Der Untergang der Unterführung

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Zu hohe Unterhaltungskosten, das Gefühl von Unsicherheit, zwei der Gründe, die Architekturkritiker Nikolaus Bernau für das beobachtete Verschwinden von Unterführungen ausmacht. Speziell das ungute Gefühl, das der Mensch unter der Erde empfinde, habe sich auch durch alle noch so ausgeklügelten Beleuchtungsvarianten und Gestaltungsprinzipien beim Bau oder der Renovierung niemals beseitigen lassen.

Was in den 70er Jahren dem damaligen Zeitgeist entsprechend zur Optimierung des Verkehrsflusses sowohl für den fahrenden Verkehr als auch für Fußgänger gedacht war, habe sich rasch als wenig effizient entpuppt und dazu geführt, dass spätestens seit den 90ern keine Unterführungen für Fußgänger mehr gebaut wurden. Als prominentes Beispiel gar für einen geplanten Abriss führt Bernau die legendäre Berliner Unterführung an, die das Messegelände des Kongresszentrums ICC mit der S-Bahn verbindet und das nicht nur als Eldorada für Skater gilt, sondern auch in unzähligen Filmen verewigt ist.

Beim Anhören des 6-minütigen Beitrags (verfügbar in der ARD Mediathek bis 17.10.2018) kam mir doch unweigerlich die in Bruchsal geplante Unterführung in den Sinn, die künftig die Bahnstadt mit der Innenstadt vebinden soll. Wohl sei seinerzeit durch die Bruchsaler Verwaltung und den Gemeinderat die Alternative einer Überführung als Alternative geprüft, jedoch als untauglich verworfen worden, so hört man. Beim Durchqueren der Unterführung am unteren Schlossgarten heute früh dann wieder das mulmige Gefühl im Bauch, das Bernau wohl meint, wenn er sagt, der Mensch sei nicht als Maulwurf geboren.

Bahnhofsteg

Foto Bahnhofsteg Bruchsal: Stadtarchiv
Titelfoto: Markus Hein  / pixelio.de

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4 Responses to Der Untergang der Unterführung

  1. Brusler sagt:

    Weshalb eine Überführung “untauglich” sein soll – wurde das jemals öffentlich dargestellt?
    Wer kann eine Fundstelle nennen?

  2. Langenbruecker sagt:

    Das ist aber nicht bei jedem Menschen so, ich persönlich bin immer lieber durch Unterführungen gegangen, als beispielsweise über stark befahrene Strassen, wo man je nach Ampelphase noch mehrere Minuten warten muss.

    In Karlsruhe wurden ja vor kurzem 2 Brücken über die Kriegstrasse abgerissen (ok, sie waren architektonisch nicht besonders schön) – und auch auf einer Brücke kann einem was passieren…. – trotzdem müssen die Fußgänger, Radfahrer und Eltern mit Kindern jetzt einen provisorischen Übergang an dieser stark befahrenen Straße mit gleich zwei Ampelübergängen nutzen. Gerade heute morgen habe ich erlebt, dass ein Autofahrer wohl in der Annahme, es hätte jd. aus Spaß gedrückt gar nicht angehalten hat.

    Eine Unterführung vor dem Karlsruher Hauptbahnhof wurde verrammelt, da sie tatsächlich wenig genutzt wurde, die dort ansässigen Geschäfte hatten nahezu keinen Umsatz. Im Gegensatz dazu gibt es in den unteren Ebenen des Frankfurter oder Stuttgarter Hauptbahnhofs tatsächlich ein reges Geschäftsleben (ok, auch Drogen werden dort gehandelt…). Vielleicht hängt es auch nur damit zusammen, ob man durch das Nutzen der “Unterführung” auch eine U-Bahn erreichen kann.

    Es ist also die Frage, ob Unterführungen vielleicht auch ein bisschen zu Unrecht einen schlechten Ruf haben, nur weil einige Angst davor haben, oder dort tatsächlich schon einmal Verbrechen geschehen sind. Wenn jemand zB Angst hat eine hohe Brücke zu überqueren, wird für ihn ja beispielsweise auch keine Fußgängerampel gebaut. Vielleicht könnte sich auch mit anderen Mitteln (Nutzen von Videoüberwachung, bessere Beleuchtung) hier das Sicherheitsgefühl verbessern lassen.

  3. Viktor Hugo Duerrenmatt sagt:

    In Ulm gibt es, solange ich denken kann, eine FußgängerÜBERführung am Bahnhof über die Gleisanlagen.
    Ich musste da jeden Tag drüber auf dem Weg zu meiner Lehrstelle.
    “Da oben” war es oft zugig, die Treppen hinauf im Winter vereist, man bekam Hitze und Regen voll ab und irgendwann mal hat einer im Suff von der Brücke heruntergepisst…, dummerweise auf die Hochvoltkabel der Bahn.
    Unterführungen sind so attraktiv wie man sie gestaltet und pflegt….siehe München, Stachus.
    Hell, Ladengeschäfte, freundlich gestaltet und natürlich ist genug Frequenz da, um auch ängstlicheren Naturen Sicherheit zu geben.

  4. Dr. Jochen Wolf sagt:

    Der Vollständigkeit halber der Hinweis, dass es am Bruchsaler Bahnhof bis 1934 eine solche Fußgängerüberführung gab.
    Im Jahre 1934 erfasste allerdings der mangelhaft abgesicherte Auslegerhaken eines Eisenbahn-Kranwagens den eisernen Fußgängersteg, der vom Bahnhofsplatz über das Bahnhofsgelände bis zur damaligen Rheinstraße führte, und brachte ihn zum Einsturz. Da dies während der Nacht geschah, kamen glücklicherweise keine Menschen zu Schaden.

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