Das Werk der “Jabos” wird vollendet.

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Zugegeben. Oft komme ich nicht nach Bruchsal. Das meiste was ich brauche kriege ich hier im Ort. Das Geld für die Fahrkarte nach Bruchsal und zurück kann ich mir sparen. Letztens musste ich aber doch in die Barockstadt, ein Facharzttermin stand an.

Etwas bedrückt, wusste ich doch zu diesem Zeitpunkt noch nicht von dem Ergebnis des Facharzttermines, ging ich Richtung Styrumstraße zum Internisten. Doch kurz nach dem Postamt stutzte ich. Wo war denn das schöne Haus in der Luisenstraße? Eine riesige Baulücke glotzte mich an. Ein Bagger stand, recht unschuldig tuend, vor Baulücke und metertiefer Baugrube. Das Pfarrhaus daneben war mit Stahlseilen umwickelt und ein Schild forderte dazu auf, das Gebäude nicht zu betreten. Es bestand und besteht wohl Einsturzgefahr.

Mein Entsetzen war und ist groß, handelte es sich doch bei den drei Gebäuden, die frühere Landeszentralbank eingeschlossen, um ein hochwertiges innerstädtisches Gebäudeensemble, das in nahezu gleicher Gestalt den Feuersturm des 1. März 1945 überstanden hatte.

Ich sprach eine ältere Dame an, die vor dem Haus stand und sie sagte mir, sie sei entsetzt über die Barbarei. Bei diesem Anblick kämen ihr die Tränen, denn „gewissenlose Grundstückspekulanten“ hätten mit der Zerstörung dieser Stadtvilla ein unwiederbringlich Stück Bruchsaler Heimat zerstört. In nur wenigen Stunden sei es plattgemacht worden und nun stünde auch das Nachbarhaus, die linke Doppelhaushälfte, vor dem Abriss, denn die durch den Abbruch entstandenen Schäden seien wohl irreparabel. Doch nicht nur diese ältere Dame diskutiert und kommentiert kritisch den unwiederbringlichen Verlust historischer Bausubstanz. In Bruchsal geht um, die Bruchsaler Baubehörden würden das vollenden, was die amerikanischen Bomber am 1. März 1945 nicht geschafft hätten. Was hier geschehen sei, sei wie Krieg. Krieg gegen die Heimat, ein Krieg gegen Bruchsal mit einem Sieger: die Gier. Und das Ganze nur daher, da wohl ein dahintersteckender Unternehmer einen respektablen Profit machen wolle.

Einschlägigen Veröffentlichungen darf man entnehmen, dass wohl alles mit rechten Dingen zugegangen sei. So habe die zuständige städtische Behörde wohl keine Handhabe gehabt, die Zerstörung des historischen Gebäudes zu verhindern. So soll das Haus nicht unter Denkmalschutz gestanden haben, die städtische Behörde, die den Abriss und den Neubau eines Mehrfamilienhauses genehmigte, wird wohl auch nicht entsprechend aktiv geworden sein – woher denn auch. Denkmalschutz und Bruchsal sind zwei Komponenten, die zusammen passen wie Feuer und Wasser.

Wie wird es weitergehen? Es ist wohl noch nicht klar, ob das evangelische Pfarrhaus erhalten werden kann. Das sogenannte Wannenmacher-Haus ist endgültig zerstört. Von den Bruchsaler städtischen Baubehörden ist wohl nichts zu erwarten – die ducken sich wohl weg – haben diese doch in letzter Zeit doch zu oft ihren unsensiblen Umgang mit der Vergangenheit und (Bau)geschichte Bruchsals unter Beweis gestellt. Vielleicht findet sich aber eine übergeordnete Behörde, die bereit ist hinzuschauen und dem Treiben in Bruchsal einen Riegel vorzuschieben. Ich persönlich schlage vor, dass anstelle des abgerissenen Hauses nur ein Gebäude errichtet werden darf, das in Größe und Gestalt dem zertrümmerten Wohnhaus entspricht. So wären zumindest die Proportionen des Ensembles wieder hergestellt – die Vernichtung eines der nur noch wenigen innerstädtischen Zeugnisse Bruchsaler bürgerlichen Kultur der früheren Jahre kann so aber nicht rückgängig gemacht werden.

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