Es ist ein gutes Gefühl, ein Bruchsaler sein zu dürfen

Emma und Otto Oppenheimer. Um 1950 in New York. c Leo-Baeck-Institut, New York

So titelte die Bruchsaler Rundschau vergangenen Montag  beim Bericht über eine Matinée, die der Narrenrat zum 140. Geburtstag des Dichters Otto Oppenheimer ausrichtete.

Hierbei zitierte die Mitarbeiterin der Zeitung Philip Konrad, der mit diesen Worten zum Abschluss der Veranstaltung einen Bogen schlug von der Vertreibung und Flucht des jüdischen Kaufmanns Otto Oppenheimer, dessen Familienangehörigen und Millionen anderer Menschen zu Zeiten des Nationalsozialismus, zu heute, wo wieder Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Elend sind.

Doch anders als in der einen oder anderen deutschen Stadt, wo Horden Unverbesserlicher gegen Mitmenschlichkeit demonstrieren und die Unterkünfte von Flüchtlingen abfackeln, beweisen die Bruchsaler Weltoffenheit, Humanität, Toleranz und Hilfsbereitschaft den Menschen gegenüber, die sich in ihrer Heimat einer ausweglosen Situation ausgesetzt sahen und diese verlassen mussten. Dies wurde auch von einer zuständigen Sachbearbeiterin im Landratsamt Karlsruhe bestätigt – Bruchsal steht ganz oben, was die Hilfe für die hier untergebrachten Flüchtlinge angeht.

Es war eine Veranstaltung, die wunderbar zu den “Heimattagen” passte. Eine Veranstaltung des Narrenrates, die ganz und gar nicht närrisch war sondern Gelegenheit bot, über den oftmals missbrauchten Begriff “Heimat” nachzudenken – und vor allem darüber nachzudenken, was der Verlust von Heimat bedeutet. In einem Lied singt Herbert Grönemeyer zum Thema: “Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl”.

Was Heimat bedeutet bringt Otto Oppenheimer in einem Brief in seine alte Heimatstadt Bruchsal an Fritz Holoch zum Ausdruck:

„Inzwischen habe ich auch den Brief […] bekommen und habe mich sehr damit gefreut. Das war wirklich ein lieber Gedanke […] und – ich muss es offen sagen – ich habe geheult, als ich die Namen der 27 Unterschriebenen gelesen habe. Und genau so ging es meiner Frau. Da ist das alte Brusel wieder vor unseren Augen gestanden, wie es früher war, vor 1933. Wieder diese alten lieben Menschen, mit denen wir zusammen gelebt, zusammen gewirkt und zusammen geholfen haben, lange bevor der Braunauer Lump die Welt vergiftete. So habe ich mich auch immer gefreut, wenn ich durch Dich, lieber Fritz, Grüße von Altersgenossen und Stammtischfreunden bekam.“

Über die letzten Jahre in der Fremde schreibt Ottos Witwe Emma kurz nach dessen Tod an die Familie Holoch-Uhler:

„Sein nie versiegender Humor hat ihm und uns allen immer wieder geholfen, auch leidvolle Zeiten zu verwinden. Das Heimwehgefühl nach unserem lieben Brusel haben wir beide nie verwunden, wir waren zu fest mit unserer Heimat verwurzelt.“

Diese Veranstaltung des Narrenrates hat vielleicht mehr zum Verstehen dessen, was Heimat ist, beigetragen, als so manches Popmusik-Konzert mit einschlägigen zweit- oder drittklassigen Gangs, das Trällern einer “Bruchsal-Hymne” oder der Marsch verkleideter Menschen durch Bruchsals Fußgängerzone. Dies zu werten sei aber jedem selbst überlassen.

Dankenswerterweise hat Waldemar Zimmermann wieder mal zu seiner Kamera gegriffen und die wesentlichen Teile der Oppenheimer-Matinée aufgezeichnet. Der vom Exil-Theater gelesene biografische Text zu Otto Oppenheimer mit vielen Originalzitaten ist zu sehen, ebenso wie die An- und Abmoderation von Rüdger W. Lupp und Philip Konrad sowie in Auszügen die Grußworte aus dem Bruchsaler Rathaus von Thomas Adam.

© Rolf Schmitt

Beitragsbild: Emma und Otto Oppenheimer, um 1950 in New York, Bronx. © Leo-Baeck-Institut, New York.

 

 

 

 

 

FacebooktwittermailFacebooktwittermail

Hinterlasse eine Antwort