bunker, denn im Falle eines Angriffs bleiben nur wenige Sekunden.

Luftschutzbunker

Luftschutzbunker für Kindergartenkinder in Kibbuz Nahal Oz. Foto: privat

Yael berichtet sehr emotional vom Tod des vierjährigen Daniel und ihrer eigenen fünfköpfigen Familie. Nahal Oz ist keine Siedlung, sondern ein Kibbuz und liegt auf israelischem Kernland, das durch UN-Beschluss 1947 dem Staat Israel zugesprochen wurde. Die Siedlungen im Gaza-Streifen wurden 2005 geräumt. Tami kam als Vierjährige aus Deutschland nach Israel. Ihre Vorfahren namens Meyer wohnten in Bruchsal, wo sie vor einigen Jahren die Gräber besuchte und von Rolf Schmitt durch die Stadt geführt wurde. Heute freuen sich Tami und Yael über die Besucher und das Interesse aus Deutschland.

V.l.n.r.: Yael, Tami, Herr Schmitt und Frau Schott

V.l.n.r.: Yael, Tami, Herr Schmitt und Frau Schott. Foto: privat

Im Augenblick ist es ruhig an der Grenze und man bereitet sich auf das Wochenende vor.
Die Reisegruppe nähert sich dem Ende der Reise und fährt weiter nach Tel Aviv, wo weitere Begegnungen mit der 89-jährigen ehemaligen Karlsruherin Margot Elrond-Gross sowie der früheren Zeit-Korrespondentin Gisela Dachs warten. Außerdem gibt es Führungen durch das historische Zentrum Neve Zedek sowie die zum Weltkulturerbe gehörende Bauhaus-Architektur Tel Avivs.

Alte und neue Architektur in Tel Aviv. Foto: privat

Alte und neue Architektur in Tel Aviv. Foto: privat

Am Anfang der Studienreise standen das historische Israel und ein Besuch beim Obersten Gerichtshof in Jerusalem auf dem Programm, dem verschiedene Minderheiten und auch Araber angehören. Die Reisegruppe war beeindruckt von der aussagekräftigen Architektur des neuen Gebäudes sowie dem Autonomiegrad des Rechtsstaates in Israel.

Oberster Gerichtshof in Jerusalem. Foto: privat

Oberster Gerichtshof in Jerusalem. Foto: privat

Neben dem Obersten Gericht fand sich selbstverständlich auch der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem im Programm.
Bei einer Exkursion ins Westjordanland stand neben der Bierbrauerei in Taybe vor allem die Wüsten-Retortenstadt Rawabi im Mittelpunkt. Dort sollen mit Hilfe arabischer und israelischer Investoren zahlreiche Wohnungen und Freizeitmöglichkeiten für 40.000 Menschen entstehen. 8000 ausgewählte Bewohner sind bereits eingezogen. Man merkt den Bierbrauern und unserem arabischen Reiseführer den Stolz auf diese Leistung an. Die Brauerei-Familie bezeichnet sich als „Post-Oslo Familie“, da sie 1994 nach den Friedensabkommen von Oslo in der Hoffnung auf Frieden aus den USA zurück in die Heimat kam. Leider wurde diese Hoffnung enttäuscht und 1995 der Ministerpräsident Izhak Rabin ermordet. Im Jahre 2000 scheiterten die Friedensgespräche von Camp David. So verschärfte sich die Situation und macht es für die einfachen Menschen heute immer schwerer. Dabei gibt man gerne Israel die Schuld, spart hinter vorgehaltener Hand aber auch die eigene Führung nicht aus. Dass die Sicherheitslage prekär bleibt, sieht man an einem Messerattentat vier Tage nach unserer Abreise, am Damaskus Tor, 500 Meter von unserem Hotel, dem eine junge Polizistin zum Opfer fällt. Die drei Attentäter werden erschossen.

Retortenstadt Rawabi. Foto: privat

Retortenstadt Rawabi. Foto: privat

Schwierig bleibt die Lage auch auf dem Golan, wo die Gruppe vom Berg Tal aus einen Blick nach Syrien werfen konnte. Reiseleiterin Tati Weiss, als evangelische Pfarrerin seit 16 Jahren vor Ort mit einem Israeli verheiratet, versucht die komplizierte Lage zu erklären, auch, dass Israel zwar keine Flüchtlinge aufnimmt, aber in einem mobilen Feldlazarett Verwundete direkt vor Ort versorgt. Fest steht, dass der israelisch-palästinensische Konflikt heute durch einen viel gravierenderen
innermuslimischen und geostrategischen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen Saudi-Arabien und Iran überlagert wird.

UN-Beobachtungsposten auf den Golan-Höhen. Foto: privat

UN-Beobachtungsposten auf den Golan-Höhen. Foto: privat

Einen Ausflug in Natur und Geografie Israels unternimmt die Gruppe von der Wüsten-Oase En Gedi aus. Dort kann man 400 m unter dem Meeresspiegel im Toten Meer baden, in der Judäischen Wüste wandern, die Felsenfestung Mazada zu Fuß oder per Seilbahn erklimmen und im Kibbuz-Hotel entspannen.

 Die Reisegruppe vor der Skyline von Tel Aviv. Foto: privat

Die Reisegruppe vor der Skyline von Tel Aviv. Foto: privat

Bei dem Abschlussgespräch mit der ehemaligen Zeit-Korrespondentin Gisela Dachs ging es auch um die Frage, warum Israel in der deutschen Öffentlichkeit zunehmend in einer einseitigen Kritik steht. Oft fehlt es an der konkreten Kenntnis der Situation vor Ort. So sollte Israel bereits vor dem Sechstagekrieg, als es noch keine Siedlungen gab, von der Landkarte verschwinden. Es werden oft ungleiche Maßstäbe angelegt. Immerhin ist Israel, auch mit einer demokratisch gewählten rechtsgerichteten Regierung, die einzige Demokratie im Nahen Osten, umgeben von Ländern mit sehr zweifelhaften Regimen. Wer sagt, Israel sei an allem schuld, macht es sich definitiv zu leicht.

Blick aus dem Hotelfenster über Tel Aviv. Foto: privat

Blick aus dem Hotelfenster über Tel Aviv. Foto: privat

(BM)
Die Reise kann auf einem Reiseblog im Internet detailliert nachvollzogen
werden: http://difk-israelreise2017.blogspot.de/

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